Microsoft zieht sich wegen erheblicher Probleme bei der Stromversorgung aus einem milliardenschweren KI-Rechenzentrumsprojekt im britischen Loughton zurück. Der US-Technologiekonzern hatte Kapazitäten beim britischen Betreiber Nscale reserviert. Doch der Netzbetreiber UK Power Networks kann den erforderlichen Strom voraussichtlich erst in den 2030er-Jahren bereitstellen. Ursprünglich sollte die Anlage bereits 2027 den Betrieb aufnehmen. Damit verliert das von der britischen Regierung unterstützte Vorhaben seinen wichtigsten vorgesehenen Kunden. Zugleich geraten Milliardeninvestitionen, geplante Arbeitsplätze und die britische KI-Strategie in Gefahr.

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Stromversorgung für KI-Rechenzentrum erst in den 2030er-Jahren gesichert
Das Projekt in der Grafschaft Essex sollte zu den leistungsfähigsten KI-Rechenzentren Großbritanniens gehören. Detr Netzbegtreiber Nscale plante zunächst eine elektrische Anschlussleistung von 50 Megawatt. Die Anlage sollte außerdem auf 90 Megawatt erweiterbar sein. Vorgesehen waren rund 23.000 Hochleistungsprozessoren des US-Chipherstellers Nvidia. Microsoft wollte die Rechenkapazitäten für seine Cloud-Plattform Azure nutzen.
Doch die erforderliche Stromversorgung steht nicht rechtzeitig zur Verfügung. Nach Angaben aus dem Projektumfeld kann UK Power Networks ausreichende Netzkapazitäten erst Anfang bis Mitte der 2030er-Jahre bereitstellen. Damit verschiebt sich die Inbetriebnahme möglicherweise um mindestens drei Jahre. Für Microsoft verliert der ursprüngliche Zeitplan deshalb seine wirtschaftliche Grundlage. Der Konzern hat seine Vereinbarung mit Nscale inzwischen beendet.
Milliardeninvestition und Hunderte Arbeitsplätze gefährdet
Die britische Regierung hatte das Vorhaben 2025 als wichtigen Bestandteil ihrer nationalen KI-Strategie präsentiert. Das Investitionsvolumen wurde mit rund zwei Milliarden Pfund beziffert. Außerdem standen bis zu 750 Arbeitsplätze im Zusammenhang mit dem Projekt. Doch bereits im März 2026 nutzte ein Gerüstbaubetrieb das vorgesehene Gelände. Inzwischen hat Nscale die Fläche geräumt.
Der Rückzug von Microsoft verschärft nun die wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Schließlich verliert Nscale damit den einzigen öffentlich benannten Abnehmer für die geplante Anlage. Zugleich strebt das von Nvidia unterstützte Unternehmen einen Börsengang in New York an. Dabei stand zuletzt eine mögliche Bewertung von 35 Milliarden Dollar im Raum. Ohne verlässlichen Netzanschluss und langfristig gebundene Kunden dürfte die Finanzierung schwieriger werden.
Stromnetz wird zum Engpass für neue Milliardenprojekte
Das Problem reicht jedoch weit über den Standort Loughton hinaus. Nach Angaben der Financial Times befinden sich in Großbritannien 315 Rechenzentrumsprojekte mit zusammen rund 73 Gigawatt Anschlussleistung in der Warteschlange. Zum Vergleich lag die britische Stromhöchstlast zuletzt bei etwa 45 Gigawatt. Allerdings handelt es sich bei den 73 Gigawatt um beantragte Kapazitäten und nicht um tatsächlich gleichzeitig benötigte Leistung.
Die Dimension verdeutlicht dennoch den wachsenden Konflikt zwischen Digitalisierung und Energieinfrastruktur. KI-Rechenzentren benötigen große Strommengen, leistungsfähige Netzanschlüsse und eine dauerhaft zuverlässige Versorgung. Zudem verursachen die Anlagen durch ihre hohe Leistungsdichte zusätzlichen Kühlbedarf. Neue Kraftwerke oder Erzeugungskapazitäten allein lösen das Problem jedoch nicht. Entscheidend sind ebenso ausreichende Übertragungs- und Verteilnetzkapazitäten am jeweiligen Standort.
Nscale sucht alternative Energieversorgung für Rechenzentrum
Nscale hält trotz des Rückzugs von Microsoft am Standort fest. Das Unternehmen untersucht deshalb alternative Energiequellen und eine mögliche Stromerzeugung direkt auf dem Gelände. Außerdem prüft es zusätzliche Standorte in Großbritannien. Ob sich dadurch der ursprüngliche Zeitplan retten lässt, bleibt jedoch offen. Die Zusammenarbeit mit Microsoft bei anderen Projekten, darunter in Norwegen, soll weiterlaufen.
Die Entwicklung zeigt zugleich einen grundlegenden Widerspruch der britischen Technologiepolitik. Die Regierung bewirbt milliardenschwere Investitionen in künstliche Intelligenz, während wesentliche Voraussetzungen für deren Umsetzung fehlen. Politische Investitionsankündigungen ersetzen jedoch weder Kraftwerksleistung noch belastbare Netzanschlüsse. Wenn Unternehmen jahrelang auf ausreichende Stromkapazitäten warten müssen, verlieren selbst finanzstarke Projekte ihre Planungsgrundlage. Der Fall Loughton macht damit deutlich, dass der Ausbau der digitalen Wirtschaft unmittelbar von einer leistungsfähigen Energieinfrastruktur abhängt.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: The Times (19.10.26) – Financial Times (19.10.26) – Reuters (18.10.26) – The Guardian (18.10.26)
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