Durchbruch bei synthetischen Kraftstoffen – China wandelt CO₂ mit Sonnenlicht um

Kohlendioxid entsteht in vielen Industrieprozessen und bleibt als Rohstoff verfügbar. Gleichzeitig brauchen Luftfahrt, Schifffahrt und Teile der Chemie weiter flüssige Energieträger. Strom allein deckt diese Anwendungen oft nicht ab, weil Energiedichte, Lagerung und bestehende Infrastrukturen eine große Rolle spielen. Eine neue Studie aus China beschreibt nun einen Laborweg, um CO2 mit Sonnenlicht und Wasser in einen wichtigen Vorläufer für synthetische Kraftstoffe umzuwandeln und die Resultate fallen deutlich besser aus als bei vielen früheren Ansätzen (smartup-news: 09.02.26).


Warum CO2 als Rohstoff für Kraftstoffe wieder in den Fokus rückt

Die Grundidee ist alt, doch die Technik blieb lange zu schwach. Pflanzen nutzen Sonnenlicht, um aus Kohlendioxid energiereiche Verbindungen aufzubauen. Genau dieses Prinzip wollten Forscher seit Jahren künstlich nachbilden. Allerdings scheiterten viele Systeme an instabilen Reaktionsabläufen und geringen Ausbeuten. Jetzt kommt ein Baustein hinzu, der den Prozess besser kontrollierbar macht, weil ein Ladungsspeicher Elektronen gezielt verfügbar hält.

China zeigt im Labor, wie CO₂, Wasser und Sonnenlicht zu Kohlenmonoxid werden – ein zentraler Baustein für synthetisches Benzin
China zeigt im Labor, wie CO₂, Wasser und Sonnenlicht zu Kohlenmonoxid werden – ein zentraler Baustein für synthetisches Benzin

Im Labor müssen zwei Schritte zusammenpassen und genau das gilt als schwierig. Einerseits muss CO2 reduziert werden. Andererseits muss Wasser als Elektronenspender dienen. Viele Verfahren benötigen dafür Zusatzchemikalien oder externe Energiezufuhr, jedoch setzt der neue Ansatz auf Sonnenlicht als alleinige Energiequelle. Das macht das Konzept interessant, weil es Moleküle direkt aus Licht und einfachen Ausgangsstoffen erzeugen soll.

Der technische Kern – silbermodifiziertes Wolframtrioxid als Elektronenpuffer

Entwickelt wurde das Verfahren von einem Team der Chinese Academy of Sciences sowie der Hong Kong University of Science and Technology. Im Mittelpunkt steht ein Material aus silbermodifiziertem Wolframtrioxid. Es übernimmt eine Speicherfunktion, die in Pflanzen durch ein Elektronentransport-Molekül gelöst wird. Unter Lichteinfluss nimmt das Material Elektronen auf, speichert sie kurzzeitig und gibt sie kontrolliert wieder ab. Dadurch bleibt an den Reaktionsstellen genügend Ladung erhalten, damit die CO2-Umwandlung nicht abreißt.

Das direkte Produkt ist Kohlenmonoxid. In der Industrie gilt dieses Gas als wichtiger Ausgangsstoff für Synthesegase. Aus Synthesegasen lassen sich in weiteren Prozessschritten flüssige Kraftstoffe herstellen, also auch Benzin- oder Kerosin-Vorstufen. Der Ansatz zielt damit nicht auf exotische Laborprodukte, sondern auf einen etablierten Zwischenbaustein, der in vorhandene Prozessketten passt.

Messwerte aus dem Labor – deutlich höhere Ausbeute als bei Vergleichssystemen

Die Studie liefert messbare Daten und bleibt nicht beim Konzeptpapier. Pro Gramm des eingesetzten Materials entstehen etwa 1,5 Millimol Kohlenmonoxid pro Stunde, und dieser Wert dient als Leistungsmaß für den Aufbau. Noch wichtiger ist der Vergleich, denn die Ausbeute soll rund hundertmal höher liegen als bei ähnlichen Verfahren ohne den Elektronenspeicher. Die Reaktion läuft ausschließlich mit Sonnenlicht, sodass keine externe Stromquelle nötig ist.

Auch bei den eingesetzten Stoffen bleibt das System schlank. Benötigt werden nur Wasser und Kohlendioxid, während zusätzliche Chemikalien, die verbraucht und später entsorgt werden müssten, entfallen. Als Katalysator nutzten die Forscher unter anderem Cobalt-Phthalocyanin in Kombination mit dem Wolframoxid. Entscheidend ist jedoch vor allem der Effekt des Speichers, weil er den Prozess stabilisiert und die Reaktionschancen erhöht.


Was der Ladungsspeicher chemisch bewirkt und wo die Grenzen liegen

Chemisch betrachtet wechselt das Wolframoxid während der Reaktion zwischen zwei Oxidationsstufen. Dieser reversible Wechsel wirkt wie ein Puffer, weil Elektronen nicht sofort verloren gehen, sondern in der Struktur „geparkt“ werden. Genau solche Verluste bremsten viele Systeme künstlicher Photosynthese bisher aus. Zudem zeigt die Studie, dass der Leistungsgewinn nicht auf einen einzelnen Katalysator beschränkt bleibt, sondern auch mit anderen aktiven Komponenten deutlich zunimmt.

Die Autoren sprechen von einer „bioinspirierten Strategie zur effizienten photochemischen Reduktion von Kohlendioxid“ und einem „universellen Ansatz für die Herstellung solarer Kraftstoffe“. Gleichzeitig bleibt die Einordnung klar, denn es handelt sich um Laborforschung. Aussagen zu Kosten, Produktionsmengen oder einer industriellen Umsetzung fehlen bislang. Trotzdem zeigt das Verfahren einen möglichen Weg, CO2 mit Sonnenlicht in einen industriell relevanten Baustein für synthetische Kraftstoffe zu überführen.

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