Mehrwertsteuer auf Spritpreise – Staat kassiert doppelt an der Krise

In Deutschland sind die Spritpreise seit dem Beginn des Iran-Kriegs deutlich gestiegen. Der Auslöser liegt in höheren Rohölpreisen, neuen Risiken für den Transport durch die Straße von Hormus und der damit wachsenden Unsicherheit an den Energiemärkten. Nach ADAC-Daten kostete Super E10 am 19. März im Tagesmittel 2,068 Euro je Liter, Diesel 2,229 Euro. Gegenüber dem Niveau vor Kriegsbeginn ergibt sich daraus ein Aufschlag von rund 26 Cent bei Benzin und von rund 41 bis 42 Cent bei Diesel. Daraus folgt an der Zapfsäule ein höherer Anteil an Mehrwertsteuer. Als reine Brutto-Modellrechnung auf Basis des gesamten Jahresabsatzes ergibt sich daraus ein zusätzlicher Steuerbetrag von rund 3,5 Milliarden Euro. Diese Summe beschreibt jedoch keinen echten Netto-Zusatzertrag des Staates, weil der gewerbliche, vorsteuerabzugsberechtigte Verbrauch vor allem beim Diesel herausgerechnet werden muss.


Die 3,5 Milliarden sind nur eine Brutto-Modellrechnung

Die Modellrechnung lässt sich trotzdem sauber herleiten. Auf den Preisaufschlag von rund 26 Cent bei Super E10 entfallen rechnerisch etwa 4,15 Cent zusätzliche Umsatzsteuer je Liter. Beim Diesel ergeben 41 bis 42 Cent Aufschlag rund 6,55 bis 6,71 Cent je Liter. Diese Werte entstehen aus dem Steueranteil, der im Bruttopreis enthalten ist.

Der Staat profitiert über Mehrwertsteuer auf hohe Spritpreise. Steigen durch teureren Transport auch Warenpreise, kassiert der Staat erneut
Der Staat profitiert über Mehrwertsteuer auf hohe Spritpreise. Steigen durch teureren Transport auch Warenpreise, kassiert der Staat erneut

Für die Hochrechnung dienen die amtlichen Energiesteuerdaten des statistischen Bundesamts. Destatis weist 15,3 Milliarden Euro Energiesteuer auf Benzin und 18,2 Milliarden Euro auf Diesel für das Jahr 2024 aus. Rechnet man diese Beträge mit den geltenden Energiesteuersätzen auf Literwerte zurück, ergibt sich grob ein Jahresabsatz von rund 23,4 Milliarden Litern Benzin und 38,7 Milliarden Litern Diesel. Multipliziert mit dem zusätzlichen Steueranteil je Liter ergibt das als Brutto-Größe rund 3,5 Milliarden Euro. Genau an dieser Stelle endet jedoch die einfache Rechnung.

Mehrwertsteuer auf Diesel bleibt für viele Firmen kein Endkostenblock

Der entscheidende steuerliche Punkt liegt beim Vorsteuerabzug. Unternehmen können die ihnen in Rechnung gestellte Umsatzsteuer für betriebliche Einkäufe in der Regel als Vorsteuer abziehen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Das gilt auch für Kraftstoffkäufe. Speditionen zahlen die Steuer an der Tankstelle also zunächst mit, tragen sie aber meist nicht dauerhaft selbst.

Gerade beim Diesel fällt dieser Unterschied stark ins Gewicht. Ein erheblicher Teil des Verbrauchs entfällt auf gewerbliche Nutzung, also auf Speditionen, Lieferverkehr, Handwerk und Fuhrparks. Der tatsächliche Zusatzertrag des Staates aus der höheren Mehrwertsteuer liegt deshalb unter dem Bruttowert von 3,5 Milliarden Euro. Steuerlich sauber bleibt am Ende vor allem der Effekt auf den privaten und nicht vorsteuerabzugsfähigen Verbrauch.


Später kann der Staat über höhere Warenpreise erneut mehr Mehrwertsteuer einnehmen

Die Geschichte endet jedoch nicht an der Zapfsäule. Wenn Diesel teurer bleibt, steigen die Nettokosten des Transports. Speditionen, Lieferdienste und Händler versuchen zwar, diese Last abzufedern. Das gelingt jedoch nicht dauerhaft in jeder Branche. Deshalb schlagen sich höhere Frachtkosten zeitversetzt in höheren Preisen für Lebensmittel, Baustoffe, Pakete und andere Waren niederschlagen. Erst an diesem Punkt entsteht ein zweiter zusätzlicher Steuereffekt. Dann fällt auf den höheren Endpreis erneut Mehrwertsteuer an.

Wie groß dieser zweite Effekt wird, lässt sich derzeit nicht seriös beziffern. Dafür reagieren Branchen, Lagerbestände und Lieferketten zu unterschiedlich. Der steuerliche Mechanismus ist dennoch eindeutig. Zuerst profitiert der Staat unmittelbar vom höheren Bruttopreis an der Zapfsäule, soweit kein Vorsteuerabzug greift. Danach kann er nochmals mehr einnehmen, wenn Unternehmen gestiegene Transportkosten an Endkunden weitergeben. Genau deshalb trifft der Preisschock Verbraucher doppelt. Sie zahlen mehr für Kraftstoff und später oft auch mehr für Waren des täglichen Bedarfs.

Am Ende bleibt deshalb ein klarer Befund. Der Iran-Krieg verteuert Energie und Transport. Autofahrer zahlen sofort mehr, während später auch viele Waren teurer werden dürften. Der Staat verdient an beiden Entwicklungen über die Steuerpolitik zusätzlich mit. Für Verbraucher ist das eine doppelte Belastung. Für den Fiskus ist es ein doppelter Zusatzertrag für die chronisch klamme Staatskasse. (KOB)

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