BASF-Chef Markus Kamieth hat den Industriestandort Europa mit einer ungewöhnlich klaren Aussage infrage gestellt und damit die Debatte über die Attraktivität des Kontinents für neue Großinvestitionen verschärft. Auslöser sind aus seiner Sicht hohe Energiekosten, wachsende Regulierung und schwache Wachstumschancen. BASF richtet mittlerweile seine Investitionen zunehmend auf attraktivere Regionen wie Nordamerika und Asien aus. Der Zeitpunkt ist brisant, denn Europas Industrie kämpft seit Jahren mit Kostendruck, Standortnachteilen und sinkender Wettbewerbsfähigkeit. Das trifft besonders Deutschland als traditionell starken Chemie- und Industriestandort. Die Hauptfolge ist jedoch weitreichend: Wenn Konzerne neue Anlagen anderswo bauen, drohen Europa Jobverluste, sinkende Wertschöpfung und ein Verlust technologischer Stärke (thepioneer: 14.04.26).
Sinkende Attraktivität trifft den Kern der Industrie
Kamieth beschreibt Europa nicht als Zukunftsmarkt für neue Großprojekte. Damit sendet der BASF-Chef ein Signal, das weit über den Konzern hinausreicht. Gerade die Chemiebranche gilt als Frühindikator für die gesamte Industrie. Wenn dort Investitionen ausbleiben, trifft das deshalb viele nachgelagerte Bereiche.

Besonders kritisch sieht BASF die Kosten für Strom und Gas. Energieintensive Produktion braucht verlässliche und bezahlbare Versorgung. Genau daran fehlt es in Europa jedoch seit Jahren. Während andere Regionen günstigere Bedingungen bieten, verliert der Standort weiter an Boden.
BASF verschiebt den Fokus auf andere Weltregionen
Der Konzern richtet seinen Blick stärker auf Märkte mit besseren Perspektiven. Vor allem Nordamerika und Asien bieten mehr Wachstum, niedrigere Kosten und oft schnellere Genehmigungen. Deshalb fällt die Entscheidung über neue Investitionen zunehmend gegen Europa aus. Das ist keine symbolische Aussage, sondern eine strategische Weichenstellung.
Kamieth formuliert diese Einschätzung außergewöhnlich deutlich. „In Europa würde ich heute nicht mehr investieren“, sagte er. Das ist eine scharfe Warnung an Politik und Wirtschaft. Zugleich zeigt der Satz, wie stark BASF die Attraktivität anderer Standorte inzwischen höher bewertet.
Hohe Kosten und Regulierung treiben Investitionen aus Europa
Neben den Energiepreisen nennt Kamieth auch den regulatorischen Rahmen als Problem. Unternehmen brauchen klare, planbare und international konkurrenzfähige Bedingungen. Wenn Verfahren lange dauern und Vorschriften zunehmen, steigen Unsicherheit und Kosten. Das bremst Investitionen jedoch zusätzlich.
Für Deutschland ist diese Entwicklung besonders heikel. Das Land lebt stark von Industrie, Exporten und energieintensiven Unternehmen. Sinkt die Attraktivität des Standorts weiter, dürften neue Werke, Forschungsvorhaben und Folgeinvestitionen zunehmend im Ausland entstehen. Das schwächt auf Dauer ganze Regionen.
Folgen für Jobs, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit
Weniger Investitionen bedeuten nicht nur weniger neue Fabriken. Sie gefährden auch Arbeitsplätze, Zulieferer und technische Kompetenzen. Denn wo neue Anlagen entstehen, dort wachsen meist auch Forschung, Entwicklung und industrielle Netzwerke. Europa droht deshalb schleichend an Substanz zu verlieren.
BASF will bestehende Geschäfte in Europa zwar weiterführen, doch der Schwerpunkt verschiebt sich. Genau darin liegt das eigentliche Warnsignal. Wenn ein Weltkonzern neue Chancen vor allem außerhalb Europas sieht, sinkt die Attraktivität des Standorts auch für andere Unternehmen. Damit wächst die Gefahr einer anhaltenden Deindustrialisierung.
Lesen Sie auch:
