Kältewelle treibt Frankreichs Atomstromproduktion auf Rekordniveau

Frankreich erlebt eine Kältewelle, deshalb steigt die Stromnachfrage spürbar. Gleichzeitig erreicht die Erzeugung ein Rekordniveau, und der Strompreis reagiert schneller als üblich. In dieser Lage werden Kernkraft und Netzstabilität zu den zentralen Faktoren, weil sie die Versorgung in den Lastspitzen absichern (bloomberg: 31.12.25).


Kältewelle im Winterbetrieb: Rekordniveau bei mehr als 56 Gigawatt

Am Silvestertag lief die französische Reaktorflotte nahe an ihrer Leistungsgrenze, zudem lag die kombinierte Produktion bei mehr als 56 Gigawatt. Dieses Rekordniveau markiert den höchsten Stand seit Januar 2019. Parallel kletterte die Nachfrage auf rund 75 Gigawatt, was den Markt eng führt, obwohl die Kernkraft viel Grundlast liefert.

Kältewelle in Frankreich: Atomstromproduktion auf Rekordniveau und wachsende Anforderungen an die Netzstabilität
Kältewelle in Frankreich: Atomstromproduktion auf Rekordniveau und wachsende Anforderungen an die Netzstabilität

Für die nächsten Tage deuten Prognosen auf eine anhaltende Frostperiode hin. In Paris sollten die Temperaturen bis auf etwa -1 Grad Celsius fallen, also rund vier Grad unter dem historischen Mittel. Wenn die Kältewelle weiter anhält, bleibt die Systemplanung anspruchsvoll, weil schon kleine Abweichungen bei Verbrauch oder Erzeugung starke Preisimpulse auslösen können.

Strompreis steigt: Frankreich über Deutschland am Day-ahead-Markt

Am Day-ahead-Markt lag der Strompreis für Lieferungen an Silvester bei 89,07 Euro je Megawattstunde, während Deutschland darunter blieb. Das gilt als ungewöhnlich, weil Frankreich in vielen Marktphasen günstiger notiert. Doch die Kältewelle dreht die Preisrelation, da Nachfrage, Reservebedarf und Verfügbarkeit gleichzeitig wirken.

Auch die Preisbildung im Stundenraster gewinnt an Bedeutung, weil Lastspitzen kurze, teure Intervalle erzeugen. Viele Abnehmer achten deshalb nicht nur auf Spotwerte, sondern auch auf den Tarif in Folgeverträgen. Das Risiko steigt, wenn die Kälte mehrere Tage ohne Entspannung durchläuft.

Netzstabilität unter Druck – Kohle und Gas liefern zusätzliche Reserve

Um die Lastspitzen abzufangen, erhöht Frankreich zusätzlich die Erzeugung aus Kohle- und Gaskraftwerken, während die RTE-Daten eine enge Lage im Winterbetrieb zeigen. Damit soll die Netzstabilität gesichert bleiben, weil die Reserve in Kältephasen schneller schrumpft. Die Kernkraft bildet zwar das Rückgrat, jedoch braucht das System flexible Leistung, wenn der Verbrauch sprunghaft anzieht.

Diese Mechanik zeigt sich besonders abends, wenn Heizlast und Beleuchtung zusammenkommen. Dann kann selbst ein kleines Kraftwerksproblem spürbar werden und die Versorgungssicherheit hängt stark an operativer Disziplin. Die Kältewelle wirkt hier wie ein Beschleuniger, weil sie jede Schwankung im Netz sofort verstärkt.


Ausblick: Wetterlage entscheidet über Marktspannung

Wettermodelle rechnen mit anhaltendem kaltem Wetter über rund zwei Wochen, deshalb bleibt der Markt empfindlich. Jede weitere Nacht mit sehr niedrigen Temperaturen kann die Nachfrage erneut nach oben drücken, während das Rekordniveau der Produktion gehalten werden muss. Sobald sich die Lage entspannt, kann der Strompreis zwar zügig fallen, jedoch spricht der aktuelle Trend zunächst für ein festes Niveau.

Für Händler und Versorger zählt nun vor allem, dass die Kernkraft stabil läuft und Wartungsrisiken gering bleiben. Gleichzeitig muss die Netzstabilität in Spitzenstunden abgesichert werden, damit keine Engpässe entstehen. Die Kältewelle bestimmt damit kurzfristig Kosten, Exportfähigkeit und operative Prioritäten.

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