DAX-Konzerne im Abwärtsstrudel – Deutschland wird zum Verlustgeschäft

DAX-Konzerne schreiben in Deutschland immer häufiger rote Zahlen. Laut EY machen 23 der DAX-40-Konzerne an ihren deutschen Standorten seit mehr als einem Jahr Verluste, während die Unternehmen im Ausland weiter Gewinne erzielen. Der Standort Deutschland wird damit zum Kostenfaktor. Die Industrieproduktion schwächelt. Die ausufernde Bürokratie kostet Tempo. Forschung und Entwicklung wird immer teurer (wiwo: 08.01.26)


DAX-Konzerne und Standort Deutschland: Gewinne entstehen immer öfter außerhalb

Die Wirtschaftsprüfer von EY verweisen auf harte Kennziffern und formulieren sie wörtlich so: „Von den Dax-40-Unternehmen stecken 23 mit ihren deutschen Töchtern seit mehr als einem Jahr in den roten Zahlen, während die Gesamtgruppe profitabel ist. Neun Unternehmen leiden unter dieser Schieflage seit mehr als vier Jahren. Sie alle sind international sehr erfolgreich, während sie daheim Verluste schreiben.“ Viele Börsenriesen lesen solche Befunde als operativen Auftrag und nicht als Theorie. Der Standort Deutschland rückt dadurch in eine neue Bewertung, weil sich Investitionen täglich gegen Alternativen behaupten müssen.

DAX-Konzerne drohen abzuwandern – 23 der DAX-40-Unternehmen schreiben in Deutschland rote Zahlen, während sie im Ausland Gewinne machen
DAX-Konzerne drohen abzuwandern – 23 der DAX-40-Unternehmen schreiben in Deutschland rote Zahlen, während sie im Ausland Gewinne machen

Allerdings beschreibt EY den Trend nicht als Zufall, sondern als Folge globaler Verschiebungen. In der Analyse heißt es: „In einer globalen Wirtschaftswelt unterliegen Geschäftsmodelle einem ständigen Wandel.“ Ebenso klar fällt der Vergleich aus, denn EY ergänzt: „Andere Länder gewinnen an Attraktivität, sowohl was Produktions- als auch Forschungs- oder Absatzbedingungen betrifft.“ Für Standort Deutschland zählt am Ende die Summe aus Kosten, Geschwindigkeit und Planungssicherheit, weil jedes Projekt sonst aus dem Takt gerät.

Bürokratie und Forschung und Entwicklung verschieben Entscheidungen

Gleichzeitig nennt EY Faktoren, die in Deutschland direkt auf die Marge wirken. Hohe Steuern und hohe Lohnkosten drücken Ergebnisse. Die Bürokratie verlängert Abläufe und der Verwaltungsaufwand wächst in vielen Bereichen spürbar. Forschung und Entwicklung wird zudem teuer, obwohl genau dort die künftige Wettbewerbsfähigkeit entsteht. Unternehmen kalkulieren diese Lasten heute härter, weil Märkte außerhalb Europas oft schneller skalieren.

Darum warnt EY auch vor einer Kettenreaktion bei Steuern und Struktur. Verlustvorträge verlieren an Wert, wenn Unternehmen in Deutschland dauerhaft keinen Gewinn erwarten. Die Steuerlast kann dann real steigen. Das verschlechtert Standort Deutschland weiter. Auch die Industrieproduktion leidet, weil Konzerne bei neuen Programmen eher zögern und Kapazitäten später anfahren.


Industrieproduktion gerät ins Hintertreffen, wenn Wertschöpfung abwandert

Damit stellt sich in vielen DAX-Konzerne die Standortfrage neu, und zwar nicht nur für Werke. Konzerne verlagern Dienstleistungen, Entwicklungsfunktionen oder Patente schneller, wenn die Wertschöpfung anderswo entsteht. Forschung und Entwicklung wandert dann näher an Märkte, die Wachstum und Daten liefern. Innovationsarbeit findet folglich dort statt, wo Teams schneller testen und schneller entscheiden. Das trifft den Wirtschaftsstandort, weil hochwertige Aufgaben und Know-how selten zurückkehren.

Schließlich zeigt die Autoindustrie, wie konkret diese Logik bereits wirkt. Volkswagen eröffnete Ende November ein neues Entwicklungszentrum in Hefei und Oliver Blume betonte das Ziel, am weltgrößten Automobilmarkt Technologietreiber zu werden. Der Slogan „In China für China“ kursiert deshalb in mehreren Branchen. Wenn ausländische Töchter mehr selbst entwickeln, sinken tendenziell Lizenzzahlungen nach Deutschland und Gewinne schrumpfen hierzulande. DAX-Konzerne versteuern dann weniger, während die Industrieproduktion zusätzlich an Substanz verliert. Der BDI schärft den Ton, denn Peter Leibinger sagte: „der Wirtschaftsstandort befindet sich im freien Fall“ und auch: „Das ist keine konjunkturelle Delle, sondern ein struktureller Abstieg.“

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