Der Batteriehersteller ACC, ein Gemeinschaftsunternehmen der Auto- und Energiekonzerne Stellantis, Mercedes-Benz und TotalEnergies, begräbt die Pläne für eine Gigafactory in Kaiserslautern endgültig. Gleichzeitig streicht das Konsortium auch die Batteriefabrik im italienischen Termoli. Damit kippt in Kaiserslautern ein Projekt, das vor Ort als industrieller Impuls und als Jobmotor eingeplant war (handelsblatt: 07.02.26).
E-Auto-Markt schwächelt – die Rechnung geht nicht mehr auf
Hinter dem Rückzug steht vor allem die schwache Nachfrage nach Elektroautos in Europa, denn ohne Absatz fehlt die Auslastung für neue Zellwerke. ACC hatte die Erweiterung schon früher ausgebremst, weil die Marktlage keine Planungssicherheit mehr lieferte. Jetzt folgt der endgültige Schritt, obwohl Batterieproduktion politisch als Schlüsselindustrie gilt.

Die italienische Metallarbeitergewerkschaft UILM beschreibt den Vorgang klar und ohne Spielraum. Das ACC-Management habe die Arbeitnehmervertreter informiert, dass Kaiserslautern und Termoli „definitiv zu den Akten gelegt“ worden seien. Diese Formulierung wirkt wie ein Schlussstrich, und sie setzt die Standorte unter Handlungsdruck.
Gespräche laufen, obwohl die Projekte seit 2024 ruhen
ACC bestätigt in einer eigenen Mitteilung, dass ein Neustart unwahrscheinlich bleibt. Die Voraussetzungen würden „voraussichtlich nicht erfüllt“ sein, trotzdem beginnt das Unternehmen Gespräche über die geordnete Beendigung der Vorhaben. ACC spricht dabei von einem „konstruktiven Dialog“ mit Betriebsräten in Deutschland sowie mit Gewerkschaften in Italien.
Wichtig ist der Zeithorizont, denn die Projekte ruhen bereits seit Mai 2024. Aus einem Stopp auf Zeit wird nun ein Abbruch mit Folgen für Planung, Lieferketten und Qualifizierung. Für Regionen, die auf neue Industriejobs gesetzt hatten, zählt am Ende nicht die Ankündigung, sondern die Investition.
Gewerkschaft verlangt Ersatzpläne und konkrete Zusagen
Die UILM fordert als Ausgleich „klare und kohärente industrielle Entscheidungen“. Stellantis hatte für Termoli zwar eine Produktion von Getrieben und Motoren in Aussicht gestellt, aber operative Details fehlen bisher. Dadurch bleibt offen, welche Beschäftigungsperspektive tatsächlich entsteht, und die Unsicherheit wächst.
Für Kaiserslautern stellt sich eine ähnliche Frage, allerdings ohne ein bekanntes Ersatzprojekt. Der Standort verliert eine große Zukunftserzählung, obwohl Infrastruktur und Flächen bereits auf Industrie ausgelegt waren. Daher wird die Debatte über Alternativen schärfer, weil Zeit in dieser Branche ein harter Standortfaktor ist.
Stellantis unter Druck: Kurssturz und Milliarden-Abschreibungen
Der Rückzug fällt in eine Phase, in der Stellantis selbst massiv Gegenwind hat. Am Freitag brachen die Aktien um 25,2 Prozent ein, außerdem war es der größte Tagesverlust in der Unternehmensgeschichte. Zuvor meldete der Konzern Abschreibungen von rund 22,2 Milliarden Euro und kündigte an, seine Elektroauto-Entwicklung deutlich zurückzufahren.
Diese Kombination belastet auch ACC, denn Stellantis ist Hauptinvestor im Joint Venture. Wenn ein Gesellschafter spart, schrumpft die Risikobereitschaft für neue Werke. Damit verschiebt sich die Strategie von Wachstum zu Konsolidierung, und genau das trifft Projekte wie Kaiserslautern und Termoli zuerst.
Frankreich produziert schon, doch die Expansion ist gestoppt
Ursprünglich waren drei ACC-Fabriken geplant, während das erste Werk in Frankreich bereits Zellen produziert. Die zweite Welle sollte Deutschland und Italien abdecken, um die Nachfrage in Europa regional zu bedienen. Nun bleibt es bei einem deutlich kleineren Ausbaupfad, obwohl die Branche langfristig große Kapazitäten braucht.
Der Fall zeigt, wie schnell Industriepolitik an Marktgrenzen stößt. Förderlogik ersetzt keine Käufer, und ohne stabile Nachfrage fehlt der Hebel für Milliardenprojekte. Deshalb dürfte die Entscheidung von ACC als Warnsignal wirken, weil sie den gesamten europäischen Batteriehochlauf langsamer macht.
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