Nach Trump-Dekret – USA steigen aus 66 internationalen Organisationen aus

Europa reagiert alarmiert auf ein neues Trump-Dekret, das den Rückzug der USA aus 66 internationalen Organisationen anstößt. Zugleich wirkt der Schritt aus dem Weißen Haus kalkuliert. EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra nennt den Ausstieg aus der UN-Klimarahmenkonvention „bedauerlich und unglücklich“. Bundesumweltminister Schneider bewertet die Linie als „nicht überraschend“ (whitehouse: 07.01.26).


Was das Dekret konkret anstößt

Im Weißen Haus gilt der Kurs als politisches Signal, und die Zahl ist präzise. Die USA sollen 66 internationale Organisationen verlassen. Nach Angaben aus Washington betrifft der Rückzug 35 Nicht-UN-Strukturen und 31 UN-Einheiten, wobei Klima- und Energieformate besonders häufig genannt werden.

"Überflüssig, schlecht verwaltet und teuer"  - das Weiße Haus ordnet nach Trump-Dekret Rückzug aus 66 internationalen Organisationen an
„Überflüssig, schlecht verwaltet und teuer“ – das Weiße Haus ordnet nach Trump-Dekret Rückzug aus 66 internationalen Organisationen an

Die Dekret trägt das Datum 7. Januar 2026 und sie setzt auf Tempo. In dem Präsidialmemorandum ist von „sofortigen Schritten“ die Rede. Behörden sollen den Rückzug „so bald wie möglich“ umsetzen. Gleichzeitig steht eine Einschränkung im Text: Der Ausstieg soll nur „soweit gesetzlich zulässig“ erfolgen, sodass Finanzierungsstopps im Einzelfall an US-Recht oder Haushaltsvorgaben gebunden bleiben.

Warum Washington die Organisationen streicht

Das Weiße Haus begründet den Rückzug mit nationalen Interessen. Die Formulierung ist hart: Die Organisationen „dienten nicht mehr den amerikanischen Interessen“. Zudem erklärt das US-Außenministerium, viele Einrichtungen seien überflüssig, schlecht verwaltet und teuer, während sie aus Sicht der Regierung politisch vereinnahmt würden.

Besonders scharf fällt ein weiterer Satz aus und er zielt auf die Grundfrage der Staatlichkeit. Akteure in diesen Institutionen stellten aus Sicht Washingtons eine „Bedrohung für die Souveränität, die Freiheiten und den allgemeinen Wohlstand der Nation“ dar. Dennoch bleibt offen, welche Programme sofort auslaufen und welche nur schrittweise austrocknen, weil einzelne Zahlungen im US-System gesetzlich verankert sind.

UNFCCC und IPCC: Der Klimakonflikt bekommt ein Datum

Im Zentrum steht die UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC), und damit das Rückgrat der globalen Klimadiplomatie. Genannt wird auch der Weltklimarat IPCC, dessen Berichte für Regierungen und Märkte als Referenz dienen. Außerdem umfasst die Liste weitere Klima- und Biodiversitätsgremien wie IPBES und Naturschutzstrukturen wie IUCN, was die Breite des Rückzugs unterstreicht.

Für den UNFCCC-Austritt gilt allerdings ein klarer Mechanismus, und er bremst politische Symbolik aus. Der Vertrag sieht vor, dass ein Austritt erst ein Jahr nach formaler Notifikation wirksam wird. Damit entsteht ein Übergangsfenster, in dem die USA formal noch gebunden bleiben, während die Regierung parallel Teilnahme und Geldflüsse zurückfahren kann.


Streit in den USA: Darf ein Präsident allein aussteigen?

In Washington beginnt damit eine juristische Debatte, und sie hat historische Sprengkraft. Die UNFCCC wurde 1992 vom US-Senat ratifiziert, während die Verfassung nicht eindeutig regelt, ob für den Austritt erneut eine Zustimmung des Senats nötig ist. Einige Juristen sehen daher eine Hürde, andere verweisen auf Präzedenzfälle, in denen Präsidenten Verträge ohne Kongressbeschluss verließen.

Diese Frage entscheidet auch über die Rückabwicklung, falls später ein Kurswechsel kommt, und sie erhöht das Risiko langwieriger Verfahren. Gleichzeitig schafft die Unsicherheit Spielraum für politische Interpretation, weil Behörden zwar handeln sollen, aber bei einzelnen Schritten mit Klagen rechnen müssen.

Was Europa jetzt plant und was global folgen dürfte

Schneider verweist auf die Klimakonferenz in Belém Ende 2025, und er betont, dass Washington mit seiner ablehnenden Haltung dort weitgehend isoliert wirkte. Hoekstra setzt dennoch auf Handlungsfähigkeit, weil die EU ihre Klimadiplomatie fortführen will und Partner in Asien, Afrika und Lateinamerika stärker binden dürfte.

Für die Praxis bedeutet der US-Rückzug mehr Reibung, und er trifft vor allem Standards, Datenarbeit und Koordination. Betroffen sind neben Klimaformaten auch Netzwerke zu erneuerbaren Energien wie IRENA und die International Solar Alliance, sowie Plattformen zu Migration, Cyber-Expertise und Resilienz. Gleichzeitig müssen Unternehmen und Regierungen mit mehr Parallelregeln rechnen, weil globale Abstimmung schwieriger wird und regionale Blöcke eigene Pfade setzen.

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