Berlin/Osnabrück – Der verurteilte Windkraft-Betrüger Hendrik Holt ist seit Dienstag, 25. August 2026, auf der Flucht. Der 36-Jährige kehrte nach einem genehmigten, unbegleiteten Ausgang nicht in die JVA Heidering bei Berlin zurück. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück fahndet deshalb nach ihm. Holt befand sich nach Angaben der Behörde bereits seit längerer Zeit im offenen Vollzug. Ein Schreiben aus seinem Umfeld deutet jedoch darauf hin, dass die Nichtrückkehr geplant war.
Hendrik Holt kündigte Rückkehr offenbar schon vorher ab
Die Staatsanwaltschaft erhielt ein Schreiben aus Holts Umfeld und auch die JVA bekam eine entsprechende Nachricht. Darin soll ausdrücklich stehen: „Hendrik Holt kommt nicht zurück.“ Weitere Ermittlungserkenntnisse stützen laut Staatsanwaltschaft die Annahme einer gezielten Flucht.

Foto: Sven Wolter
Die Behörden nennen derzeit jedoch weder einen möglichen Aufenthaltsort noch Angaben zu möglichen Helfern. Holt sollte am Dienstagabend in die JVA Heidering zurückkehren. Seitdem suchen die Ermittler nach ihm, während sie weitere Details aus ermittlungstaktischen Gründen zurückhalten.
Millionenbetrug mit erfundenen Windparks
Hendrik Holt gehört zu den bekanntesten Betrugsfällen der deutschen Windkraftbranche. Das Landgericht Osnabrück verurteilte ihn 2022 zunächst zu sieben Jahren und sechs Monaten Haft. Im Oktober 2023 erhöhte das Gericht die Gesamtfreiheitsstrafe wegen eines weiteren Betrugsdelikts auf acht Jahre.
Holt und seine Mitangeklagten verkauften Energiekonzernen Windparkprojekte, die teilweise überhaupt nicht existierten. Dafür nutzten sie gefälschte Verträge, Genehmigungen und andere Unterlagen. Der Schaden bei ČEZ, Enel und SSE lag bei rund zehn Millionen Euro. Außerdem bezog Holt mehrere Familienmitglieder in das Betrugssystem ein.
Neue Vorwürfe rund um Flughafen Rostock-Laage
Zuletzt geriet Holt jedoch erneut wegen des Flughafens Rostock-Laage in den Fokus. Das Berliner Unternehmen Crisp Partners kaufte den Flughafen 2025 für 3,1 Millionen Euro. Recherchen von WELT und Business Insider deuten darauf hin, dass Holt den Deal aus der Haft heraus beeinflusst haben könnte. Holt bestreitet jedoch, selbst Käufer des Flughafens gewesen zu sein.
Neue Recherchen befassen sich außerdem mit der Herkunft einer Anzahlung für den Flughafen. Dabei gibt es Hinweise, dass Geld aus einer Straftat stammen könnte; bewiesen ist das bislang nicht. Gleichzeitig warten Gläubiger laut HAZ im Insolvenzverfahren auf Forderungen von rund 40 Millionen Euro. Ein Zusammenhang zwischen den neuen Vorwürfen und Holts Flucht ist jedoch bislang nicht belegt.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Hannoversche Allgemeine (27.08.26) – Tagesschau (27.08.26) – Welt (27.08.26)
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