Französische Atomkraftwerke haben 2025 weiter an Gewicht für die Stabilität des deutschen Stromnetzes gewonnen. Kernenergie stellte erneut den größten Anteil an den deutschen Stromimporten. Die Übertragungsnetzbetreiber setzten sie gezielt für den sogenannten Crossborder-Redispatch ein. Auslöser waren starke Schwankungen bei Wind- und Solarstrom, die zeitweise Überlastungen oder Engpässe im Netz verursachten. Nach Angaben der Bundesnetzagentur lag das Volumen der Redispatch-Maßnahmen mit ausländischen Kernkraftwerken von Januar bis September 2025 bei rund 77 Gigawattstunden. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es etwa 69 Gigawattstunden. Das entspricht einem Anstieg um rund 11,6 Prozent. Die Kosten dieser Eingriffe entstehen aus Gründen der Systemsicherheit und landen deshalb über die Netzentgelte bei Haushalten und Unternehmen in Deutschland (welt: 21.03.26).
Französische Atomkraftwerke werden zur Reserve für kritische Netzlagen
Beim Einkauf von Atomstrom aus dem Ausland geht es längst nicht nur um günstige Energie. Für die Netzbetreiber zählt vor allem, dass sie kritische Situationen im Stromnetz schnell ausgleichen können. Deshalb nutzen sie ausländische Kernkraftwerke, wenn die Einspeisung aus Wind und Sonne nicht zum Bedarf im Netz passt. Der Crossborder-Redispatch ist damit ein Instrument zur akuten Stabilisierung. Die Bundesnetzagentur bestätigte, dass solche Maßnahmen zunehmen.

Ausländische Kernkraftwerke senken ihre Leistung, wenn in Deutschland zu viel Wind- und Solarstrom ins Netz drückt. So lassen sich überlastete Leitungen entlasten, während das System im Gleichgewicht bleibt. In anderen Lagen erhöhen die Betreiber ihre Produktion, wenn Wind- und Solaranlagen ungeplant zu wenig Strom liefern. Dann gleichen sie die fehlende Einspeisung aus und stützen die Versorgung. Daten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme zeigen außerdem, dass deutsche Netzbetreiber Kernkraftwerke im Ausland für negativen und positiven Redispatch einsetzen. Französische Atomkraftwerke spielen dabei eine besonders wichtige Rolle.
Frankreich liefert den größten Teil des importierten Atomstroms
Seit dem Abschalten der letzten deutschen Kernkraftwerke im Jahr 2023 ist Deutschland Netto-Importeur von Strom. Dadurch wächst die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten, während der Ausgleich im Inland schwieriger geworden ist. Nach Daten der Bundesnetzagentur importierte Deutschland im vergangenen Jahr mehr als 60.000 Gigawattstunden Strom aus dem Ausland. Davon entfielen 14.331 Gigawattstunden auf Kernenergie. Damit hatte Atomstrom den größten Anteil an den gesamten Importen. Frankreich lieferte rund 9500 Gigawattstunden und lag damit klar vor Belgien, den Niederlanden, der Schweiz, Tschechien und Schweden.
Nach Informationen der Welt kamen auch bei Maßnahmen zur Netzstabilisierung vor allem Französische Atomkraftwerke zum Einsatz. Welcher der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber diese ausländischen Nuklear-Kapazitäten konkret nutzte, ließ sich jedoch nicht eindeutig zuordnen. Die Bundesnetzagentur erklärte dazu: „Bei den Anforderungen handelt es sich um eine gemeinsame Optimierung der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber“. Gemeint sind Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetBW. Für Stromkunden ist die Folge klar, denn die Eingriffe kosten Geld und erhöhen den Druck auf die Netzentgelte. Zugleich zeigt die Entwicklung, wie stark Deutschlands Stromsystem bei schwankender Ökostrom-Erzeugung auf Kapazitäten aus Frankreich angewiesen ist.
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