Avenes will deutsche Kernkraftwerke reaktivieren

Ein Düsseldorfer Unternehmen will stillgelegte deutsche Kernkraftwerke wieder in Betrieb nehmen. Die Avenes Europe GmbH stellt die Reaktivierung als zentrales Projektziel dar. Damit rückt ein Thema zurück, das Deutschland mit dem letzten Abschaltdatum eigentlich erledigt hatte. Denn am 15. April 2023 gingen die letzten drei AKW vom Netz (ruhrbarone: 12.02.26).


Das Projekt – bis zu acht Reaktoren, kurzfristig mehr Grundlast

Der Branchenverband KernD beschreibt das „AVENES Europe Projekt“ so, dass Reaktivierung und ein zweiter Technologiepfad im Mittelpunkt stehen. KernD nennt dabei ausdrücklich die „Reaktivierung von bis zu 8 Kernkraftwerken in Deutschland“. Das soll kurzfristig „CO₂-neutrale und netzstabilisierende Strommengen“ bereitstellen.

Avenes aus Düsseldorf will stillgelegte deutsche AKWs reaktivieren und legt ein entsprechendes Geschäftsmodell vor
Avenes aus Düsseldorf will stillgelegte deutsche AKWs reaktivieren und legt ein entsprechendes Geschäftsmodell vor

Avenes benennt in der Berichterstattung auch konkrete Anlagen. Demnach sollen Brokdorf, Grohnde und Isar II wieder Strom liefern. Zugleich spricht Firmenchef Thomas Jobsky von einem industriepolitischen Nutzen und von Gesprächen mit Investoren. Er verweist außerdem auf Unterstützung aus der Branche, etwa durch Framatome und Westinghouse.

Geschäftsmodell – Public-Private-Partnership und Risiko-Umbau

Avenes setzt nicht auf eine Rückkehr der alten Eigentümer in das frühere Modell. Stattdessen will Jobsky die Anlagen „in eine neue Betreiberstruktur in Form einer Public-Private-Partnership (PPP)“ überführen, mit Bund und privaten Gesellschaftern. Dadurch soll ein neues Modell entstehen, das Betrieb, Investitionen und Haftungslogik neu ordnet.

Das Modell zielt auch auf Bilanz- und Rückbaufragen. Jobsky sagt wörtlich: „Für die Aktionäre von RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW ist das ein signifikanter Vorteil. Bei Rückbauzeiten von über 20 Jahren und den damit verbundenen finanziellen Langzeitrisiken können so die Bilanzen der Energieversorgungsunternehmen entlastet werden.“ Später könnten die Versorger laut Jobsky bei Interesse wieder als Gesellschafter einsteigen.

CO₂-Vergleich – Deutschland 2025 weit über Frankreich

Avenes koppelt die Reaktivierungsdebatte an Klimazahlen, und hier lohnt der Blick auf Jahresmittel. Agora Energiewende weist für Deutschland im Jahresdurchschnitt 2025 einen Emissionsfaktor der Stromerzeugung von 310 g CO₂-Äq/kWh aus. Damit bleibt der deutsche Wert hoch, obwohl Wind und Solar stark zulegen.

Frankreich liegt deutlich darunter, weil der Kraftwerkspark anders aufgebaut ist. Der französische Übertragungsnetzbetreiber RTE nennt für 2024 eine durchschnittliche CO₂-Intensität der Stromerzeugung von 21,7 gCO₂eq/kWh. Während Deutschland also im dreistelligen Bereich bleibt, arbeitet Frankreich im niedrigen zweistelligen Bereich.


Hürde Rückbau – Betreiber sperren sich

Auf dem Papier klingt Reaktivierung einfach, doch der Rückbau setzt Grenzen. PreussenElektra erklärt zu Isar II, der Rückbau laufe und die Anlage sei „technisch nicht mehr reaktivierbar“. RWE verweist auf den gesetzlich vorgeschriebenen Rückbau und Vattenfall schließt ein Wiederhochfahren stillgelegter Anlagen aus. Trotzdem hält Jobsky an seinem Ansatz fest und setzt auf eine neue Struktur statt auf die alten Betreiberrollen.

Am Ende entscheidet Politik über die Leitplanken und Investoren verlangen Verlässlichkeit. Genau dort liegt der Engpass, weil Deutschland bei der Atomfrage mehrfach den Kurs wechselte. Avenes versucht nun, eine Reaktivierung als Geschäftsmodell zu definieren, nicht als Stimmungsdebatte. Damit wird aus der Absicht ein konkreter Anspruch, der sich an Genehmigungen, Rückbaufortschritt und Kapital messen lassen muss.

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