Feiertag zeigte Netzproblem – Experten riefen PV-Betreiber zum Abschalten ihrer Anlage auf

Am 1. Mai 2026 kam es in Deutschland zu einem massiven Solarstromüberschuss, weil Millionen Photovoltaikanlagen einspeisten, während Industrie, Büros und viele Betriebe an diesem Feiertag kaum Strom abnahmen. Experten riefen private PV-Betreiber deshalb dazu auf, ihre Anlagen zeitweise abzuschalten. Der Aufruf zielte auf ein akutes Netzproblem, das Fachleute seit Jahren vorhergesagt hatten. Der schnelle Zubau von Solaranlagen traf auf fehlende Speicher, begrenzte Netzkapazitäten und zu wenig steuerbare Nachfrage. Am Intraday-Markt fiel der Strompreis zeitweise auf minus 855 Euro je Megawattstunde (bild: 01.05.26).


Feiertag machte den Abschalt-Aufruf notwendig

Der Maifeiertag fiel auf hohe Sonneneinspeisung. Zugleich sank der Strombedarf deutlich. Viele Fabriken produzierten nicht. Büros blieben leer. Zahlreiche Betriebe arbeiteten nicht. Deshalb fehlten große Verbraucher genau in den Stunden, in denen Solaranlagen besonders viel Strom lieferten.

Feiertag deckte Solar-Chaos auf: Experten riefen PV-Betreiber zum Abschalten auf, weil Stromnetze und Kosten aus dem Ruder liefen
Feiertag deckte Solar-Chaos auf: Experten riefen PV-Betreiber zum Abschalten auf, weil Stromnetze und Kosten aus dem Ruder liefen

Der Appell an private PV-Betreiber war deshalb keine symbolische Warnung. Er zielte auf konkrete Entlastung des Stromnetzes. Viele kleine Anlagen speisten weiter ein, obwohl der Markt bereits Überangebot signalisierte. Genau darin lag das Problem: Die Stromerzeugung folgte der Sonne, jedoch nicht dem tatsächlichen Bedarf.

Experten sahen dieses Risiko seit Jahren kommen

Fachleute hatten wiederholt vor genau diesem Szenario gewarnt. Ein massiver Ausbau von Photovoltaik stabilisiert das Stromsystem nur dann, wenn Speicher, Netze und flexible Verbraucher mitwachsen. Fehlen diese Bausteine, verschärft jede zusätzliche Anlage das Überangebot in kritischen Stunden. Der Feiertag machte diese Lücke besonders sichtbar.

Energieökonom Prof. Lion Hirth von der Hertie School forderte Betreiber deshalb direkt zum Handeln auf. Auf LinkedIn schrieb er: „Wenn ihr etwas Gutes für die Versorgungssicherheit, die Energiewende und den Bundeshaushalt tun wollt, dann schaltet eure PV-Anlage ab.“ Damit adressierte er private Anlagenbetreiber, die selbst Einfluss auf ihre Einspeisung nehmen konnten.

Abschalten statt weiter einspeisen

Hirth empfahl jedoch keine kurze Unterbrechung von wenigen Stunden. Wegen des langen Wochenendes sollte die Abschaltung länger dauern. Er ergänzte: „Ehrlich gesagt, am besten gleich bis Montag auslassen.“ Damit sollte die Einspeisung in einer Phase sinken, in der die Nachfrage weiter schwach blieb.

Auch Philipp Schröder, früher Deutschland-Chef von Tesla und heute Chef von 1Komma5°, sah akuten Handlungsbedarf. Er verwies darauf, dass mehr Strom eingespeist wurde, als Abnehmer benötigten. Deshalb riet er zu Smart Metern und Steuerboxen. Mit dieser Technik lassen sich Anlagen automatisch drosseln.


Kleine PV-Anlagen bleiben schwer steuerbar

Das größte Problem lag bei vielen kleinen Photovoltaikanlagen. Netzbetreiber konnten sie oft nicht direkt abschalten. Schröder sagte deshalb: „Viele kleine PV-Anlagen lassen sich nicht vom Netzbetreiber abschalten, deswegen am besten selbst aktiv werden.“ Der Aufruf richtete sich deshalb besonders an Betreiber solcher Anlagen.

Diese fehlende Steuerbarkeit machte den Stromüberschuss schwer beherrschbar. Wer eine kleine Anlage betreibt, speist oft automatisch ein. Zugleich fehlt häufig Technik zur Fernsteuerung. Deshalb blieb nur der direkte Appell, die Einspeisung eigenständig zu stoppen.

Planloser Solarzubau verschärfte die Lage

Der Vorfall zeigte die Folgen eines Zubaus, der schneller lief als die Systemintegration. Deutschland verfügt inzwischen über rund fünf Millionen PV-Anlagen. Außerdem kommen täglich Tausende neue Anlagen hinzu. Zugleich fehlen Speicher, steuerbare Verbraucher und digitale Schalttechnik im nötigen Umfang.

Damit bestätigte sich eine zentrale Warnung der vergangenen Jahre. Wer Solaranlagen massiv ausbaut, muss zugleich Speicher, Netze und Steuerung ausbauen. Andernfalls wächst nicht nur die Ökostrommenge. Es wächst auch die Menge an Strom, die im falschen Moment anfällt.

Kosten trafen Verbraucher und Steuerzahler

Negative Strompreise klingen zunächst wie ein Vorteil. Tatsächlich entstehen jedoch Kosten, wenn Deutschland überschüssigen Strom nur mit Abnahmeprämien loswird. Diese Kosten verschwinden nicht im Markt. Sie belasten am Ende das Stromsystem, die Verbraucher und den Bundeshaushalt.

Der Feiertag zeigte deshalb kein Randproblem, sondern eine strukturelle Schwäche der Energiewende. Experten riefen private PV-Betreiber nicht ohne Grund zum Abschalten auf. Der Ausbau erneuerbarer Energien braucht Tempo, jedoch auch Kontrolle. Ohne Speicher, steuerbare Anlagen und flexible Nachfrage wiederholen sich solche Überschüsse an sonnigen Tagen immer häufiger.

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