Krankenkassen haben 1,1 Milliarden Euro in unsichere Geldanlagen investiert

Berlin, September 2026: Bundesweit beaufsichtigte Krankenkassen haben rund 1,1 Milliarden Euro in Geldanlagen investiert, bei denen Rückzahlungen inzwischen gefährdet sind. Rund 400 Millionen Euro davon gelten bilanziell bereits als verloren oder stark entwertet. Gut 700 Millionen Euro stehen noch in den Büchern, doch auch davon kann ein Teil ausfallen. Rund 900 Millionen Euro des ursprünglichen Anlagevolumens entfallen auf Kredite für Immobilienprojekte. Weitere 200 Millionen Euro stecken in Schuldverschreibungen. Damit geht es um Beitragsgelder in erheblicher Größenordnung.

Krankenkassen haben 1,1 Milliarden Euro riskant angelegt. Rund 400 Millionen gelten bilanziell bereits als verloren oder stark entwertet
Krankenkassen haben 1,1 Milliarden Euro riskant angelegt. Rund 400 Millionen gelten bilanziell bereits als verloren oder stark entwertet
Bild: Shutterstock

Krankenkassen finanzierten riskante Immobilienprojekte

Elf bundesunmittelbare Kassen investierten in Schuldverschreibungen von Verius II und Verius III. Außerdem vergaben zwölf Kassen Kredite an Immobilienprojekte, die durch Immobilienwerte abgesichert sein sollten. Neun Kassen nutzten sogar beide Anlageformen. Das Problem betrifft deshalb nicht nur einzelne Fehlentscheidungen eines Versicherers.


Der entscheidende Einschnitt kam jedoch mit der Zinswende ab 2022. Höhere Finanzierungskosten belasteten viele Immobilienprojekte, während zugleich die Werte zahlreicher Objekte sanken. Dadurch gerieten Zinszahlungen und Rückzahlungen ins Stocken. Bei den Verius-Papieren rechnet das Bundesamt für Soziale Sicherung deshalb mit weiteren Verlusten.

400 Millionen Euro bereits verloren oder stark entwertet

Die Größenordnung muss klar getrennt werden. Die 1,1 Milliarden Euro bezeichnen das ursprüngliche Volumen der problematischen Geldanlagen. Davon haben die Krankenkassen bis Ende 2025 rund 400 Millionen Euro bilanziell abgeschrieben oder erheblich im Wert reduziert. Wirtschaftlich ist damit ein erheblicher Teil des eingesetzten Geldes bereits verloren.

Gut 700 Millionen Euro verbleiben noch als Restwert in den Bilanzen. Diese Summe ist jedoch nicht zusätzlich zu den 1,1 Milliarden Euro zu verstehen. Sie ist der noch nicht abgeschriebene Teil derselben Anlagen. Wie viel davon tatsächlich zurückkommt, hängt von Rückzahlungen, Immobilienverkäufen, Sanierungen und laufenden Verfahren ab.

Auch bei den verbleibenden 700 Millionen drohen Ausfälle

Die noch bilanzierten gut 700 Millionen Euro sind deshalb keineswegs vollständig gesichert. Einige Kassen haben bereits weitere Abschreibungen für 2026 angekündigt. Bei einzelnen Anlagen liegt der verbliebene Buchwert deutlich unter dem ursprünglich investierten Betrag. Weitere Verluste sind daher möglich.

Andererseits können Rückflüsse den Schaden noch begrenzen. Immobilien können verkauft und Forderungen gerichtlich durchgesetzt werden. Deshalb lässt sich der endgültige Verlust derzeit noch nicht beziffern. Sicher ist jedoch, dass die bisherige Bilanz bereits einen Schaden von rund 400 Millionen Euro widerspiegelt.


Aufsicht kannte solche Anlagen schon Jahre zuvor

Die Vorgeschichte macht den Fall zusätzlich brisant. Der Prüfdienst des Bundesamtes stellte bereits 2017 bei einer Krankenkasse einen entsprechenden Immobilienkredit fest. Im Jahr 2019 wurde außerdem erstmals eine Anlage in Verius II bekannt. Zwischen 2020 und 2022 prüfte die Aufsicht solche Schuldverschreibungen mehrfach.

Konkrete Zahlungsausfälle waren damals allerdings noch nicht erkennbar. Dennoch empfahl die Behörde den Kassen ein qualifiziertes Risikomanagement. Erst im September 2023 verschärfte das Bundesamt seine Vorgaben für solche Immobilienfinanzierungen. Damit rückt neben den einzelnen Anlageentscheidungen auch die jahrelange Kontrolle in den Mittelpunkt.

Beitragsgelder sollten besonders sicher angelegt werden

Für Krankenkassen gelten bei Geldanlagen strenge gesetzliche Regeln. Sozialversicherungsträger sollen ihre Mittel sicher, liquide und mit angemessenem Ertrag anlegen. Trotzdem konnten formal zulässige Investments Verluste in dreistelliger Millionenhöhe verursachen. Eine vorherige Einzelgenehmigung durch die Aufsicht war bei vielen Geschäften nicht vorgeschrieben.

Die Verluste treffen zudem auf eine ohnehin angespannte Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Leistungsausgaben steigen derzeit stärker als die Beitragseinnahmen. Zwar konnten die Kassen zuletzt ihre Reserven wieder etwas auffüllen, doch zusätzliche Abschreibungen schwächen diese Puffer erneut.

Bundesregierung zieht Konsequenzen bei Immobilienkrediten

Die Bundesregierung will eine der problematischen Anlageformen künftig ausschließen. Immobilienbesicherte Schuldscheindarlehen sollen ab Anfang 2027 nicht mehr zum zulässigen Anlagekatalog gehören. Eine generelle vorherige Genehmigung komplexer Geldanlagen plant die Aufsicht jedoch bislang nicht.

Damit bleibt die endgültige Schadenshöhe offen. Von ursprünglich 1,1 Milliarden Euro problematischen Anlagen sind rund 400 Millionen Euro bereits bilanziell verloren oder stark entwertet. Gut 700 Millionen Euro stehen noch in den Büchern. Auch davon kann ein weiterer Teil verloren gehen.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Welt (11.09.26)Tagesschau (11.09.26)Deutscher Bundestag (04.09.26)

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen