Lamborghini hat den rein elektrischen Lanzador gestrichen, obwohl die Marke das Modell vor fast drei Jahren vorgestellt und den Start für 2028 vorgesehen hatte. Das Management beendete das Projekt Ende 2025 nach internen Debatten sowie Gesprächen mit Kunden und Händlern. CEO Stephan Winkelmann sagte der „The Sunday Times“, die Kernzielgruppe habe kaum Interesse am Umstieg, deshalb liege das Interesse an einem „Raging Bull“ ohne V8 oder V12 „nahe null“. Der entscheidende Risikofaktor liegt im erwarteten Absatz, denn Lamborghini will kein Modell bauen, das die Käufer ignorieren. Damit verschiebt sich die E-Strategie, während die Marke kurzfristig stärker auf Plug-in-Hybride setzt (thetimes: 21.02.26).
Entscheidung nach langer Prüfung
Lamborghini brauchte mehr als ein Jahr, um die Produktionsfrage zu klären, obwohl der Zeitplan eigentlich auf 2028 zulief. Winkelmann räumte ein, dass die Kundenbasis elektrischen Antrieben in dieser Klasse aktuell ausweicht. Das Unternehmen reagierte darauf konsequent, jedoch nicht mit einem kompletten Rückzug aus der Elektrifizierung. Statt eines reinen E-Autos plant Lamborghini nun andere Schritte, während das Portfolio weiterhin Verbrenner-Herzstücke behalten soll.

Winkelmann begründet den Stopp vor allem wirtschaftlich, außerdem sieht er die Kundenerwartungen als harte Grenze. Der 61-jährige Topmanager bezeichnet reine E-Autos als „teures Hobby“, weil hohe Entwicklungskosten aus seiner Sicht zu wenig Ertrag bringen. Er sagte wörtlich: „Stark in die Entwicklung reiner Elektrofahrzeuge zu investieren, wenn Markt und Kundschaft noch nicht bereit sind, wäre ein teures Hobby – und finanziell unverantwortlich gegenüber Aktionären, Kunden sowie unseren Mitarbeitern und ihren Familien.“ Diese Position zielt auf Investitionsdisziplin, zugleich setzt sie ein Signal an Fans klassischer Lamborghini-Motoren.
Plug-in statt vollelektrisch
Ganz beerdigt ist der Name Lanzador nicht, denn Lamborghini will bis Ende des Jahrzehnts eine Plug-in-Hybrid-Version mit Verbrennungsmotor bringen. Die Marke bleibt damit näher an ihrem bisherigen Klang- und Leistungsversprechen, obwohl sie parallel regulatorische Ziele im Blick behalten muss. Winkelmann argumentiert zudem, Elektroautos könnten die „emotionale Verbindung“ eines Fahrzeugs mit Verbrenner nicht liefern. Deshalb sieht er den Plug-in-Hybrid als praktikablen Kompromiss, während ein reiner Stromer aus seiner Sicht das Markengefühl verwässert.
Auch beim SUV Urus bremst Lamborghini, weil das Absatzrisiko zu hoch wirken soll. Winkelmann sagt, Lamborghini habe ein Urus-EV „nicht riskieren“ können, aus Sorge, dass es sich nicht verkauft. Stattdessen soll die nächste Urus-Generation beim Plug-in-Hybrid bleiben, außerdem könnte sie zeitlich ungefähr dort landen, wo früher der Lanzador eingeplant war. Die Linie wirkt klar: Lamborghini schützt Volumen und Marge, während die Elektrifizierung schrittweise laufen soll.
EU-Ziele und Druck aus dem Markt
Der Kurs steht jedoch unter Gegenwind, weil die EU Hersteller zur Dekarbonisierung drängt und strengere Grenzwerte setzt. Lamborghini würde vermutlich gern reine Verbrenner verkaufen, wenn es möglich wäre, doch die Regeln lassen immer weniger Spielraum. Laut dieser Einordnung müssen Autohersteller in der EU bis 2035 die CO₂-Emissionen um 90 Prozent gegenüber 2021 senken, außerdem gilt bereits für 2030 ein Ziel von mindestens 55 Prozent weniger Flottenemissionen als 2021. Damit wächst der Druck, weshalb Plug-in-Hybride nicht überall als Endlösung gelten. Lamborghini kalkuliert offenbar, dass PHEV-Zahlen kurzfristig reichen, obwohl der Markt sich schneller drehen könnte.
Nicht alle Hersteller teilen Lamborghinis Tempo und genau deshalb fällt der Verzicht auf den Lanzador so stark auf. Ferrari steht nur wenige Monate davor, mit dem Luce sein erstes Modell ohne Verbrennungsmotor zu zeigen, die Premiere ist am 25. Mai. Bentley will ebenfalls noch in diesem Jahr sein erstes E-Auto präsentieren, während die Zahl der Marken ohne Elektroauto im Portfolio weiter schrumpft. Lamborghini schließt E-Autos dennoch nicht grundsätzlich aus, sieht den Schritt aktuell aber nicht als wirtschaftlich sinnvolle Investition. Entscheidend bleibt aus Sicht der Marke die Frage: Wenn Plug-in-Hybride die Vorgaben erfüllen, weshalb sollte Lamborghini jetzt überstürzt komplett elektrifizieren?
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