Dänemark prüft Mini-Atomreaktoren – Atomkraftverbot von 1985 wackelt erstmals offiziell

Dänemark nimmt Mini-Atomreaktoren erstmals offiziell in eine staatliche Prüfung auf und stellt damit das seit 1985 geltende Atomkraftverbot zur Disposition. Die Regierung will mit dem Kurswechsel die langfristige Energieversorgung stabiler machen und sie setzt dafür auf einen neuen Bewertungsrahmen. Eine Entscheidung über den Bau fällt damit noch nicht, aber der Prozess startet (ntv: 22.01.26).


Gesetzlicher Prüfrahmen und politischer Kurswechsel

Energieminister Lars Aagaard erklärte, „kleine modulare Kernreaktoren eine Option sein“ zu lassen. Deshalb hat Dänemark einen gesetzlichen Rahmen geschaffen, um das Potenzial von Small Modular Reactors (SMR) zu bewerten. Zugleich eröffnet dieser Schritt die Möglichkeit, das bisherige Atomkraftverbot aufzuheben.

Dänemark prüft offiziell Mini-Atomreaktoren – Atomkraftverbot von 1985 steht zur Debatte – Versorgungssicherheit rückt stärker in den Fokus
Dänemark prüft offiziell Mini-Atomreaktoren – Atomkraftverbot von 1985 steht zur Debatte – Versorgungssicherheit rückt stärker in den Fokus

Aagaard ordnet Atomtechnik nicht als Ersatz für Erneuerbare ein, sondern als mögliche Ergänzung. „Grüne Energie aus Sonne und Wind ist heute und auch in Zukunft die Säule der dänischen Energieversorgung, aber wir sehen, dass sie allein nicht ausreicht“, betonte er. Damit begründet die Regierung, warum sie zusätzliche Optionen prüfen will, obwohl Wind- und Solarstrom dominieren.

Prüfung vor Entscheidung: Sicherheit, Regeln, Abfall, Kosten

Vor einer endgültigen Festlegung will die Regierung weitere Informationen einholen und zwar systematisch. Dabei geht es um Sicherheitsfragen, um die konkrete Regulierung sowie um den Umgang mit radioaktiven Abfällen. Außerdem sollen belastbare Kostenschätzungen auf den Tisch, damit spätere Entscheidungen nicht auf Wunschdenken basieren.

SMR unterscheiden sich deutlich von klassischen Großkraftwerken, weil sie kleiner dimensioniert sind. Typisch sind nach Angaben der Internationalen Energieagentur Leistungen von bis zu 300 Megawatt elektrisch, und das setzt eine andere Projektlogik voraus. Zudem gelten SMR als leichter zu errichten, weil viele Bauteile standardisiert geplant werden.


Energiemix als Ausgangspunkt für die Debatte

Der Blick auf den Energiemix erklärt den Druck zur Systemplanung, obwohl Dänemark bei Erneuerbaren weit ist. Nach IEA-Daten stammten 2024 rund 58 Prozent des Energiemixes aus Windenergie und Solar kam auf etwa elf Prozent. Biokraftstoffe lagen bei 18 Prozent, während Kohle und Abfall jeweils fünf Prozent ausmachten.

Das Atomkraftverbot beschloss das Parlament 1985, dennoch bewegt sich die Debatte seit Anfang 2025 wieder stärker in Richtung Technologieprüfung. Die Regierung will neue Atomkrafttechnologien als mögliche Energiequellen untersuchen, bevor sie politisch festlegt. Schließlich hängt die Frage nicht nur am Strompreis, sondern auch an Sicherheitsstandards und Entsorgungswegen.

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen