Der französische Energiekonzern EDF hat 2025 trotz sinkender Großhandelspreise und einer milliardenschweren Abschreibung erneut einen hohen Gewinn erzielt. Anlass für die positive Bilanz ist vor allem die gestiegene Stromproduktion der französischen Kernkraftwerke, deren Export ein Rekordniveau erreichte. Gleichzeitig belasten Kostenrisiken wie das britische Bauprojekt Hinkley Point C und weitere geplante Reaktoren die Perspektive. Besonders relevant ist der Kontext der europäischen Energieversorgung: Frankreich liefert große Mengen Atomstrom ins Ausland, darunter deutlich mehr nach Deutschland als umgekehrt. Der entscheidende Faktor bleibt die günstige Atomstromproduktion, die in Zeiten schwacher Wind- und Solarleistung Wettbewerbsvorteile schafft und zugleich Investitionen in energieintensive Projekte wie Rechenzentren anzieht (faz: 20.02.26).
Energiekonzern profitiert von steigender Atomstrom-Produktion
EDF meldete für 2025 ein operatives Ergebnis von 13,1 Milliarden Euro, während nach Abzug aller Kosten ein Gewinn von 8,6 Milliarden Euro blieb. Gleichzeitig drückte jedoch eine Abschreibung von 2,5 Milliarden Euro auf die Bilanz. Diese Belastung hängt mit dem Bau des britischen Kernkraftwerks Hinkley Point C zusammen, das weiterhin Verzögerungen und steigende Kosten verursacht. Außerdem werfen die geplanten sechs neuen Reaktoren in Frankreich mit geschätzten Baukosten von 72,8 Milliarden Euro langfristige Finanzfragen auf.

Trotz dieser Risiken bleibt der Energiekonzern hochprofitabel, weil die Reaktoren wieder mehr Strom erzeugen. Die Produktion stieg 2025 um rund drei Prozent auf 373 Terawattstunden. Während der Corona-Pandemie und wegen Korrosionsproblemen war die Leistung zuvor deutlich gesunken. Nun rückt das frühere Produktionsniveau von 2019 mit 380 Terawattstunden wieder in Reichweite.
Rekordexporte verändern das Verhältnis zu Deutschland
Ein erheblicher Teil des Stroms floss ins Ausland, deshalb erreichte Frankreich 2025 mit netto 92 Terawattstunden einen neuen Exportrekord. Rund 70 Prozent dieser Menge dürften Atomstrom gewesen sein, weil die 57 Reaktoren den größten Anteil an der gesamten Stromerzeugung stellten. Der wirtschaftliche Wert der Ausfuhren liegt im mittleren einstelligen Milliardenbereich, wodurch Frankreich seine Rolle als Stromlieferant Europas weiter festigt.
Besonders deutlich zeigt sich der Wandel im Verhältnis zu Deutschland. Seit dem deutschen Atomausstieg im April 2023 importiert Deutschland wesentlich mehr Strom aus Frankreich. Nach Daten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE kamen zuletzt 13,7 Terawattstunden aus Frankreich, während nur 2,5 Terawattstunden in die Gegenrichtung exportiert wurden. Bereits im Vorjahr lagen die Importmengen höher, wodurch sich das frühere Exportverhältnis dauerhaft umkehrte.
Atomstrom sichert Wettbewerbsvorteile
Vor allem in Dunkelflauten steigt die Nachfrage nach französischem Strom, weil Wind- und Solaranlagen dann nur geringe Mengen liefern. Französische Kernkraftwerke arbeiten mit niedrigen Brennstoffkosten, außerdem entfallen wegen der kohlenstoffarmen Produktion zusätzliche CO2-Kosten im europäischen Emissionshandel. Die Energieregulierungsbehörde CRE beziffert die mittelfristigen Produktionskosten auf rund sechs Cent pro Kilowattstunde, was im europäischen Vergleich sehr wettbewerbsfähig bleibt.
Die Regierung bewirbt diesen Vorteil offensiv, während zugleich der Sondermechanismus ARENH Ende 2025 auslief. Dieses System verpflichtete EDF bislang zur Abgabe von 100 Terawattstunden zu festen Sonderkonditionen. Nun verhandeln Großkunden individuelle Langfristverträge zu höheren Preisen, wodurch der Energiekonzern zusätzliche Erlösmöglichkeiten erhält. Gleichzeitig bleibt die energiepolitische Linie klar auf Kernenergie ausgerichtet.
Investoren setzen auf stabile Stromversorgung
Vertreter der französischen Wirtschaftsförderung sehen darin ein starkes Signal für internationale Investoren. Pascal Cagni erklärte: „Frankreich verfügt heute über einen Wettbewerbsvorteil, den nur wenige große Volkswirtschaften der Welt für sich beanspruchen können: reichlich und weitgehend CO2-freier Strom.“ Neben der Kernenergie stammen rund 25 Prozent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen, wodurch insgesamt etwa 95 Prozent kohlenstoffarm produziert werden.
Der Boom der Künstlichen Intelligenz verstärkt die Nachfrage nach stabiler Energieversorgung, deshalb rücken große Rechenzentren in den Fokus. Frankreich positioniert sich als bevorzugter Standort in Europa, während internationale Investoren Milliardenprojekte vorbereiten. Unter anderem planen die Vereinigten Arabischen Emirate Investitionen von bis zu 50 Milliarden Euro in einen KI-Campus mit Rechenzentrum. Damit zeigt sich, dass günstiger und verlässlich verfügbarer Strom zunehmend über industrielle Ansiedlungen entscheidet.
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