Bei EnBW rückt die Batteriespeicher-Tochter Senec erneut in den Fokus, weil es in den vergangenen Jahren zu Bränden und Explosionen bei Senec-Heimspeichern kam. In der Folge ließ Senec nach Konzernangaben rund 100.000 Speicher bei Kunden austauschen, wobei die Aktion Kosten in „dreistelliger Millionenhöhe“ verursachte. EnBW prüft nun mehrere Optionen, darunter Fortführung, deutliche Verkleinerung oder Verkauf, und ein Sprecher bestätigte: „Ja, die EnBW prüft aktuell auch einen Verkauf,“ während das Ziel sei, „das Unternehmen so mit einem geeigneten Investor in die Zukunft zu führen“ (stuttgarter-zeitung: 07.02.26).
Tauschaktion nach Defekten fast beendet
Der Schritt kommt nicht aus dem Nichts, sondern nach Jahren mit schweren Qualitätsproblemen bei Heimspeichern. Senec musste wegen Bränden und Explosionen umfangreich reagieren, deshalb startete das Unternehmen einen groß angelegten Austausch. Laut EnBW ist dieser Prozess nahezu erledigt, „bis auf einige wenige Sonderfälle“. Insgesamt seien „rund 100 000 Speicher bei Kunden ausgetauscht“ worden, was die Dimension des Problems zeigt.

Finanziell hat der Feldaustausch tiefe Spuren hinterlassen, zudem spricht EnBW von enormen Summen. Der Sprecher beziffert die Belastung auf Kosten in „dreistelliger Millionenhöhe“. Gleichzeitig versucht der Konzern, einen Schlussstrich unter das Thema zu ziehen. „Für die Zukunft haben wir alle Risiken abgebildet und erwarten keine weiteren signifikanten Belastungen.“
Entscheidung soll noch 2026 fallen
Konzernchef Georg Stamatelopoulos macht Tempo, während die Lage strategisch offen bleibt. „Für Senec müssen wir eine Entscheidung treffen“, sagte er im Gespräch mit der Zeitung. Dabei stellt er klar, dass unabhängig vom Weg keine neuen Abschreibungen in großer Höhe erwartet werden. Eine Insolvenz sei nicht geplant, sondern die Frage lautet: eigenständig weiter, kleiner werden oder mit neuem Eigentümer neu starten.
Parallel verweist EnBW auf Fortschritte bei der Kundenzufriedenheit, allerdings bleibt Vertrauen ein sensibler Faktor. „Der Feldaustausch war eine zentrale Maßnahme, um Verantwortung zu übernehmen und damit Vertrauen zurückzugewinnen“, heißt es aus dem Unternehmen. EnBW sieht als Ergebnis „zunehmend positive Kundenbewertungen“. Diese Botschaft zielt auf Stabilität, obwohl die Marke Senec zuletzt stark gelitten hat.
Wachstum nur mit frischem Geld
Senec hat nach Angaben des Konzerns das Angebot überarbeitet und sich intern neu aufgestellt, und damit soll wieder Wachstum möglich werden. Das Unternehmen rechne „mit einer deutlichen Steigerung der Speicherabsätze“. Doch mehr Volumen braucht Kapital, weshalb zusätzliche Investitionen als Voraussetzung genannt werden. Genau hier liegt ein Kern der Verkaufsprüfung, weil ein Investor die Expansion schneller finanzieren könnte als der Konzern allein.
Die Senec-Debatte fällt zudem in eine Phase, in der EnBW an anderer Stelle große Korrekturen vornimmt. Der Konzern steigt aus zwei Offshore-Windprojekten in Großbritannien aus und schreibt dafür 1,2 Milliarden Euro ab. „Die Projekte sind unter heutigen Rahmenbedingungen schlicht nicht mehr wirtschaftlich“, sagte Stamatelopoulos. Beim Einstieg 2021 sei „die Welt eine andere“ gewesen, unter anderem wegen Zinsen und Lieferketten.
Offshore-Ausstieg als Signal für harte Risikopolitik
Stamatelopoulos weist persönliche Schuldzuweisungen zurück, obwohl die Summe politisch und wirtschaftlich brisant ist. „Ich sehe kein Organ- oder persönliches Versagen.“ Der Rückzug sei eine Konsequenz aus Risikobewertung, nicht aus Symbolik, und er zieht eine klare Linie: „Wir sind nicht bereit, Offshore-Windparks um jeden Preis zu bauen. Deshalb haben wir die Reißleine gezogen.“ Damit passt auch Senec in das Muster, weil EnBW Projekte und Beteiligungen stärker nach Risiko und Kapitalbedarf sortiert.
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