Die Gaspreise steigen kräftig, weil eine Kältephase in Europa den Verbrauch erhöht und der Speicherstand weit unter dem saisonüblichen Niveau liegt. Maßgeblich für die Preisbildung ist dabei der niederländische Handelspunkt Title Transfer Facility, kurz TTF, der als wichtigster Referenzmarkt für Erdgas in Europa gilt und Erwartungen zu Angebot und Nachfrage bündelt. Händler sichern sich schneller Mengen und dadurch verteuerte sich Gas binnen weniger Tagen deutlich. In der Wochenbilanz stehen rund 20 Prozent Plus (handelsblatt: 16.01.26).
Gaspreise im Fokus: TTF als Leitmarkt erreicht höchsten Stand seit August
Am Markt richtet sich der Blick auf den TTF, weil dieser Leitpreis häufig die Beschaffung in Europa vorgibt. Der Terminkontrakt zur Lieferung in einem Monat wurde an der Börse in Amsterdam bei 34,30 Euro je Megawattstunde gehandelt. Damit erreicht der Referenzpreis den höchsten Stand seit dem vergangenen August. Der Preissprung gilt zudem als stärkster Wochenanstieg seit Oktober 2023.

Für Deutschland ist das relevant, weil Versorger und Industrie sich bei Kalkulationen und Neuabschlüssen häufig am Gasindex orientieren. Steigt dieser Referenzwert, steigen auch die Kosten für künftige Lieferzeiträume, obwohl bestehende Verträge teils verzögert reagieren. Gleichzeitig erhöht die Kälte den Verbrauch, und damit wächst der Druck auf kurzfristig verfügbare Mengen.
Gasspeicher im Blick: Niedriger Speicherstand treibt die Risikoprämie
Viele Marktteilnehmer begründen den Preisanstieg mit dem Blick auf die Gasspeicher, denn Reserven entscheiden über den Spielraum im Winter. Europas Gasspeicher liegen derzeit bei rund 52 Prozent. Der saisonübliche Durchschnitt liegt bei etwa 67 Prozent. Diese Abweichung ist erheblich, und sie führt zu einer höheren Risikoprämie, weil der Markt empfindlicher auf zusätzliche Nachfrage reagiert.
Für Ende des Monats werden erneut eisige Temperaturen erwartet und dadurch könnte die Phase intensiver Entnahme länger dauern als üblich. Das Risiko steigt, dass der Winter mit einem vergleichsweise niedrigen Speicherstand endet. Dann wird die Wiederbefüllung im Frühjahr schwieriger und teurer, weil mehr Mengen beschafft werden müssen, während Händler schon den nächsten Winter einpreisen. Die Gaspreise reagieren auf solche Erwartungen oft früh, weil Absicherungsgeschäfte den Preis nach oben ziehen.
Erdgas und Geopolitik: Iran-Risiko wirkt über die Türkei bis nach Europa
Neben Wetter und Speicherstand belastet auch die Lage im Nahen Osten die Preisbildung. Iran ist ein wichtiger Gaslieferant für die Türkei, jedoch steigt am Markt die Sorge vor möglichen Störungen. Zusätzliche Unsicherheit kommt aus Washington, denn die US-Regierung hat neue Strafzölle von 25 Prozent für iranische Handelspartner angedroht, um Druck auf Teheran auszuüben.
Sollten Lieferungen aus dem Iran ausfallen, müsste die Türkei mehr Erdgas am Weltmarkt beschaffen und damit würde sie mit europäischen Abnehmern konkurrieren. Das würde die Preise zusätzlich belasten, weil verfügbare Mengen dann schneller gebunden sind. Für Käufer zählt dabei nicht nur die physische Lage, sondern auch die Erwartung härterer Konkurrenz um Erdgas. In solchen Phasen steigen die Gaspreise oft auch dann, wenn keine unmittelbare Knappheit nachweisbar ist.
LNG und China: Flüssiggas verschärft den Wettbewerb um Spotmengen
Ein weiterer Treiber ist die Nachfrage nach LNG, also verflüssigtem Erdgas, das per Schiff transportiert wird. China gilt als weltweit größter Abnehmer von LNG und eine stärkere Nachfrage dort kann den globalen Wettbewerb spürbar verschärfen. Europa ist in angespannten Phasen auf diese flexiblen Lieferungen angewiesen, weil LNG kurzfristig das Angebot ergänzen kann, wenn andere Quellen nicht ausreichen.
Wenn asiatische Käufer höhere Preise akzeptieren, werden Ladungen umgelenkt und das erhöht den Preis in Europa. Dieser Mechanismus wirkt auch auf Deutschland, weil internationale Spotpreise in die Beschaffung durchschlagen. Gleichzeitig bleibt der Speicherpfad entscheidend, denn ein niedriger Gasspeicher-Stand begrenzt den Puffer für weitere Kälteperioden. Dadurch kann Flüssiggas zum Preistreiber werden, weil jeder zusätzliche Import stärker bewertet wird. So bleiben die Gaspreise volatil, solange Wetter, Reserven und Weltmarkt zugleich Spannung erzeugen.
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