Das Debakel um die Fregatte F126 nimmt kein Ende – jetzt fordert die Werft 4,68 Milliarden Euro

Das gescheiterte Beschaffungsprojekt Fregatte F126 könnte den Bund noch erheblich teurer zu stehen kommen. Nach dem Projektstopp fordert die niederländische Damen-Werft 4,68 Milliarden Euro netto aus vertraglichen Zahlungs- und Freistellungsansprüchen. Zusätzlicher Schadensersatz ist nach Angaben ihres Anwalts Peter Gauweiler darin noch nicht enthalten. Besonders brisant ist die Vorgeschichte: Obwohl das Verteidigungsministerium bereits 2024 Verzögerungen dokumentierte, bestellte der Bund damals zwei weitere Schiffe. Im Juni 2026 stoppte Verteidigungsminister Boris Pistorius schließlich das gesamte Programm wegen massiver Zeit- und Kostenprobleme. Nun droht neben Milliardenkosten auch ein langwieriger Rechtsstreit.

Die Fregatte F126 ist gestoppt. Milliarden sind bereits gebunden, nun verlangt die Damen-Werft weitere 4,68 Milliarden Euro Schadenersatz
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Fregatte F126: Aus sechs Kriegsschiffen wurde ein Milliardenstreit

Damen beziffert seine Forderung auf exakt 4.679.663.394 Euro netto. Laut Gauweiler handelt es sich dabei nicht um Schadensersatz, sondern um Zahlungen aus bestehenden Verträgen. Ein erheblicher Teil davon soll Verpflichtungen gegenüber Unterauftragnehmern betreffen. Zusätzlich verlangt Damen die Anerkennung weiterer bereits entstandener und künftiger Schäden. Deren endgültige Höhe steht jedoch noch nicht fest.

Damit endet das Projekt nicht mit dem Baustopp, sondern geht in eine kostspielige juristische Phase über. Der Bund sieht die Verantwortung allerdings bei Damen. Pistorius sprach im Juli von einer unzureichenden Leistung des Auftragnehmers. Das Ministerium prüft deshalb seinerseits mögliche Ansprüche gegen die Werft. Wer am Ende welche Milliardenbeträge zahlen muss, dürfte erst nach umfangreichen juristischen Auseinandersetzungen feststehen.


Bund kannte Verzögerungen – und bestellte trotzdem zwei weitere Schiffe

Besonders erklärungsbedürftig ist jedoch die Entscheidung aus dem Jahr 2024. Der damalige Rüstungsbericht des Verteidigungsministeriums dokumentierte bereits Schwierigkeiten an den IT-Schnittstellen zwischen Damen und seinen Unterauftragnehmern. Diese Probleme führten schon damals zu Verzögerungen in der Fertigung. Trotzdem billigte der Haushaltsausschuss im Juni 2024 die Option für die Schiffe fünf und sechs. Wenige Tage später löste der Bund diese Option aus.

Noch Anfang Juni 2024 präsentierte Pistorius die Fregatte F126 bei der Kiellegung in Wolgast als wichtigen Baustein der deutschen Marine. Sechs Schiffe sollten künftig Einsatzfähigkeit und Durchhaltefähigkeit sichern. Damals hielt die Bundeswehr sogar noch an einer Übergabe des ersten Schiffes im Jahr 2028 fest. Zwei Jahre später war davon nichts mehr übrig. Das Verteidigungsministerium beendete das komplette Programm am 24. Juni 2026.

Kosten liefen von rund zehn auf bis zu 18,8 Milliarden Euro

Der finanzielle Verlauf zeigt das Ausmaß der Fehlentwicklung. Für sechs F126 lag das Auftragsvolumen nach Angaben der Bundesregierung zuletzt bei rund zehn Milliarden Euro. Ein geplanter Wechsel des Generalunternehmers zu NVL hätte das Projekt jedoch auf 15,2 Milliarden Euro verteuert. Zusammen mit bereits erbrachten Leistungen bei Damen errechnete das Ministerium schließlich ein Gesamtvolumen von bis zu 18,8 Milliarden Euro. Deshalb zog Berlin die Reißleine.

Doch damit verschwindet die Rechnung nicht. Bereits erbrachte Leistungen liegen nach Angaben aus der Regierungspressekonferenz in einer Größenordnung von mehreren Milliarden Euro. Hinzu kommen nun Damens Forderung über 4,68 Milliarden Euro und mögliche weitere Schadensersatzansprüche. Gleichzeitig muss Deutschland Ersatzschiffe finanzieren. Für zunächst vier MEKO A-200 genehmigte der Haushaltsausschuss bereits knapp 6,3 Milliarden Euro.


Marine muss jetzt mit einem neuen Schiffstyp die Lücke schließen

Statt der sechs F126 soll die Marine künftig bis zu acht MEKO A-200 erhalten. Die Bundeswehr spricht selbst von einer entstandenen Fähigkeitslücke bei der U-Boot-Abwehr. Das erste Ersatzschiff soll Ende 2029 übergeben werden. Damit muss ein neues Beschaffungsprogramm unter erheblichem Zeitdruck ausgleichen, was mit der F126 nicht mehr erreicht wird.

Das zentrale Problem bleibt deshalb die Abfolge der Entscheidungen. Der Bund weitete das Programm 2024 trotz bereits dokumentierter Schwierigkeiten auf sechs Schiffe aus. 2025 wurden Milliarden für eine mögliche Alternative reserviert, während das ursprüngliche Programm weiterlief. Im Juni 2026 folgte schließlich der komplette Abbruch. Jetzt verlangt Damen weitere Milliarden, während Deutschland parallel neue Fregatten beschafft. Aus einem Modernisierungsprojekt für die Marine ist damit ein komplexer Streit um Kosten, Verträge und verlorene Zeit geworden.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Business Insider (01.10.26) – Sueddeutsche (01.10.26) – ntv (01.10.26) – Bundeswehr (08.07.26)

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