Aktivrente: Steuerbonus für Angestellte – gezielte Benachteiligung für Selbständige

Die neue Aktivrente soll angeblich modern sein, Zukunft sichern und ältere Menschen motivieren, weiterzuarbeiten. Doch sie gilt nur für Angestellte. Selbständige bleiben ausgeschlossen. Damit schafft die Politik bewusst eine Zweiklassengesellschaft im Alter. Sie verschärft Ungerechtigkeit, statt sie zu lösen, und sie ignoriert wirtschaftliche Realität zu einem Zeitpunkt, in dem Deutschland jeden Leistungsträger braucht.


Aktivrente als politischer Fehler mit Ansage

Die Aktivrente gewährt bis zu 2000 Euro steuerfreien Zusatzverdienst. Sie belohnt Arbeit. Aber nur, wenn jemand abhängig beschäftigt ist. Wer als Unternehmer, Freiberufler oder Handwerker Verantwortung trägt, geht leer aus. Diese Entscheidung wirkt nicht wie ein Unfall. Sie wirkt geplant. Denn die Regierung weiß genau, wen sie ausschließt und welche Botschaft sie sendet: Engagement zählt nur in bestimmten Rollen. Alle anderen stehen zurück.

Die Aktivrente grenzt Selbständige bewusst aus, verschärft die Ungleichheit und ignoriert die wirtschaftliche Realität
Die Aktivrente grenzt Selbständige bewusst aus, verschärft die Ungleichheit und ignoriert die wirtschaftliche Realität

Die wirtschaftlichen Folgen sind absehbar. Deutschland kämpft mit Fachkräftemangel. Gleichzeitig grenzt die Politik Menschen aus, die Erfahrung, Wissen und Arbeitskraft einbringen könnten. Das ist keine Kleinigkeit. Es ist ein politischer Richtungsbeschluss gegen unternehmerische Lebensleistung.

Ignorierte Warnungen und widersprüchliche Argumentation

Bereits im Gesetzgebungsverfahren warnten Experten vor Ungleichbehandlung und juristischen Risiken. Trotzdem blieb die Regierung stur. Sie lobt kleine und mittlere Betriebe gern in Reden. Doch sie handelt gegenteilig, wenn es konkret wird. Statt fairer Rahmenbedingungen setzt sie erneut ein Signal der Ausgrenzung. Das beschädigt Vertrauen und zeigt eine bedenkliche Distanz zu wirtschaftlicher Realität.

Besonders problematisch ist die offizielle Begründung. Ein wiederkehrendes politisches Argument lautet: Viele Selbständige arbeiten ohnehin weiter, auch nach der Regelaltersgrenze, daher brauche es keinen zusätzlichen steuerlichen Anreiz. Genau damit begründet die Regierung ernsthaft, warum sie Entlastung verweigert. Wer ohnehin durchhält, soll eben weiter durchhalten. Diese Haltung ist nicht pragmatisch. Sie ist respektlos.

Aktivrente schafft Misstrauen statt Motivation

Die Aktivrente kostet Milliarden. Doch sie bleibt ein exklusives Instrument. Sie verknüpft Förderung nicht mit Leistung, sondern mit Status. Lohn wird belohnt. Gewinne werden bestraft. So entsteht ein künstlicher Graben zwischen Menschen, die gleich viel leisten. Die Regierung begründet das zusätzlich mit angeblicher Verwaltungsvereinfachung. Und sie stellt Selbständige indirekt unter Verdacht. Einkommen sei schwerer zu prüfen. Das klingt nach technischer Begründung. In Wahrheit wirkt es wie Misstrauen.

Gleichzeitig betont die Politik, die Regelung müsse begrenzt bleiben, um „zielgenau“ zu wirken. Doch „zielgenau“ bedeutet in diesem Fall Ausgrenzung. Es bedeutet, dass Engagement unterschiedlich wert ist, je nach Erwerbsform. Das zerstört Glaubwürdigkeit in einer Zeit, in der sich Politik Vertrauen eigentlich nicht leisten kann zu verspielen.


Deutschland braucht Korrektur – keine Ausreden

Die Aktivrente könnte ein sinnvolles Instrument sein. Sie könnte Leistung im Alter stärken. Sie könnte Fachkräfte sichern. Doch in ihrer aktuellen Form schwächt sie Selbständige, schadet der Wirtschaft und wirkt wie ein politisches Machtsignal statt wie verantwortliche Politik. Gleichbehandlung wäre möglich. Sie wäre rechtlich sauberer, wirtschaftlich sinnvoller und gesellschaftlich fairer.

Die Bundesregierung verteidigt ihren Ausschluss dennoch. Sie erklärt ihn als sachgerecht. Sie nennt ihn Verwaltungslogik. Doch hinter dieser Sprache steht eine klare Haltung: Selbständige zählen politisch weniger. Genau das macht diese Aktivrente gefährlich. Denn sie spaltet. Sie grenzt aus. Und sie ignoriert, wie sehr Selbständige dieses Land tragen.

Deutschland braucht eine ehrliche Korrektur. Nicht irgendwann. Sondern jetzt. Eine Regelung, die nur Angestellte belohnt, bleibt unvollständig. Eine Aktivrente ohne Selbständige bleibt ungerecht. Und eine Politik, die das verteidigt, verliert moralische Autorität. (KOB)

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