In Schönerlinde bei Wandlitz nördlich von Berlin ist in der Nacht zum 11. März gegen 2.55 bis 3.00 Uhr ein Feuer in einem Asphaltwerk am Autobahndreieck Pankow ausgebrochen. Ein Lkw-Fahrer entdeckte den Brand früh und alarmierte die Einsatzkräfte, dennoch entstand ein Millionenschaden. Die Polizei prüft den Fall in alle Richtungen, behandelt jedoch auch einen politisch motivierten Brandanschlag mit linksextremistischem Hintergrund als mögliches Szenario. Im Zentrum steht ein Bekennerschreiben auf Indymedia, in dem sich eine linksextreme Gruppe zu der Tat bekennt. Die Echtheit des Bekennerschreibens wird noch überprüft. Wegen der starken Rauchentwicklung warnte die Feuerwehr Schönerlinde, Wandlitz, Schönwalde, Lindenhof und Berlin-Buch. Verletzt wurde niemand, zugleich bleibt das Werk vorerst außer Betrieb und dürfte mindestens drei Monate lang keinen Asphalt liefern (moz: 14.03.26).
Bekennerschreiben und möglicher Brandanschlag mit linksextremistischem Motiv
Die mutmaßlichen Täter reklamieren die Tat in einem online veröffentlichten Schreiben für sich. Darin heißt es, man habe das Werk „erheblich beschädigt und vorübergehend stillgelegt“. Außerdem stellen die Verfasser einen direkten Bezug zum 11. März her, also zum Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Fukushima.

Als Begründung nennen sie den Betreiber und bezeichnen ihn als „Atomprofiteur“. Besonders auffällig ist deshalb die genaue Beschreibung der Vorgehensweise. Wörtlich heißt es: „Dazu wurden an diversen Stellen auf den Förderbändern und an den Stromkabeln der Motoren ein gutes halbes Dutzend Brandsätze platziert.“ Die Ermittler prüfen nun, ob diese Details auf Täterwissen hindeuten, während zugleich offen bleibt, wer das Schreiben tatsächlich verfasst hat.
Innenminister ordnet den Fall als Brandanschlag ein
Brandenburgs Innenminister René Wilke spricht bereits offen von einem „Brandanschlag“. Er schreibt die Tat Linksextremisten zu und verurteilt den Angriff scharf. Wilke erklärte: „Den Brandanschlag in Wandlitz verurteile ich auf das Schärfste“. Damit setzt die Landesregierung früh eine klare politische Einordnung.
Noch deutlicher wurde der Minister bei der Bewertung des Motivs. Wer unter dem Deckmantel des Klimaschutzes Unternehmen oder sogar die Stromversorgung angreife, handle „zutiefst verabscheuungswürdig“. Außerdem sagte Wilke: „Die Sicherheitsbehörden arbeiten auf Hochtouren und stehen mit dem betroffenen Unternehmen im engen Kontakt“. Nun sollen Staatsanwaltschaft und Polizei die Beweise sichern, während das Land die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen will.
Werk fällt monatelang aus und Asphalt könnte fehlen
Das Asphaltwerk lief zum Zeitpunkt des Feuers offenbar nicht im regulären Produktionsbetrieb. Nach Unternehmensangaben befand sich die Anlage ohnehin in planmäßigen Winterreparaturen, zudem war der Wiederanlauf erst für den 23. März vorgesehen. Der Schaden verschärft die Lage jedoch erheblich, weil das Werk nach aktuellem Stand mindestens drei Monate lang ausfallen dürfte.
Die Folgen reichen deshalb über das Betriebsgelände hinaus. In der Region könnten nun tausende Tonnen Asphalt für kommunale Vorhaben und Arbeiten an der A10 fehlen. Das trifft nicht nur den Betreiber, sondern auch laufende und geplante Bauprojekte. Die Feuerwehr rückte aus mehreren Standorten mit 51 Einsatzkräften in der Nacht an, außerdem half das schnelle Eingreifen dabei, eine größere Ausbreitung des Feuers zu verhindern.
Parallelen zu früherem Anschlag in Berlin
Der Fall erinnert an einen mutmaßlich linksextrem motivierten Angriff Anfang Januar in Berlin. Damals wurden mehrere Starkstromkabel beschädigt, wodurch 45.000 Haushalte tagelang ohne Strom blieben. Auch dort reklamierte eine linksextremistische „Vulkangruppe“ die Tat für sich. Deshalb prüfen die Sicherheitsbehörden nun genau, ob es personelle oder ideologische Überschneidungen gibt.
Zusätzlich taucht im Umfeld des aktuellen Schreibens der Bezug zur Kampagne „Switch off“ auf. Ein direkter Zusammenhang zwischen beiden Fällen ist bisher nicht belegt, zugleich drängt sich die Parallele auf. In Wandlitz blieb die Stromversorgung zwar stabil, jedoch zeigt der Fall erneut, wie verwundbar technische Anlagen und wichtige Infrastruktur sind. Genau deshalb geht die Bedeutung des Angriffs weit über den reinen Sachschaden hinaus.
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