Weltweit geraten 19 führende Autokonzerne nach dem Geschäftsjahr 2025 in eine tiefe Ertragskrise, weil der erwartete Hochlauf der Elektromobilität vor allem in Europa und den USA deutlich schwächer ausfiel als geplant. Nach einer im April 2026 veröffentlichten EY-Analyse brach der Gesamtgewinn der Hersteller um 59 Prozent von 143 auf 59 Milliarden Euro ein. Zugleich summierten sich Abschreibungen auf Batteriefabriken, Entwicklungsprojekte und gestoppte Modellpläne auf fast 60 Milliarden Euro. Die durchschnittliche operative Marge fiel deshalb von 6,7 auf 2,8 Prozent und damit auf den niedrigsten Wert seit zehn Jahren. Das Milliardengrab trifft vor allem Hersteller mit teuren Elektrostrategien, während Zölle, hohe Standortkosten und die Absatzschwäche in China die Lage zusätzlich verschärfen (ecomento: 13.04.26).
Milliardengrab E-Auto trifft Bilanzen und Strategien
Besonders schwer wiegt, dass der Umsatz der 19 Konzerne trotz der Gewinnkrise nahezu stabil blieb und nur um 0,6 Prozent zulegte. Das zeigt, wie stark die Profitabilität erodiert ist. Deutsche Hersteller schnitten jedoch schlechter ab als viele Rivalen. Ihr Umsatz sank um 4,1 Prozent, außerdem fiel ihr Neuwagenabsatz um zwei Prozent. Währenddessen legten die drei chinesischen Hersteller im Ranking beim Umsatz um 9,3 Prozent und beim Absatz um 16 Prozent zu, verloren aber ebenfalls an Ertragskraft.

Im Renditevergleich setzten sich vor allem asiatische Hersteller an die Spitze. Suzuki kam auf 9,7 Prozent Marge, Toyota auf 8,5 Prozent, Kia auf 8,0 Prozent und BMW auf 7,6 Prozent. Der Branchenschnitt lag dagegen nur noch bei 2,8 Prozent und damit sogar unter dem Pandemie-Jahr 2020 mit 3,9 Prozent. EY-Berater Constantin M. Gall beschreibt die Lage deshalb so: „Die Autoindustrie steckt in einer tiefen, für einige Unternehmen sogar potenziell existenzbedrohenden Krise“. Das Milliardengrab entstand laut Analyse nicht durch fehlende Umsätze allein, sondern durch Fehlschätzungen beim Tempo der Elektrifizierung und den teuren Kurswechsel vieler Konzerne.
China, Zölle und hohe Kosten verschärfen die Krise
Der Strategiewechsel kostet einzelne Hersteller Milliarden, weil frühere Pläne nun korrigiert werden. Ford rechnet mit Belastungen von 19,5 Milliarden Dollar, General Motors mit 7,6 Milliarden Dollar und Stellantis mit 22 Milliarden Euro. Honda kündigte ebenfalls hohe Abschreibungen an, außerdem bezifferte Porsche die Aufwendungen aus der Neuausrichtung für 2025 auf 3,1 Milliarden Euro. Gall sagt dazu: „Die aktuellen Milliarden-Abschreibungen markieren weniger einen Kurswechsel weg von der Elektromobilität als eine Korrektur völlig überzogener Annahmen“. Damit wird klar, dass viele Unternehmen ihre E-Auto-Offensive nicht beenden, sie aber langsamer und vorsichtiger finanzieren.
Hinzu kommt der Druck aus China, der besonders westliche Hersteller trifft. Die deutschen Konzerne verloren dort im vergangenen Jahr elf Prozent Absatz, japanische Hersteller sieben Prozent und US-Anbieter zwei Prozent. 2025 entfielen nur noch 29 Prozent des Pkw-Absatzes deutscher Autokonzerne auf China, nachdem der Anteil 2020 noch bei über 39 Prozent gelegen hatte. Zugleich bevorzugen viele chinesische Käufer im wachsenden Elektrosegment heimische Marken, weil diese schneller entwickeln und günstiger anbieten. Zusätzlich belasten die US-Zollpolitik, geopolitische Spannungen, steigende Energiepreise und eine schwache Konjunktur die Branche, weshalb EY auch 2026 nicht mit einer spürbaren Nachfragebelebung in Europa rechnet.
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