IG Metall warnt: Bis zu 30.000 Jobs in Bayerns Industrie vor dem Aus

In Bayern droht nach Einschätzung der IG Metall ein massiver Stellenabbau in der Metall- und Elektroindustrie. Die Gewerkschaft rechnet angesichts der schwachen Wirtschaftslage und des laufenden Strukturwandels mit rund 30.000 verlorenen Arbeitsplätzen. Auslöser sind bereits laufende oder angekündigte Kürzungen in zahlreichen Betrieben, während gleichzeitig nur ein Bruchteil neuer Stellen entsteht. Besonders betroffen sind Unternehmen aus dem Automobilsektor und deren Zulieferer. Die IG Metall sieht zudem ein Risiko für Beschäftigte und regionale Industriestandorte, weil die boomende Rüstungsbranche den Arbeitsplatzverlust nicht ausgleichen kann. Dadurch drohen Einschränkungen für ganze Betriebsstrukturen und langfristige Folgen für den Arbeitsmarkt in Bayern (zeit: 20.02.26).


Stellenabbau in vielen Betrieben bereits konkret

Nach Angaben von Bezirksleiter Horst Ott laufen derzeit in bayerischen Unternehmen bereits Maßnahmen zum Abbau von rund 32.000 Stellen oder sie sind konkret angekündigt. Gleichzeitig entstehen laut einer Umfrage der IG Metall unter 547 Betrieben nur etwa 3.000 neue Arbeitsplätze. Deshalb ergibt sich unter dem Strich ein deutlicher Rückgang der Beschäftigung. Die Zahlen zeigen, dass viele Firmen ihre Kapazitäten anpassen, während Investitionen in neue Bereiche nur begrenzt greifen.

IG Metall warnt vor bis zu 30.000 Jobverlusten in Bayerns Industrie. Autozulieferer besonders betroffen, Rüstungsboom reicht nicht aus
IG Metall warnt vor bis zu 30.000 Jobverlusten in Bayerns Industrie. Autozulieferer besonders betroffen, Rüstungsboom reicht nicht aus

Die wirtschaftliche Lage verschärft die Situation zusätzlich, zugleich zwingt der industrielle Wandel viele Unternehmen zu tiefgreifenden Veränderungen. Produktionsprozesse werden umgestellt, Kosten reduziert und Standorte neu bewertet. Dadurch geraten Beschäftigte unter Druck, obwohl zahlreiche Betriebe weiterhin technisch gut aufgestellt sind. Die Gewerkschaft warnt deshalb vor einer schleichenden Erosion industrieller Arbeitsplätze in Bayern.

Autoindustrie im Zentrum der Entwicklung

Besonders stark trifft der Stellenabbau die Autobranche und ihre Zulieferer. Nach Angaben der IG Metall bauen in diesem Bereich rund 54 Prozent der Betriebe Arbeitsplätze ab. Neben großen Namen wie ZF Friedrichshafen und Bosch sind jedoch auch viele kleinere Unternehmen betroffen, die oft weniger finanzielle Reserven besitzen. Gerade diese mittelständischen Betriebe gelten als Rückgrat der Industrie, weshalb der Abbau dort weitreichende Folgen haben kann.

Die Rüstungsindustrie wächst zwar, dennoch reicht dieser Trend nicht aus, um die Verluste aufzufangen. Laut IG Metall entsteht auf zehn wegfallende Arbeitsplätze in der Autobranche nur ein neuer Job im Verteidigungssektor. Deshalb bleibt die Gesamtbilanz deutlich negativ. Die Gewerkschaft sieht darin ein klares Signal, dass einzelne Boombranchen strukturelle Probleme nicht automatisch lösen.

Betriebsratswahlen im Zeichen der Krise

Parallel zum wirtschaftlichen Druck richtet die IG Metall den Blick auf die anstehenden Betriebsratswahlen, die ab März stattfinden. Die Gewerkschaft erwartet besondere Wahlen, weil viele Beschäftigte angesichts unsicherer Perspektiven stärker auf Mitbestimmung achten. Gleichzeitig sieht Bezirksleiter Horst Ott derzeit keinen Durchbruch rechtsgerichteter Gruppen in den Betrieben. Er erklärte: „Aus jetziger Sicht können wir nicht feststellen, dass wir von rechten Listen überrannt werden in den Betrieben.“

Ott betont außerdem, dass die besondere Situation vor allem wirtschaftlich bedingt sei. „Ich gehe momentan davon aus, dass es besondere Betriebsratswahlen sind – aber nicht, weil sich irgendwelche Gruppen einschleifen, sondern weil die wirtschaftliche Situation so ist, wie sie ist.“ Damit rückt die IG Metall die wirtschaftliche Unsicherheit in den Mittelpunkt der aktuellen Entwicklung. Während viele Beschäftigte um ihre Jobs bangen, wächst zugleich die Bedeutung betrieblicher Interessenvertretung.


Strukturwandel als langfristige Herausforderung

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass Bayern vor einer schwierigen Phase im industriellen Wandel steht. Einerseits verändern neue Technologien und Marktverschiebungen die Produktionslandschaft, andererseits bremsen konjunkturelle Probleme Investitionen. Deshalb erwartet die IG Metall weitere Anpassungen in Unternehmen, solange keine stabile wirtschaftliche Erholung einsetzt. Für Beschäftigte bedeutet das eine anhaltende Unsicherheit, während Betriebe ihre Strategien neu ausrichten müssen.

Zugleich macht die Gewerkschaft deutlich, dass einzelne Wachstumsfelder allein nicht reichen, um traditionelle Industriearbeitsplätze zu ersetzen. Entscheidend wird sein, wie schnell neue industrielle Perspektiven entstehen und ob Unternehmen in Bayern langfristig investieren. Die kommenden Monate gelten deshalb als richtungsweisend für viele Standorte.

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