Die Eskalation im Konflikt mit dem Iran verschärft Anfang März 2026 die Energiekrise in Deutschland. Im Zentrum steht die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Energierouten der Welt. Tanker werden angegriffen, Versicherer bremsen Transporte, außerdem weichen viele Schiffe auf längere Routen aus. Dadurch steigen Öl- und Gaspreise auf dem Weltmarkt, während Haushalte, Pendler und Unternehmen in Deutschland höhere Kosten für Mobilität, Heizen und Strom tragen müssen. Der Konflikt wirkt dabei als zusätzlicher Preistreiber, jedoch belasten hohe Abgaben und politische Vorgaben den Energiemarkt schon seit Jahren. Eine Analyse des Instituts für konservative Wirtschaftspolitik zeigt, wie der Staat Verbraucher entlasten könnte.
Konflikt im Persischen Golf treibt Spritpreise und Inflation
Deutschland importiert zwar nur einen begrenzten Teil seines Öls direkt aus dem Nahen Osten, ist vom Weltmarkt aber stark abhängig. Rund ein Fünftel bis ein Viertel des global gehandelten Öls passiert die Straße von Hormus, deshalb wirken sich Störungen dort sofort auf die Preise aus. Am 6. März 2026 lag der durchschnittliche Benzinpreis E5 in Deutschland bei 2,00 Euro pro Liter, Diesel kostete im Schnitt 2,07 Euro. Gegenüber dem Jahresdurchschnitt 2025 entspricht das einem Anstieg von 14,4 Prozent bei Benzin und 27,5 Prozent bei Diesel.

Bei einer weiteren Zuspitzung erwarten Analysten neue Preisschübe. Eine zweiwöchige Blockade könnte Brent auf 90 bis 100 Dollar pro Barrel treiben, während Benzin auf 2,30 Euro und Diesel auf 2,20 Euro steigen würde. Bei einer längeren Störung wären sogar 120 bis 140 Dollar möglich. Zieht sich der Konflikt bis Ende 2026, könnte Brent die Marke von 150 Dollar überschreiten. Zugleich würde auch die Inflation in Deutschland deutlich anziehen.
Hohe Abgaben halten Kraftstoffpreise zusätzlich oben
Ein erheblicher Teil des Kraftstoffpreises entsteht nicht durch den Rohölmarkt, sondern durch staatliche Belastungen. Beim Super E10 entfallen rund 65,4 Cent auf Energiesteuer, etwa 15,7 Cent auf die CO₂-Abgabe und rund 31 Cent auf die Mehrwertsteuer. Damit machen Steuern und Abgaben fast 58 Prozent des Endpreises aus. Beim Diesel liegt der staatliche Anteil ebenfalls sehr hoch, die Energiesteuer ist dort etwas niedriger.
Rechnerisch wäre daher eine spürbare Entlastung möglich. Würden CO₂-Abgabe, Energiesteuer und Mehrwertsteuer sinken, könnte Super E10 von etwa 1,94 Euro auf rund 1,28 Euro pro Liter fallen. Diesel könnte zugleich von etwa 2,01 Euro auf rund 1,51 Euro sinken. Deshalb rückt auch die Kontrolle möglicher Preisübertreibungen an Tankstellen stärker in den Fokus.
Heizkosten steigen weiter – Öl und Gas werden teurer
Auch beim Heizen bleibt die Lage angespannt. Gas- und Ölheizungen sollen zwar formal weiter möglich sein, jedoch bleiben zentrale Kostentreiber bestehen. Die EU verlangt ab 2030 Nullemissionsgebäude, außerdem sollen neue Gasheizungen teilweise mit teuren grünen Gasen betrieben werden. Gleichzeitig verteuert die CO₂-Bepreisung fossile Brennstoffe weiter.
Die Preisentwicklung zeigt die Belastung klar. Zwischen 2019 und 2025 stiegen die Gaspreise für Gewerbekunden von 4,55 auf 9,48 Cent je Kilowattstunde. Industriekunden zahlten statt 2,86 bereits 6,75 Cent, während Haushalte von 6,65 auf 12,40 Cent kletterten. Heizöl verteuerte sich zwischen 2020 und 2025 um rund 49 Prozent. Kommt zum Nahost-Konflikt eine längere Störung der Seeroute hinzu, dürfte auch der europäische Gaspreis weiter steigen.
Niedrige Speicherstände und teurer Strom verschärfen die Lage
Die Risiken nehmen weiter zu, weil die deutschen Gasspeicher Anfang März 2026 nur zu rund 20,9 Prozent gefüllt waren. Steigen die Beschaffungskosten weiter, trifft das Haushalte und Unternehmen direkt. Gleichzeitig könnten Steuersenkungen den Gaspreis für Haushalte von rund 12,40 auf etwa 9,63 Cent je Kilowattstunde drücken. Beim Heizöl wäre rechnerisch ein Rückgang von rund 92,32 auf 58,44 Cent pro Liter möglich.
Beim Strom zeigt sich dieselbe Entwicklung. Zwischen 2019 und 2025 stieg der Preis für Gewerbekunden von 22,22 auf 28,75 Cent je Kilowattstunde. Industriebetriebe zahlten 19,09 Cent statt früher 15,98 Cent, während Haushaltsstrom auf 42,46 Cent kletterte. Als Ursachen gelten steigende CO₂-Kosten, hohe Netzentgelte und der Ausstieg aus der Kernenergie. Eine Wiederinbetriebnahme stillgelegter Kernkraftwerke könnte diese Preise nach Berechnungen deutlich senken und damit Industrie, Mittelstand und private Verbraucher spürbar entlasten.
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