Mehrere Klima-Minister wollen kein E-Auto mehr als Dienstwagen

Berlin – Mehrere deutsche Klima- und Umweltpolitiker fahren 2026 kein reines Elektroauto mehr. Das zeigt der neue Dienstwagen-Check der Deutschen Umwelthilfe vom 1. September. Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank und Sachsens Umweltstaatsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch wechselten auf Plug-in-Hybride. Sachsen-Anhalts Klimaschutzminister Armin Willingmann fährt ebenfalls einen Plug-in-Hybrid. Sein Audi erreicht nach DUH-Berechnung 192 Gramm CO2 je Kilometer. Insgesamt erhielten 160 von 249 untersuchten Fahrzeugen eine rote Karte. Allerdings beruhen die Hybridwerte auf Modellannahmen und nicht auf individuellen Fahrtenmessungen.


Dienstwagen mit Verbrennungsmotor statt reinem Elektroantrieb

Besonders auffällig ist der Wechsel von Katharina Fegebank. Die grüne Hamburger Umweltsenatorin fuhr zuvor elektrisch, nutzt inzwischen jedoch einen Mercedes-Benz E 300 e. Die DUH errechnet dafür 153 Gramm CO2 je Kilometer. Damit liegt das Fahrzeug klar im roten Bewertungsbereich. Auch Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel wechselte von einem Elektroauto auf einen Plug-in-Hybrid.

Mehrere Politiker tauschen ihren Dienstwagen mit Elektroantrieb gegen Plug-in-Hybride. Die DUH errechnet dabei bis zu 192 Gramm CO2
Mehrere Politiker tauschen ihren Dienstwagen mit Elektroantrieb gegen Plug-in-Hybride. Die DUH errechnet dabei bis zu 192 Gramm CO2
Bild: Shutterstock

Der Wechsel fällt auch deshalb auf, weil Fegebanks eigene Behörde Elektromobilität offensiv fördert. Im Juli lobte sie Hamburger Unternehmen ausdrücklich für den Umstieg auf emissionsfreie Fahrzeuge. Das städtische Programm „UmweltFlotte“ zählt Plug-in-Hybride dabei ausdrücklich nicht als emissionsfrei. Dennoch nutzt die zuständige Senatorin inzwischen selbst ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Die Entscheidung steht damit im deutlichen Kontrast zur politischen Zielrichtung ihrer Behörde.

Plug-in-Hybride dominieren inzwischen die Regierungsflotten

Auch in anderen Umweltressorts erreichen die Fahrzeuge hohe Werte. Willingmann liegt mit seinem Audi A8 L 60 TFSI e bei rechnerisch 192 Gramm CO2. Von Breitenbuch kommt mit seinem Mercedes S 580 e auf 182 Gramm. Brandenburgs Umweltministerin Hanka Mittelstädt erreicht mit ihrem Hybrid 176 Gramm. Mecklenburg-Vorpommerns Klimaschutzminister Till Backhaus fährt dagegen einen Diesel mit 148 Gramm.

Der Trend geht jedoch über die Umweltminister hinaus. Plug-in-Hybride stellen inzwischen 42 Prozent aller untersuchten Dienstwagen und damit die größte Antriebsgruppe. Reine Elektroautos kommen nur noch auf 36 Prozent beziehungsweise 90 Fahrzeuge. Ihr Anteil sank gegenüber 2025 sowohl beim Bund als auch in den Ländern. Reine Verbrenner erreichen laut DUH durchschnittlich 193 Gramm CO2 je Kilometer. Plug-in-Hybride liegen mit 179 Gramm nur wenig darunter.


Dienstwagen-Check zeigt auch Wechsel in der Bundesregierung

Auch drei Staatsminister im Auswärtigen Amt stiegen vom Elektroauto auf Plug-in-Hybride um. Serap Güler, Gunther Krichbaum und Florian Hahn nutzen nun jeweils einen Audi A8 L 60 TFSI e. Die DUH berechnet für diese Fahrzeuge 196 Gramm CO2 je Kilometer. Außerdem erreichen Justizministerin Stefanie Hubig und Bildungsministerin Karin Prien mit vergleichbaren Modellen denselben Wert. Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan kommt dagegen elektrisch auf 64 Gramm.

Bei den Länderchefs liegen die Werte teilweise noch höher. Hendrik Wüst, Manuela Schwesig und Kai Wegner erreichen mit geschützten Audi-Modellen jeweils rechnerisch 262 Gramm CO2. Allerdings liegen für die gepanzerten Varianten keine direkten Emissionsdaten vor. Deshalb verwendet die DUH vergleichbar motorisierte Basismodelle. Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir fährt dagegen elektrisch und kommt auf 66 Gramm CO2.

Berechnung der Hybridwerte basiert auf einer pauschalen Annahme

Die hohen Werte der Plug-in-Hybride benötigen jedoch eine wichtige Einordnung. Die DUH misst nicht, wie oft ein konkreter Dienstwagen tatsächlich elektrisch fährt. Stattdessen setzt sie bei Plug-in-Hybriden einen elektrischen Fahranteil von rund elf Prozent an. Die übrigen 89 Prozent entfallen rechnerisch auf den Verbrennungsmotor. Dadurch liegen die ermittelten Werte deutlich über den offiziellen WLTP-Angaben vieler Hersteller.

Trotz dieser Methodik bleibt der grundlegende Befund eindeutig. Politiker haben mehrere reine Elektroautos durch Fahrzeuge mit zusätzlichem Verbrennungsmotor ersetzt. Gleichzeitig fordert die DUH bei Neubeschaffungen ausschließlich effiziente Elektroautos. Unter den Parteien schneiden die Grünen mit durchschnittlich 89 Gramm dennoch am besten ab. Deshalb betrifft der Rückwechsel keineswegs alle Klima- und Umweltpolitiker. Gerade bei den zuständigen Ressortchefs fällt er jedoch besonders deutlich auf.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Deutsche Umwelthilfe (01.09.26) – Tagesschau (01.09.26)

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