In Erkrath richtet sich der Blick der Staatsanwaltschaft auf einen Anschlag gegen ein Umspannwerk, denn die Ermittler werten den Vorgang als Angriff auf die kritische Infrastruktur. Der Staatsschutz ermittelt nun federführend, sodass neben Tatortspuren auch die Herkunft des Bekennerschreibens und digitale Kommunikationswege ausgewertet werden (wdr: 07.01.26).
Anschlag auf das Umspannwerk: Bekennerschreiben lenkt Polizei nach Unterfeldhaus
Die Ermittler stießen über ein Bekennerschreiben im Netz auf den Fall. Daraufhin überprüfte die Polizei das Umspannwerk im Stadtteil Unterfeldhaus. Als Absender nennt sich „Kommando Angry Birds“. Der Text erschien auf der linksgerichteten Plattform Indymedia.

Am Trafohäuschen in der Nähe des Umspannwerks dokumentierten Beamte frische Spuren. Rote Sprühschrift blieb auch Tage später gut lesbar. Zu erkennen waren das Kürzel „KAB“ sowie der Schriftzug „SWITCH OFF“, auf Deutsch „ausschalten“. Die Parolen korrespondieren mit dem Inhalt des Bekennerschreibens, das eine Störung der Stromversorgung als Ziel behauptet.
Staatsanwaltschaft bestätigt Tatversuch – Anlage blieb stabil
Staatsanwalt Wolf-Tilman Baumert bestätigte dem WDR den Anschlagsversuch, jedoch blieb die Anlage nach Angaben der Behörde die ganze Zeit in Betrieb. Unbekannte wollten dort einen Brandsatz zünden. Die Ermittler sichern nun Spuren an einem zentralen Knotenpunkt der Schaltanlage.
Baumert ordnet die Tat als Angriff auf die kritische Infrastruktur ein, deshalb benennt er auch das mögliche Schadensausmaß sehr klar. „Wenn er funktioniert hätte, hätte es möglicherweise einen großflächigen Stromausfall gegeben“, sagte er dem WDR, und damit steht das Versorgungsnetz im Mittelpunkt der Bewertung.
Ziel Industriegebiet Max-Planck-Straße – Täter schildern Vorgehen
Nach dem Bekennerschreiben zielte der Angriff auf das Industriegebiet an der Max-Planck-Straße, zugleich beschreiben die Verfasser eine Platzierung am Transformator. Wörtlich heißt es: „Unsere Grenzen sind überschritten. Deshalb haben wir vor einiger Zeit einen Brandsatz unter einen der beiden Transformatoren im Umspannwerk Unterfeldhaus angebracht“. Für die Ermittler ist diese Passage wichtig, weil sie einen konkreten Ort in Erkrath benennt und den Anschlag als geplante Störung der Versorgung darstellt.
Die Täter datierten ihr Schreiben auf Montag, den 5.01.2025, außerdem lieferten sie eine Materialbeschreibung, die Ermittler als Ansatz für Beschaffung und Vorbereitung lesen. Sie schreiben, man habe „9 Liter Grillanzünder in 18 Halbliter-Plastikflaschen abgefüllt und in einen großen Kochtopf und einen pyrotechnischen Zünder eingesetzt“. Solche Details können ein Attentat auch rückwirkend rekonstruierbar machen.
Die Staatsanwaltschaft bewertet den Vorgang als schweren Angriff auf die kritische Infrastruktur und hält deshalb Freiheitsstrafen im Fall einer Verurteilung für möglich. Doch die zentrale Frage bleibt offen: Wer plante den Anschlag und wer setzte ihn vor Ort um? Der Staatsschutz in Düsseldorf führt die Ermittlungen. Die Anklagebehörde prüft mögliche Zusammenhänge, weil Angriffe auf kritische Infrastruktur oft Wiederholungstaten sind oder Nachahmer anziehen.
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