EU erlaubt Deutschland nur 12 GW neue Gaskraftwerke – obwohl über 20 GW nötig sind

Die Bundesnetzagentur hält bis 2035 zusätzliche steuerbare Kapazitäten von bis zu 22,4 Gigawatt zur Stromerzeugung für notwendig, doch die EU genehmigt Deutschland bis 2031 nur 12 Gigawatt neue Gaskraftkapazitäten. Damit entsteht eine Versorgungslücke und diese trifft das System genau in kritischen Stunden. Im Szenario „Verzögerte Energiewende“ steigt der Bedarf nach neuen Kraftwerken laut Bundesnetzagentur sogar auf bis zu 35,5 Gigawatt, was nur einem Drittel des von der EU genehmigten Zubaus entspricht (golem: 10.01.26).


Versorgungslücke von 8 GW: Was das im Alltag auslöst

Wenn diese Reserve fehlt, gibt es im Netz schnell einen Versorgungsengpass, weil weniger Kraftwerke kurzfristig einspringen können. Dann steigen die Risiken in Dunkelflauten und Netzbetreiber müssen deshalb häufiger gegensteuern. Das kostet Geld, denn jeder Eingriff ersetzt die Marktlogik durch einen Notbetrieb.

EU genehmigt nur 12 GW Gaskraftwerke statt der benötigten 22,4 GW - in Dunkelflauten drohen teure Stromstunden und Blackout-Risiken
EU genehmigt nur 12 GW Gaskraftwerke statt der benötigten 22,4 GW – in Dunkelflauten drohen teure Stromstunden und Blackout-Risiken

Wenn Strom knapp wird, steigt der Preis an der Strombörse meist sprunghaft, weil Anbieter und Käufer um die letzten verfügbaren Mengen konkurrieren. Das merkt man nicht sofort auf der Rechnung, aber es wirkt über Beschaffung und Verträge nach. Stadtwerke zahlen dann mehr und sie geben Kosten später weiter.

Import hilft nicht immer: Europas Stromsystem hat gemeinsame Stressmomente

Mehr Strom aus Nachbarländern klingt beruhigend, doch Importe hängen von Wetter und Lage ab. Bei Kältewellen steigt der Verbrauch in vielen Staaten gleichzeitig und Überschüsse schrumpfen. Dann konkurrieren Länder um dieselben Mengen. Dazu kommt es zu weiteren Engpässen da die Leitungen nicht beliebig viel transportieren können.

Die Politik verkauft Importe gern als Ausgleich, aber das ist kein Garant. Denn selbst vorhandener Strom muss erst zum richtigen Netzpunkt kommen und Engpässe blockieren genau diese Wege. Wer sich darauf verlässt, erhöht die Abhängigkeiten, während die eigene Reserve sinkt.

Last runter statt Strom hoch: Wer zuerst spürt, wenn Leistung fehlt

Wenn Erzeugung fehlt, setzt das System stärker auf Verbrauchsreduktion, weil das schneller geht als Neubau. Das trifft zuerst große Verbraucher, denn sie können kurzfristig Last senken. Für Betriebe bedeutet das Produktionsstopps und daraus entstehen hohe Folgekosten und Planungsrisiken.

Genau deshalb spricht die Bundesnetzagentur nicht nur über Kraftwerke, sondern über Flexibilität im Gesamtsystem. Wenn Ausbauziele und Flexibilisierung verzögern, steigt der Kraftwerksbedarf deutlich und die Risikozone wächst. Das ist keine Theorie, denn die Behörde beziffert den Unterschied zwischen 22,4 und 35,5 Gigawatt explizit.

Der zweite Hebel mit 29 Gigawatt: Breiter Ansatz, aber viele Unbekannte

Die Bundesregierung plant zusätzlich einen Kapazitätsmechanismus von rund 29 Gigawatt und er soll Speicher, Biogas und flexible Industrie einschließen. Damit will Berlin mehr Reserve schaffen, ohne nur auf neue Gasturbinen zu setzen. Dieser Mechanismus soll nicht nur neue Kraftwerke bezahlen, sondern auch Speicher, Biogasanlagen und flexible Fabriken als Reserve sichern.

Der Haken liegt in der Ausgestaltung, denn Regeln entscheiden über Investitionen. Ohne klare Vergütung baut niemand Batteriespeicher für Engpassstunden und die Industrie investiert nicht in Steuertechnik. Deshalb zählt das Timing, weil jeder Verzug die Lücke faktisch vergrößert.


Reiches Ziel und Brüssels Grenze: Was politisch wahrscheinlicher wird

Reiche wollte „mindestens 20 Gigawatt“, doch Brüssel blieb bei 12. Die aktuelle Kraftwerksschiene sieht zudem eine Staffel vor: 2026 acht Gigawatt Ausschreibungsvolumen, danach zwei Gigawatt technologieoffen und zwei Gigawatt wasserstofffähig, während die EU-Grenze den Gesamtrahmen setzt.

Bleibt es bei 12 Gigawatt, entstehen drei politische Auswege und keiner ist bequem. Entweder verlängert Deutschland fossile Bestände, oder es akzeptiert mehr Importabhängigkeit, oder es nutzt häufiger Lastreduktion. Jede Option hat Kosten und sie verschiebt Risiken vom Kraftwerksbau in andere Bereiche.

Die Lücke wird zum Preis- und Sicherheitsfaktor

Die Bundesnetzagentur legt den Bedarf offen und die EU setzt zugleich eine niedrigere Grenze bis 2031. Daraus folgt: Deutschland muss Flexibilität und Netzausbau schneller liefern, sonst steigen Bedarf und Risiko. Gelingt das nicht, drohen Versorgungslücken, weil zu wenig steuerbare Reserve bereitsteht.

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