In Deutschland haben Autodiebstähle 2023 wieder zugelegt, jedoch bleiben Elektroautos für Täter meist eine Ausnahme: Das BKA zählt im „Bundeslagebild Kfz-Kriminalität 2023“ 15.924 dauerhaft entwendete Pkw und damit neun Prozent mehr als im Vorjahr. Organisierte Gruppen bringen viele Fahrzeuge noch in derselben Nacht ins Ausland, weshalb Zeitdruck zum zentralen Risikofaktor wird. Hochpreisige Fahrzeuge verschwinden dabei häufig auf Bestellung. Bei E-Autos fehlen offenbar oft schon die Auftraggeber. Dadurch konzentriert sich der Schaden vor allem auf Verbrenner (ecomento: 02.03.36).
Warum schnelle Verschiebung Verbrenner begünstigt
Ermittler beschreiben, dass Banden überwiegend Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor nehmen, weil sie damit ohne Planungsaufwand lange Strecken schaffen. Henning Hauswald, Leiter der „Soko Kfz“ beim LKA Sachsen, sagte dazu wörtlich: „Diebe haben keine Zeit, um an die Ladesäule zu fahren“. Das ist ein praktisches Argument, denn jeder zusätzliche Stopp erhöht die Entdeckungswahrscheinlichkeit.

Viele Tätergruppen verschieben gestohlene Autos sehr schnell über Grenzen, während die Besitzer den Diebstahl oft erst später viel bemerken. Genau deshalb zählt die erste Nacht, dabei wirkt jede Verzögerung für die Täter wie ein Sicherheitsrisiko. Ein E-Auto zwingt potenziell zu Ladepausen, jedoch passt das schlecht zu Fluchtrouten, die auf Tempo ausgelegt sind. Deshalb bleiben Verbrenner für dieses Geschäftsmodell die erste Wahl.
Osteuropa und Absatzmärkte – Nachfrage entscheidet bei Autodiebstählen mit
Als Ziel- und Transitregion spielt Osteuropa weiterhin eine große Rolle, zudem gelten die Vereinigten Arabischen Emirate laut BKA als wichtiger Absatzmarkt für hochwertige Fahrzeuge und Teile. In mehreren osteuropäischen Ländern ist die Ladeinfrastruktur weniger dicht, außerdem ist die Nachfrage nach Elektroautos dort auch geringer. Für Banden sinkt damit die Planbarkeit, weil sie ein E-Auto nicht nur transportieren, sondern auch verkaufen müssen.
Hinzu kommt die Distanz: Zwischen Tatort und Grenze liegen oft mehrere Hundert Kilometer. Wird ein Fahrzeug etwa in Hessen oder Niedersachsen gestohlen, kann ein leerer Akku vor der Grenze zum echten Problem werden. Täter meiden dieses Risiko, während sie bei Benzinern und Dieseln flexibel nachtanken können.
Hochpreisige Autos als „Auftragsdiebstahl“ – bei E-Autos fehlt die Kundenseite
Bei teuren Modellen läuft der Diebstahl häufig wie ein Beschaffungsauftrag, also „auf Bestellung“. Regionale Ermittlungsberichte beschreiben genau dieses Muster bei organisierten Serien, bei denen bestimmte Modelle gezielt verschwinden. Das erklärt, warum besonders hochpreisige Verbrenner attraktiv bleiben: Sie lassen sich im Ausland einfacher weiterverkaufen oder zerlegen, außerdem gibt es eingespielte Käuferketten.
Bei Elektroautos wirkt die Nachfrage-Seite bei Autodiebstählen schwächer. In den typischen Zielregionen fehlt dazu der Markt, zudem schrecken Ladeabhängigkeit und Infrastruktur ab. Wenn Auftraggeber ausbleiben, rechnet sich der Aufwand für Täter weniger, während Verbrenner weiterhin als sichere „Ware“ gelten. Deshalb rutschen E-Autos in der Täterlogik nach hinten, obwohl sie im Bestand wachsen.
Technik als Gegenargument: Ortung und digitale Spuren
E-Autos bringen zudem häufig mehr Technik mit, die Täter einkalkulieren müssen. Sie verfügen oft über Ortungssysteme und Konnektivität, wodurch Ermittler sie im Zweifel schneller wiederfinden können. Außerdem hinterlassen Ladevorgänge an öffentlichen Säulen Spuren, was die Verschiebung riskanter macht. Damit steigt der Druck auf Täter, während ältere Verbrenner ohne moderne Systeme in der Praxis oft leichter „unsichtbar“ werden.
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