Energiekrise: Südkorea nimmt abgeschalteten Atomreaktor Gori-2 wieder ans Netz

Südkorea hat in Busan hat den Atomreaktor Gori-2 nach knapp drei Jahren Stillstand wieder ans Netz gebracht. Der 640-Megawatt-Reaktor am Kernkraftwerk Gori zählt zu den ältesten Anlagen des Landes und ging bereits 1983 in Betrieb. Die Abschaltung erfolgte nach dem Auslaufen der 40-jährigen Betriebsgenehmigung im April 2023, weshalb der Betreiber Korea Hydro & Nuclear Power (KHNP) umfangreiche Sicherheitsprüfungen und Modernisierungen durchführte. Die Wiederinbetriebnahme erfolgt jedoch inmitten einer schweren Energiekrise. Ursache ist die hohe Importabhängigkeit, während wegen der Blockade der Straße von Hormus infolge des Nahost-Kriegs keine Rohöllieferungen mehr über diese Route eintreffen. Dieser Ausfall gilt als zentraler Risikofaktor. Zugleich soll der Reaktor helfen, die Stromversorgung zu stabilisieren und Engpässe zu vermeiden (koreaherald: 04.04.26).


Aufsicht erlaubt Betrieb bis 2033

Die südkoreanische Nuklearaufsichtsbehörde NSSC hat den Weiterbetrieb von Gori-2 bis 2033 genehmigt. Dennoch verlangte die Behörde zusätzliche Prüfungen. Diese betrafen insbesondere technische Anpassungen und Abläufe für den Umgang mit Störfällen. KHNP hatte den Antrag auf Laufzeitverlängerung bereits frühzeitig gestellt. Außerdem reichte der Betreiber einen umfassenden Sicherheitsbericht sowie Ergebnisse einer Bürgerbefragung zur Strahlenbelastung ein.

Südkorea fährt Gori-2 wieder hoch: Der alte Atomreaktor soll die Energiekrise abfedern und die angespannte Stromversorgung stabilisieren
Südkorea fährt Gori-2 wieder hoch: Der alte Atomreaktor soll die Energiekrise abfedern und die angespannte Stromversorgung stabilisieren

Gori-2 gehört zur frühen Generation der südkoreanischen Kernkraftwerke. Deshalb stehen Alterungsprozesse und Sicherheitsstandards besonders im Fokus. Dennoch zeigt die Entscheidung eine klare energiepolitische Richtung. Die Regierung setzt wieder stärker auf bestehende Kernkraftkapazitäten. Diese liefern kontinuierlich Strom und reduzieren die Abhängigkeit von Importen. Gerade in Krisenzeiten wird dieser Vorteil entscheidend.

Verlängerung für weitere Reaktoren geplant

KHNP plant zudem die Laufzeitverlängerung von neun weiteren Reaktorblöcken. Dazu zählen Gori 3 und 4, Hanbit 1 und 2, Hanul 1 und 2 sowie Wolsong 2, 3 und 4. Deren Genehmigungen laufen vor 2030 aus. Die Regierung will deshalb frühzeitig handeln, um Versorgungslücken zu vermeiden. Gleichzeitig steigt der Druck auf das Energiesystem weiter an.

Diese Strategie stärkt die Grundlastfähigkeit des Stromnetzes. Kernkraftwerke liefern konstant Energie, während erneuerbare Quellen stärker schwanken. Deshalb gewinnt die Verlängerung bestehender Anlagen zusätzlich an Bedeutung. Der Neustart von Gori-2 passt genau in diese Linie. Er zeigt, wie dringend zusätzliche Kapazitäten benötigt werden.


Energiekrise verschärft die Lage

Die Energiekrise hat sich deutlich zugespitzt. Präsident Lee Jae-myung bezeichnete die Situation als „Krise von kriegsähnlichem Ausmaß“. Diese Einschätzung verdeutlicht die Dringlichkeit. Seit der Blockade der Straße von Hormus bleiben wichtige Öllieferungen aus. Für ein rohstoffarmes Land wie Südkorea hat das unmittelbare Folgen.

Die Regierung reagiert mit umfassenden Maßnahmen. Lee forderte die Nationalversammlung auf, einen Nachtragshaushalt in Höhe von 26,2 Billionen Won zu verabschieden. Gleichzeitig rief er die Bevölkerung auf, „jeden Tropfen Treibstoff“ zu sparen. Das Handelsministerium erhöhte zudem die Warnstufe für die Ölversorgung. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Wiederinbetriebnahme von Gori-2 zusätzliche Bedeutung. Der Reaktor soll helfen, die akute Versorgungslücke zu begrenzen, während das Land seine Energieversorgung neu ausrichtet.

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