Die Energiepartnerschaft, die Habeck 2022 nach seinen Verhandlungen mit Katar medienwirksam ankündigte, bringt Deutschland bis heute kein LNG. Das Wirtschaftsministerium bestätigt gegenüber Apollo News: Deutschland beziehe derzeit „kein LNG aus Quatar“. Konkrete Lieferzusagen nennt das Haus nicht. Stattdessen reduziert sich die Bilanz der Verhandlungen laut Ministerium auf ein Arbeitsgruppentreffen und einen virtuellen Workshop (apollo-news: 24.01.26).
Energiepartnerschaft ohne Lieferstrom – was das Ministerium einräumt
Das Ministerium schreibt, die „Katarisch-Deutsche Energiepartnerschaft“ sei 2022 „mit einem anfänglichen Schwerpunkt auf LNG-Export ins Leben gerufen“ worden. Genannt werden als Ziele der Austausch über „regulatorische Fragestellungen“, sowie die Entwicklung „strategischer Geschäftsmöglichkeiten“. Damit lag der Fokus offiziell nicht nur auf Symbolik, sondern auch auf Exportperspektiven. Trotzdem fehlt bis heute jede sichtbare Lieferung nach Deutschland.

Zugleich verweist das Wirtschaftsministerium auf Marktbedingungen. Der LNG-Markt sei „sehr liquide“, weshalb es „weltweit kein Engpass von LNG“ gebe. Außerdem betont das Ministerium, die Bundesregierung schließe grundsätzlich keine Lieferverträge ab, sondern „Unternehmen und Händler“. Diese Aussage setzt auf formale Zuständigkeiten. Dennoch bleibt der politische Kern, denn Berlin hatte die Energiepartnerschaft als Antwort auf eine Versorgungskrise präsentiert.
Zwei Workshops, ein Webinar, ein Treffen: Mehr steht nicht in der Liste
Auf die Frage nach konkreten Ergebnissen nennt das Ministerium vor allem Veranstaltungsformate. „Im Rahmen der Partnerschaft fanden bisher mehrere Veranstaltungen statt“, heißt es. In der Aufzählung stechen jedoch zwei Aktivitäten besonders hervor, weil sie den Charakter der Zusammenarbeit prägen: ein „Arbeitsgruppentreffen zwischen dem damaligen BMWK und Qatar Energy“ sowie ein „virtueller Workshop zu Sustainable Aviation Fuels (SAF)“. Ergänzend erwähnt das Ministerium ein „Webinar zum Thema Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM)“ und einen Austausch mit dem katarischen Umweltministerium.
Auffällig ist der Zeitbezug. Die Termine ordnet das Ministerium den Jahren 2023 und 2024 zu. Damit liegen die genannten Schritte mehr als ein Jahr zurück. In der aktuellen Legislaturperiode wirkt das Format ausgedünnt, obwohl Wirtschaftsministerin Katherina Reiche nach Katar reiste. Was dort besprochen wurde, ist nicht öffentlich bekannt und in der ministeriellen Darstellung zur Energiepartnerschaft taucht die Reise nicht als Fortschrittsmarker auf.
Europa importiert Katar-LNG, Deutschland bleibt außen vor
Während Deutschland kein katarisches LNG erhält, beziehen andere europäische Staaten sehr wohl Gas aus dem Emirat. Die Deutsche Welle berichtete, 2024 seien zwölf Prozent des LNG in Europa aus Katar gekommen. Gleichzeitig lagen die USA mit 43 Prozent an der Spitze, gefolgt von Russland mit 21 Prozent. Weitere Lieferländer wie Algerien, Nigeria, Norwegen und Trinidad spielten demnach eine kleinere Rolle.
Diese Zahlen unterstreichen, dass Katar grundsätzlich lieferfähig bleibt. Sie zeigen auch, dass der Engpass für Deutschland nicht am weltweiten Angebot hängen muss. Deshalb drängt sich die Frage auf, warum die Energiepartnerschaft nicht einmal einen Einstieg in regelmäßige Lieferungen nach Deutschland bewirkt hat. Für die Versorgungspolitik zählt am Ende nicht die Zahl der Gesprächsrunden, sondern die Ankunft der Tanker und die Preissignale im Markt.
Katar beobachtet Deutschlands Speicher, sucht aber andere Abnehmer
Katar verfolgt die deutsche Lage dennoch aufmerksam. Die staatliche Nachrichtenagentur Qatar News Agency meldete jüngst einen deutschen Speicherstand von 51,8 Prozent und griff Einschätzungen der Bundesnetzagentur auf. Demnach sei das Risiko einer Versorgungsunterbrechung gering, dennoch habe die Behörde zum Energiesparen aufgerufen. Damit registriert Doha die Nervosität in Europa. Gleichzeitig richtet Katar seine Exportstrategie sichtbar breiter aus.
Ein Schwerpunkt bleibt Asien, denn dort stehen die größten Importkapazitäten. Japan gilt als besonders wichtiger Abnehmer. Beide Länder wollen ihre Partnerschaft ausbauen, und die Energiepolitik in Tokio ist seit Fukushima 2011 stark vom Gasbedarf geprägt. Katar half damals laut QNA und überwies sogar 100 Millionen Dollar Katastrophenhilfe. Solche Bindungen wirken langfristig. Sie erklären, warum Katar Lieferbeziehungen in Asien oft stabiler bewertet als europäische Optionen.
Neuere Zielmärkte entstehen ebenfalls. Katar und Ägypten unterzeichneten Anfang des Jahres eine Absichtserklärung für LNG-Lieferungen. Laut QNA umfasst sie „ganz explizit bis zu 24 Lieferungen in den nächsten Monaten“. Außerdem sollen langfristige Lieferungen möglich werden. Damit bindet Katar Kapazitäten, während Deutschland weiter ohne katarisches LNG bleibt.
Politische Symbolik trifft harte Bilanz
Das Gesamtbild wirkt für das Wirtschaftsministerium in Berlin unerfreulich. Eine Energiepartnerschaft, die als Antwort auf eine historische Versorgungslücke angekündigt wurde, liefert bislang vor allem Papier und Terminlisten. Die Argumentation des Wirtschaftsministeriums verweist zwar auf Handelslogik und globale Liquidität. Doch genau deshalb wirkt das Ergebnis umso schärfer: Wenn LNG weltweit verfügbar ist, fällt das Ausbleiben katarischer Mengen für Deutschland doppelt auf.
So bleibt von Habecks Verhandlungen in der öffentlichen Aktenlage vor allem die Diskrepanz zwischen Ankündigung und Effekt. Europa bekommt LNG aus Katar. Deutschland bekommt es nicht. Und solange sich daran nichts ändert, steht die Energiepartnerschaft in erster Linie als politisches Versprechen im Raum, das der Realität des Marktes nicht standhält.
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