Im Amazonasraum, vor allem in Ecuador, verschwinden seit Beginn dieses Jahrzehnts jedes Jahr schätzungsweise mehr als 500.000 Balsabäume illegal aus Naturwäldern. Die weltweite Windkraftindustrie benötigt große Mengen Balsaholz für die Rotorblätter. Der Auslöser ist die stark gestiegene Nachfrage nach Rotorblättern. Nachhaltige Plantagen können den Bedarf schon lange nicht mehr decken. Damit verlagert sich der Einschlag in intakte Regenwaldgebiete und in indigene Territorien, was den entscheidenden Risikofaktor bildet. Die Folgen reichen von schweren Eingriffen in empfindliche Ökosysteme bis zu wachsendem Druck auf Schutzgebiete. Außerdem geraten lokale Gemeinschaften und große Waldflächen in Regionen unter Belastung, die als letzte intakte Landschaften des Landes gelten (dailysceptic:17.03.26).
Balsaholz treibt den Holzeinschlag im Regenwald
Für viele Rotorblätter bleibt das Material unverzichtbar, obwohl es nur einen Teil der gesamten Konstruktion ausmacht. Nach den zugrunde gelegten Berechnungen werden für einen Satz aus drei Rotorblättern bis zu 40 Bäume benötigt. Zugleich sollen rund 55 Prozent der kommerziellen Balsaproduktion in den Bau von Windkraftanlagen fließen. Deshalb ist der Rohstoffbedarf mit dem globalen Ausbau der Branche stark gestiegen.

Ecuador exportiert den Großteil des weltweit gehandelten Materials. In den vergangenen Jahren lag die Produktion demnach häufig bei rund 500.000 Kubikmetern oder etwa 80.000 Tonnen pro Jahr. Um 2020 sprang die Menge deutlich nach oben, während frühere nachhaltige Volumina wesentlich niedriger lagen. Schätzungen nennen für 2021 Exporte von 80.000 bis 100.000 Tonnen, für 2022 noch 60.000 bis 80.000 Tonnen und für 2023 sowie 2024 jeweils 50.000 bis 80.000 Tonnen.
Plantagen reichen nicht mehr aus
Die eigentliche Zuspitzung begann, als die bisherigen Plantagen den Bedarf nicht länger decken konnten. Ermittler der Environment Investigation Agency kamen deshalb zu dem Ergebnis, dass Exporte aus illegalem Einschlag in unberührten Regenwäldern um bis zu 50 Prozent zulegten. Exporteuren wird vorgeworfen, Naturwälder als „bequemen und sofort verfügbaren Ersatz“ genutzt zu haben, nachdem ältere Plantagenbestände rasch abgeerntet worden waren.
Besonders brisant ist die räumliche Ausdehnung. Händler berichteten laut den Ermittlungen, dass die Fällung „von Norden nach Süden in den meisten amazonischen Provinzen des Landes“ stattfinde. Zudem sollen heute mindestens 50 Prozent der Produktion aus illegalen Quellen stammen. Der Anteil schwankt je nach Exporteur zwischen 10 und 70 Prozent. Bereits 2020 wurden im Gebiet der Achuar entlang des Flusses Copataza zwischen März und September 20.000 Bäume illegal gefällt, außerdem sprechen Schätzungen in einzelnen Regionen von Verlusten von bis zu 75 Prozent der Bestände.
Der ökologische Schaden wächst weiter
Rechnet man den Bedarf der Turbinen mit den bekannten Produktionsdaten zusammen, ergibt sich ein jährlicher Verbrauch von mehr als einer Million Bäumen. Wird davon nur die Hälfte als illegaler Einschlag angesetzt, bleiben immer noch rund 523.810 ausgewachsene Exemplare pro Jahr, die aus Naturwäldern verschwinden. Selbst wenn diese Zahl umstritten bleibt, zeigt sie jedoch die Größenordnung des Problems und übertrifft deutlich andere einzelne Rodungsprojekte, die international große Aufmerksamkeit erhielten.
Zwar versuchen Hersteller inzwischen, Balsaholz teilweise durch synthetische Schaumstoffe zu ersetzen, doch der Rohstoff bleibt wegen seines günstigen Verhältnisses von Festigkeit zu Gewicht in kritischen Bereichen vieler Rotorblätter im Einsatz. Hybride Bauweisen nehmen zu, während das Holz in Zonen mit hoher Scherbeanspruchung weiter Vorteile bietet. Deshalb bleibt der Verbrauch von Balsaholz auch weiterhin hoch. Dadurch steigen mit jeder neuen Turbinenserie die Belastungen für Regenwald, Artenvielfalt und indigene Lebensräume.
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