DB Cargo streicht fast die Hälfte aller Vollzeitstellen

DB Cargo baut in Deutschland mit 6.200 Stellen fast die Hälfte der rund 14.000 Vollzeitstellen ab. Betroffen sind Fahrbetrieb, Disposition und Planung, jedoch auch Verwaltung, Vertrieb und IT. Auslöser ist der Sanierungsdruck nach einem EU-Beihilfeverfahren. Das Unternehmen schreibt nach mehreren Sanierungsversuchen weiter Verluste, doch die EU akzeptiert staatliche Unterstützung nur noch unter einer Bedingung: Die Bahn-Tochter DB Cargo muss 2026 Gewinne machen. Gelingt das nicht, darf das Unternehmen so nicht weiterlaufen. Dann drohen Zerschlagung oder Abwicklung, sowie harte Einschnitte in Strukturen und Standorte (bild: 19.02.26).


EU-Frist als Taktgeber – Gutachten Ende Februar

Der Umbau läuft unter der Regie von Bernhard Osburg, dem für DB Cargo verantwortlichen Konzernchef. Er setzt eine harte Frist, denn 2026 entscheidet über die Zukunft der Güterverkehrstochter. Osburg bezifferte das operative Minus für das vergangene Jahr auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag, zugleich blieb der Turnaround aus. Seine Vorgängerin Sigrid Nikutta wollte den Sanierungskurs bereits starten, jedoch scheiterte ihr Konzept an einem externen Gutachten. Danach trennte sich der Konzern von ihr, währenddessen die Neuaufstellung weiter eskalierte. Ende Februar soll nun ein weiteres, entscheidendes Gutachten vorliegen, außerdem informierte Osburg bereits Mitarbeiter und Aufsichtsrat.

DB Cargo streicht 6.200 Jobs in Deutschland. EU duldet staatliche Stützung nur bei Gewinn 2026. Sonst drohen Zerschlagung oder Abwicklung
DB Cargo streicht 6.200 Jobs in Deutschland. EU duldet staatliche Stützung nur bei Gewinn 2026. Sonst drohen Zerschlagung oder Abwicklung

Die Jobstreichungen folgen einem festen Sparkorridor, deshalb fasst der Konzern die Einschnitte in zwei Blöcke. Bis 2030 will DB Cargo rund eine Milliarde Euro einsparen. Allein dadurch sollen 4.000 Stellen wegfallen, zugleich soll die Verwaltung deutlich schlanker werden. Der Fuhrpark soll produktiver eingesetzt werden, währenddessen Disposition und Planung neu organisiert werden. So verteilt sich der Abbau nicht auf Randbereiche, sondern greift tief in den Betrieb ein.

Europa statt Deutschland: Nachfrage schwächelt, Strategie dreht nach außen

Osburg begründet den Kurswechsel mit einer schwächeren Nachfrage in Deutschland, vor allem bei Auto-, Chemie- und Stahlkunden. Deshalb will DB Cargo den Schwerpunkt stärker ins Ausland verlagern und Prozesse europäisch ausrichten. Osburg formuliert den Anspruch so: „Wir richten Vertrieb, Planung, Disposition und Produktion deutlich stärker europäisch aus und bauen DB Cargo zum führenden europäischen Schienenlogistiker mit klaren, grenzüberschreitenden Systemlösungen aus.“ Damit soll Wachstum über Grenzen hinweg entstehen, währenddessen der Heimatmarkt schwankt.

Die Einsparungen sollen die Kosten senken, jedoch geht es zugleich um eine neue Betriebslogik. Besonders sichtbar wird das im Einzelwagenverkehr, dem traditionellen Kerngeschäft von DB Cargo. Dabei sammelt das Unternehmen einzelne Waggons bei Industriekunden ein und bündelt sie auf Rangierbahnhöfen zu Zügen. Am Ziel verteilt DB Cargo die Wagen erneut, außerdem verursacht dieses System seit Jahren hohe Verluste.


Einzelwagenverkehr wird konzentriert, bleibt aber ein Defizitgeschäft

In diesem Bereich sollen weitere 2.000 Jobs entfallen, währenddessen DB Cargo die Zugbildung stark zentralisiert. Künftig soll die Zugbildung nur noch an vier Hauptstandorten stattfinden: Köln-Gremberg, Seelze, Mannheim und Nürnberg. Fünf weitere Anlagen bleiben als flexible Nebenstandorte, jedoch verlieren viele Standorte an Bedeutung. Von 27 Instandhaltungswerken will DB Cargo zwölf schließen oder verkaufen, außerdem bündelt der Konzern Wartung und Kapazitäten auf weniger Orte.

Osburg nimmt dem Umbau jede Schönfärberei, denn er rechnet auch danach nicht mit schwarzen Zahlen im Einzelwagenverkehr. Er sagt, das Geschäft bleibe „auch in der neuen Struktur defizitär“. Deshalb bleibt DB Cargo dort auf Bundesförderung angewiesen, währenddessen die EU-Frist für den Gesamtkonzern weiterläuft. Genau dieser Spagat erhöht das Risiko: Profitabilität muss 2026 stehen, zugleich bleibt ein Kernsegment strukturell problematisch.

Neue Führungsregeln und enger Zeitplan bis Sommer und 2027

Neben Strukturen soll sich auch die interne Steuerung ändern, jedoch nicht als Symbolpolitik. Osburg fordert mehr Verantwortung bei Entscheidern vor Ort und verbindliche Umsetzungspläne. Bis zum Sommer sollen die Details feststehen, währenddessen die Umsetzung Schritt für Schritt beginnt. Den Umbau des Einzelwagenverkehrs will DB Cargo bis 2027 abschließen, außerdem reicht die Strategie in ihrer Anlage bis 2030. Damit setzt der Konzern auf einen harten Dreiklang aus Personalabbau, Standortbündelung und Prozessumbau – unter dem Druck, 2026 tatsächlich Gewinne zu liefern.

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