288 Millionen Euro für Ortsumgehung Pirna – neue Brücke muss vor Eröffnung saniert werden

In Pirna in Sachsen muss die neu errichtete Gottleubatalbrücke noch vor ihrer ersten Verkehrsfreigabe aufgrund erheblicher Mängel saniert werden. Im Frühjahr 2026 entdeckte Baumängel verhindern die geplante Eröffnung der Südumfahrung Ende Oktober 2026. Ursache sind fehlerhafte Betonarbeiten an statisch wichtigen Verbindungen zwischen Brückenpfeilern und Überbau. Obwohl Untersuchungen keine unmittelbare Gefährdung der Standsicherheit ergaben, ist eine umfangreiche Nachbesserung erforderlich. Die 3,8 Kilometer lange Ortsumgehung kostet inzwischen 288,4 Millionen Euro. Deshalb verzögert sich die vollständige Verkehrsentlastung der rund 40.000 Einwohner zählenden Stadt erneut. Die Bundesregierung strebt nun eine Fertigstellung im Jahr 2027 an.

Die Gottleubatalbrücke der 288 Millionen Euro teuren Ortsumgehung Pirna muss schon vor ihrer ersten Verkehrsfreigabe saniert werden
Die Gottleubatalbrücke der 288 Millionen Euro teuren Ortsumgehung Pirna muss schon vor ihrer ersten Verkehrsfreigabe saniert werden
Bild: Bybbisch94, Christian Gebhardt, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Gottleubatalbrücke weist gravierende Mängel im Beton auf

Die Gottleubatalbrücke überspannt das Tal auf einer Länge von 916 Metern und erreicht eine Höhe von rund 70 Metern. Ihre Konstruktion stellt besondere Anforderungen an die Verbindung der Brückenpfeiler mit dem Überbau. Bei fünf der acht Pfeiler besteht eine starre Verbindung zwischen beiden Bauteilen. Gerade an diesen konstruktiv anspruchsvollen Übergängen entstanden jedoch erhebliche Mängel. Betroffen sind vier sogenannte Stahlbetonvouten, die wesentliche Kräfte aus dem Überbau in die Pfeiler übertragen.

Die ausführende Arbeitsgemeinschaft hatte bei der Betonage Schalungsmaterial nicht vollständig entfernt. Dadurch blieben Hohlräume innerhalb der betroffenen Bauteile zurück. Die Baufirma bemerkte den Fehler nach Angaben der Projektgesellschaft DEGES bereits im April 2026. Anschließende Untersuchungen mit Ultraschall und Radartechnik bestätigten die Schäden. Statische Berechnungen ergaben zwar keine unmittelbare Gefährdung der Standsicherheit. Dennoch müssen die Hohlräume fachgerecht verfüllt werden, damit die Konstruktion ihre vorgesehene Funktion uneingeschränkt erfüllen kann.


Sanierung verzögert Verkehrsfreigabe bis mindestens 2027

Für die Nachbesserung benötigt die Baufirma einen speziellen Beton. Dessen Einsatz erfordert jedoch eine gesonderte Genehmigung des Bundes. Außerdem muss die DEGES das vorgesehene Sanierungskonzept prüfen und genehmigen lassen. Nach aktuellen Berichten können die Arbeiten deshalb frühestens 2027 beginnen. Ein verbindlicher Termin für die Verkehrsfreigabe steht weiterhin aus. Zusätzlich können ungünstige Witterungsverhältnisse den weiteren Bauablauf verzögern.

Die Bundesregierung macht einen Ausführungsfehler der beauftragten Arbeitsgemeinschaft für die Schäden verantwortlich. Diese besteht aus dem deutschen Bauunternehmen BeMo Tunnelling und dem tschechischen Konzern Metrostav. Die unmittelbaren Sanierungskosten muss deshalb der Auftragnehmer tragen. Wie hoch diese ausfallen, ist bislang jedoch nicht bekannt. Laut DEGES sollen die Nachbesserungen die genehmigten Gesamtkosten nicht erhöhen. Ob die verlängerte Bauzeit zusätzliche finanzielle Belastungen verursacht, lässt sich dagegen noch nicht abschließend beurteilen.

Kosten der Ortsumgehung seit Baubeginn nahezu verdreifacht

Bereits vor der Entdeckung der Baumängel hatte das Infrastrukturprojekt eine außergewöhnliche Kostenentwicklung durchlaufen. Bei den ersten Planungen 1999 kalkulierten die Verantwortlichen mit umgerechnet rund 36 Millionen Euro. Zum Baubeginn 2017 lag die Schätzung dagegen bereits bei 96,6 Millionen Euro. Die aktuelle Kostenberechnung aus dem Jahr 2025 weist nun 288,4 Millionen Euro aus. Damit entfallen rechnerisch rund 75,9 Millionen Euro auf jeden Kilometer der neuen Bundesstraße. Die Südumfahrung Pirna gilt deshalb als teuerste Ortsumgehung Deutschlands.

Allein die Nachträge erreichen inzwischen knapp 135 Millionen Euro. Die Bundesregierung begründet diese Entwicklung unter anderem mit Problemen bei der Bauausführung, zusätzlichen Leistungen und gestiegenen Baupreisen. Hinzu kommen frühere Verzögerungen beim 315 Meter langen Kohlbergtunnel. Schwierige geologische Verhältnisse verhinderten dort zunächst die geplante Fertigstellung im Jahr 2022. Später machten Änderungen an der Ausführungsplanung der Gottleubatalbrücke eine weitere Verschiebung auf 2026 erforderlich. Nun verhindert ein Betonierfehler auch diesen Termin.


Pirna wartet weiter auf Entlastung vom Durchgangsverkehr

Seit August 2017 laufen die Bauarbeiten an der neuen Bundesstraße B 172n. Die Umgehung soll insbesondere den Durchgangsverkehr aus der Pirnaer Innenstadt verlagern und die Verbindung zur Autobahn A 17 verbessern. Ein westlicher Teilabschnitt ging zwar bereits im Dezember 2022 in Betrieb. Ohne die vollständige Freigabe bleibt die erhoffte Verkehrsentlastung jedoch aus. Die Stadt muss deshalb weiterhin mit erheblichen Belastungen durch den überregionalen Verkehr rechnen.

Besonders bemerkenswert ist die Abfolge der bisherigen Bauprobleme. Zunächst erschwerten geologische Hindernisse den Tunnelbau, anschließend führten konstruktive Anpassungen an der Brücke zu Verzögerungen. Jetzt müssen Bauunternehmen bereits fertiggestellte Betonbauteile eines Neubaus sanieren, bevor überhaupt der erste öffentliche Verkehr darüber rollen kann. Gleichzeitig bleibt unklar, welche zusätzlichen Kosten die erneute Verschiebung verursacht. Für Pirna bedeutet das ein weiteres Jahr ohne die seit Jahrzehnten geplante vollständige Ortsumgehung. Aus einem ursprünglich mit 36 Millionen Euro kalkulierten Straßenprojekt ist inzwischen eine Investition von fast 290 Millionen Euro geworden.

Verfasser: Blackout Bews
Verwendete Quellen: Berliner Kurier (26.10.26) – Deutscher Bundestag (21.10.26) – Freie Presse (26.10.26)

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