Deutschland setzt beim Wasserstoff weiter auf große Versprechen, denn der Bund will grünen Wasserstoff aus Dänemark mit 1,3 Milliarden Euro absichern. Die Förderung zielt auf eine Pipeline, die ab 2030 liefern soll. Gleichzeitig bricht im Inland ein Projekt nach dem anderen weg, sodass sich die weiteren Subventionen wie ein Risiko für Steuerzahler und Industrie lesen (ndr: 27.01.26).
Import aus Dänemark als Heilsbringer – obwohl der Markt nicht trägt
Die Debatte startet mit einer simplen Frage, aber die Politik beantwortet sie nicht: Wer kauft den Wasserstoff zu Preisen, die sich rechnen? Eine 400 Kilometer lange Wasserstoffleitung gilt als betriebsbereit, doch bisher buchte kein Abnehmer Kapazitäten. Damit steht Infrastruktur im Raum, während die Nutzung fehlt. Die Kosten wandern am Ende in Entgelte und Umlagen.

Genau dieses Muster macht die neue Importförderung so brisant, weil Deutschland den Aufbau vorfinanziert, ohne Nachfrage abzusichern. Die Bundesnetzagentur diskutierte deshalb ein fixes Entgelt, um das geplante Kernnetz überhaupt anzuschieben. Solche Konstrukte drücken auf die Kalkulation von Unternehmen, denn jede neue Abgabe landet in den Produktpreisen. Das Vertrauen in den Hochlauf sinkt, wenn Leitungen leer bleiben.
Saarland stoppt Großpläne trotz Subventionen – die Signale drehen ins Negative
Im Saarland zeigt sich der Rückschlag besonders deutlich, weil dort mehrere große Vorhaben trotz Subventionen aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit eingefroren wurden. Ein zentrales Projekt sollte in Saarlouis einen Elektrolyseur mit 200 bis 400 MW Leistung bringen. Als Abnehmer war die Dillinger Hütte vorgesehen. Nun fällt dieses Fundament weg, sodass Lieferketten und Investitionsrechnungen neu beginnen. Der Effekt reicht über das Bundesland hinaus, weil andere Standorte die Risiken genau beobachten.
Solche Absagen wirken stärker als jede Strategiepapier-Seite, weil sie reale Entscheidungen spiegeln. Ohne stabile Strompreise, klare Netzkosten und verlässliche Abnahmeverträge ziehen Unternehmen die Reißleine. Dadurch verliert Deutschland Zeit, obwohl Zeit der knappe Faktor ist. Gleichzeitig entsteht eine Lücke zwischen politischem Zielbild und wirtschaftlicher Realität.
Schleswig-Holstein warnt vor Verdrängung – doch der Bund wiegelt ab
Trotz dieser Lage fließen Milliarden in eine neue Importstrecke und zwar von Esbjerg bis zur Grenze in Ellund. Dänemark soll zunächst 0,5 Gigawatt Elektrolyseleistung bereitstellen, während später mehr folgen soll. Das Bundeswirtschaftsministerium argumentiert mit EU-Regeln für grenzüberschreitende Infrastruktur, damit Abnehmer früh kalkulieren können. Die dänische Regierung spricht sogar von einem „Meilenstein“.
Im Norden wächst dennoch der Widerstand, weil regionale Projekte deutlich kleinere Fördertöpfe sehen. Der Landesverband Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein befürchtet, dass Investoren heimische Elektrolyse-Vorhaben verschieben, obwohl Standorte wie Brunsbüttel oder Neumünster seit Jahren diskutiert werden. Staatssekretär Joschka Knuth formuliert den Kern der Kritik klar: Die Bundesregierung „wäre gut beraten, mindestens im gleichen Umfang mit deutlich mehr Ehrgeiz auch die heimische Produktion von grünem Wasserstoff anzureizen“. Der Bund hält dagegen und sagt: „Eine Marktverzerrung sehen wir nicht.“
Die entscheidende Leerstelle bleibt: Abnehmer, Preis und Risiko
Am Ende entscheidet nicht die Pipeline, sondern der Vertrag, denn Wasserstoff benötigt Kunden mit belastbaren Budgets. Wenn Deutschland Leitungen baut, aber niemand bucht, entsteht ein Kostensockel ohne Nutzen. Wenn Deutschland Elektrolyse ankündigt, aber Projekte wie im Saarland kippen, fehlt die Produktionsbasis. Und wenn Dänemark günstiger liefern kann, dann geraten deutsche Hersteller zusätzlich unter Druck.
Damit steht die Förderung im Verdacht, ein weiteres Kapitel der Fehlsteuerung zu werden. Der Staat schafft Anreize, aber er schafft keinen Markt. Solange Abnahme, Netzkosten und Strompreise nicht zusammenpassen, bleibt Wasserstoff ein teures Zwischenziel. Genau deshalb wirkt die Milliardensubvention politisch groß, aber ökonomisch wacklig.
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