München will ab Herbst 2026 in der Innenstadt 150 neue Bäume setzen, obwohl die Stadt für den Haushalt 2026 bereits 2,6 Milliarden Euro neue Schulden aufnehmen musste. Anlass ist der Wunsch nach mehr Schatten an immer heißeren Sommertagen, jedoch sprengen enge Straßenräume, Leitungen im Untergrund und aufwendige Schutzmaßnahmen die Kosten. Nach Angaben des Baureferats kosten schon 24 Pflanzungen in der niedrigsten Schwierigkeitsstufe 1,8 bis 2,3 Millionen Euro, also bis zu 95.000 Euro pro Baum. Würde dieses Niveau auf das ganze Programm übertragen, läge die Summe bei rund 14 Millionen Euro. Der zentrale Konflikt ist deshalb klar: Eine hoch verschuldete Stadt finanziert ein Prestigeprojekt, während die Haushaltslage bereits kippt (bild: 15.04.26).
Bäume werden in München zum Luxusprojekt
Die Stadt begründet die extremen Summen mit den Bedingungen in der engen Innenstadt. Unter den Straßen liegen Kabel, Kanäle und Versorgungsleitungen, die teils verlegt werden müssen. Außerdem brauchen die Standorte einen massiven Schutz, weil morgens Lieferverkehr über die Flächen rollt. Genau dieser technische Aufwand treibt die Preise hoch, während der Nutzen erst Jahre später sichtbar würde.

Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer spricht von „außergewöhnlichen Rahmenbedingungen“. Zudem sagt sie: „Jeder neue Baum braucht genug Platz im Untergrund, um kräftige Wurzeln auszubilden.“ Inhaltlich ist das nachvollziehbar, jedoch erklärt es auch, warum aus einem Klimaprojekt ein Millionenpaket geworden ist. Die geplanten Bäume stehen damit nicht mehr nur für mehr Grün, sondern auch für eine ausufernde Kostenstruktur mitten in der Schuldenkrise.
Milliarden neue Schulden, aber Geld für teure Symbolpolitik
Die Finanzlage der Stadt ist bereits angespannt, weil die Gewerbesteuer-Einnahmen zurückgehen. Für den aktuellen Haushalt 2026 musste München deshalb 2,6 Milliarden Euro neue Schulden einplanen. Schätzungen gehen sogar davon aus, dass der Schuldenstand bis 2029 auf 14 Milliarden Euro wachsen könnte. Gerade deshalb wirkt das Vorhaben politisch brisant, denn jeder zusätzliche Millionenposten verschärft den Druck auf andere Aufgaben.
Trotzdem hält die künftige Stadtspitze am Kurs fest. Dominik Krause, der am 4. Mai sein Amt als Oberbürgermeister übernimmt, sagt: „Mehr Grün durch mehr Bäume an dafür geeigneten Stellen ist die effektivste Antwort, um an immer mehr Hitzetagen für ausreichend Schatten und Abkühlung zu sorgen.“ Die CSU lehnt das Projekt dagegen ab und verweigerte im Bauausschuss die Zustimmung. Stadtrat Alexander Reissl warnt: „Wir müssen in Zeiten knapper Kassen sehr genau hinschauen.“ Selbst das Spendenportal der Stadt zeigt zudem, wie dünn die Unterstützung ausfällt: Bisher gingen nur 170.000 Euro ein, also umgerechnet Geld für gerade zwei Bäume.
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