In der Woche vom 20. bis 23. Mai 2026 machten Vertreter der Sami in München auf einen Konflikt um den Roan-Windpark in Norwegen aufmerksam. Dort stehen Windräder auf traditionellen Weideflächen für Rentiere, an denen die Stadtwerke München beteiligt sind. Norwegens Oberster Gerichtshof sah 2021 samische Kulturrechte verletzt, weil die Anlagen die Rentierhaltung erheblich beeinträchtigen. München verfolgt zugleich das Ziel, seinen Strombedarf rechnerisch aus erneuerbaren Anlagen zu decken. Da Flächen in Bayern knapp sind, investierte der kommunale Versorger im Ausland. Für die Rentierhalter entstehen jedoch weniger nutzbare Weiden, gestörte Herden und wirtschaftliche Einschränkungen (sueddeutsche: 21.05.26).
Münchens Ökostrom-Strategie führt nach Norwegen
München setzte sich 2009 ein ehrgeiziges Energieziel. Die Stadt wollte bis 2025 bilanziell so viel Ökostrom erzeugen, wie sie selbst verbraucht. Deshalb kauften die Stadtwerke München Anteile an Windprojekten in Europa. Norwegen wurde dabei ein wichtiger Standort.

Der Strom aus den Windparks fließt jedoch nicht direkt nach München. Er landet im nordischen Stromnetz. Trotzdem zählt die Produktion rechnerisch zur Münchner Klimabilanz. Genau dieser Zusammenhang macht den Fall politisch heikel.
Rentiere verlieren durch Windparks wichtige Weideflächen
Die Sami betreiben in den betroffenen Gebieten seit Generationen Rentierhaltung. Die Windparks liegen jedoch in Landschaften, die ihre Herden nutzen. Deshalb klagten Rentierhalter gegen die Anlagen. Der Oberste Gerichtshof Norwegens gab ihnen 2021 recht.
Das Gericht erklärte die Genehmigungen für rechtswidrig. Es sah das Recht der Sami auf kulturelle Ausübung verletzt. Einen sofortigen Abriss der Anlagen ordnete es jedoch nicht an. Deshalb liefen die Windparks weiter.
Straßen, Rotoren und Stromtrassen verändern die Landschaft
Für die Rentierhalter zählt nicht nur die Fläche unter den Turbinen. Die Herden meiden nach ihren Angaben größere Bereiche um die Anlagen. Außerdem schneiden Straßen und Stromtrassen alte Zugwege. Dadurch schrumpft das nutzbare Weideland deutlich stärker.
Die Folgen treffen die Rentierwirtschaft direkt. Wenn Herden ausweichen müssen, steigt der Druck auf andere Flächen. Dadurch drohen Überweidung und höhere Kosten. Für die Sami geht es zugleich um Kultur, Einkommen und Selbstbestimmung.
Einigungen beenden den Streit nicht vollständig
Nach langen Verhandlungen entstanden 2024 Vereinbarungen. Betreiber und staatliche Stellen sagten Entschädigungen und Ersatzflächen zu. Deshalb dürfen die Windparks weiter Strom produzieren. Für viele Betroffene bleibt der Eingriff jedoch bestehen.
Der Besuch der Sami in München sollte die lokale Politik direkt erreichen. Doch nur wenige Stadträte nahmen nach Berichten an dem Gespräch teil. Gerade deshalb bleibt der Konflikt ein Problem der Münchner Energiepolitik. Klimaschutz verliert Glaubwürdigkeit, wenn er indigene Rechte nur nachträglich berücksichtigt.
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