Düngerpreise außer Kontrolle – Europas Bauern drohen Ernteverluste

Die Düngerpreise steigen auf dem Weltmarkt in kurzer Zeit massiv und die Folgen treffen Europas Landwirtschaft direkt. Auslöser sind die gesperrte Straße von Hormus, der Produktionsausfall im katarischen Werk Ras Laffan, hohe Importsteuern auf russischen Dünger sowie die CO2-Importsteuer CBAM. Dadurch fehlen große Mengen Harnstoff und anderer Stickstoffdünger, während die Preise für kommende Liefertermine weiter zulegen. Im Mittleren Osten kostet Harnstoff für März 650 US-Dollar je Tonne fob, für April bereits 750 US-Dollar. Seit Mitte Februar entspricht das einem Plus von rund 300 US-Dollar je Tonne oder 66 Prozent. Für Europas Bauern bedeutet das höhere Betriebskosten, geringeren Düngereinsatz, veränderte Anbaupläne und wachsende Risiken für Erträge und Versorgung (agrarheute: 18.03.26).


Düngerpreise treiben Europas Agrarmarkt in eine neue Krise

Ein Drittel des weltweiten Düngemittelhandels läuft durch die Straße von Hormus. Weil diese Route weiter blockiert ist, erreichen Harnstoff, Gas und Öl viele Abnehmer nicht mehr im üblichen Umfang. Das verknappt das Angebot sofort, zumal der Iran allein 10 bis 12 Prozent der weltweiten Harnstoffproduktion stellt.

Düngerpreise treiben Europas Bauern in eine gefährliche Lage - weniger Dünger bedeutet weniger Ertrag und mehr Risiko für die Versorgung
Düngerpreise treiben Europas Bauern in eine gefährliche Lage – weniger Dünger bedeutet weniger Ertrag und mehr Risiko für die Versorgung

Zugleich hat sich die Lage in Katar verschärft. Das Werk in Ras Laffan, eines der größten Stickstoffwerke der Welt, meldete am 2. März höhere Gewalt nach einem Produktionsstopp. Die Golfregion und der Nahe Osten haben jedoch enormes Gewicht, weil sie 34 bis 50 Prozent des globalen Harnstoffhandels und 25 bis 35 Prozent des Stickstoffdüngerhandels abdecken. Fällt dort Ware aus, steigen die Preise an den weltweiten Handelsplätzen schnell weiter.

Bauern senken den Düngereinsatz und ändern ihre Anbaupläne

Europa ist bei Düngemitteln stark auf Importe angewiesen, deshalb schlagen die aktuellen Marktbewegungen hier besonders hart durch. In Frankreich liegen genannte Importpreise für Harnstoff bereits bei rund 650 Euro je Tonne lose ab La Pallice. Weil die Düngerpreise im Mittleren Osten weiter steigen, gilt auch in Europa ein Anstieg auf 700 Euro je Tonne oder mehr als realistisch.

Viele Landwirte reagieren bereits mit konkreten Kürzungen. Sie bringen weniger Stickstoff aus, verkleinern Flächen für Mais und Weizen oder setzen stattdessen auf Kulturen mit geringerem Nährstoffbedarf. Vor allem Mais verliert an Attraktivität, weil diese Kultur stark auf Dünger angewiesen ist. Nach Prognosen von S&P Global CERA dürfte die italienische Maisfläche im Wirtschaftsjahr 2026/27 auf rund 480.000 Hektar sinken, nach 541.000 Hektar im Vorjahr. Auch für Polen, Frankreich und Spanien werden Rückgänge erwartet.


Warnungen vor Engpässen im Frühjahr 2027 werden lauter

Die Folgen reichen längst über den Ackerbau hinaus. Im Futtermittelsektor ersetzen Marktteilnehmer Mais teilweise durch Futterweizen, weil sich die Wirtschaftlichkeit der Kulturen verschiebt. Damit verändert der Düngerschock nicht nur die Produktion, sondern auch Nachfrage und Preisbildung entlang der gesamten Kette.

Zugleich blicken Händler bereits auf das Frühjahr 2027. Ein im Benelux-Raum tätiger Händler bezeichnete die Lage als einen „perfekten Sturm“ aus steigenden Kosten, niedrigen Getreidepreisen und einem plötzlichen Anstieg der Stickstoffpreise. Besonders deutlich fiel die Warnung eines großen britischen Düngemittelimporteurs aus: „Europa wird im Frühjahr 2027 … keinen Stickstoffdünger mehr haben. Diese Botschaft muss die Regierungen der EU erreichen“. Damit steht nicht nur die nächste Anbausaison auf dem Spiel, sondern auch ein Teil der europäischen Versorgungssicherheit.

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen