1000-Euro Prämie: Arbeitgeber sollen zahlen – Regierung verlagert Kosten auf Betriebe

Die Bundesregierung will Beschäftigte mit einem steuer- und abgabenfreien Krisenbonus von bis zu 1000 Euro wegen steigender Energiepreise entlasten, doch zahlen sollen nicht Staat oder Ministerien, sondern die Arbeitgeber. Die Prämie ist freiwillig und nicht verpflichtend, obwohl die Politik sie als Hilfe in der Krise verkauft. Das Kernproblem liegt in der Finanzierung, denn Arbeitgeber müssen das Geld selbst erwirtschaften, während viele Betriebe bereits unter hohen Energie-, Material- und Lohnkosten leiden. Die Folgen treffen vor allem kleine Firmen, Handwerksbetriebe und Beschäftigte ohne Tarifbindung, weil gerade dort die Spielräume gering sind und die Prämie deshalb oft ausfallen dürfte.


Arbeitgeber sollen zahlen, obwohl viele Betriebe das Geld erst verdienen müssen

Der Beschluss aus Berlin klingt für Beschäftigte zunächst attraktiv, jedoch bleibt die Rechnung bei den Unternehmen hängen. Der Staat zahlt die 1000 Euro nicht selbst aus, sondern erlaubt nur eine steuerfreie Sonderzahlung. Damit präsentiert die Bundesregierung Entlastung, während die Wirtschaft die Finanzierung übernehmen soll.

1000-Euro-Prämie: Arbeitgeber sollen zahlen und das Geld selbst erwirtschaften. Kritik an der Kostenverlagerung wächst
1000-Euro-Prämie: Arbeitgeber sollen zahlen und das Geld selbst erwirtschaften. Kritik an der Kostenverlagerung wächst

Genau daran entzündet sich massive Kritik. Ute Zacharias von den Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden in Thüringen spricht von einer klaren Verschiebung hin zu den Betrieben. Sie sagt: „Es ist auf jeden Fall eine Verschiebung hin zu den Betrieben, zur Wirtschaft. Und es werden halt auch wieder die Erwartungen geschürt, dass die Arbeitgeber für die finanzielle Absicherung globaler Risiken bereitstehen müssen.“ Damit beschreibt sie präzise, warum viele Unternehmen den Bonus nicht als Hilfe, sondern als neue Last sehen.

Ostdeutschland trifft die Konstruktion besonders hart

Besonders problematisch ist die Lage in Ostdeutschland, weil dort deutlich weniger Beschäftigte tarifgebunden arbeiten. Daniel Knorr vom DGB in der Region Leipzig-Nordsachsen verweist zudem auf viele Aufstocker, Teilzeitkräfte und Beschäftigte auf Mindestlohnniveau. Gerade in diesem Umfeld hängt die Auszahlung noch stärker davon ab, ob ein Betrieb zahlen kann und zahlen will.

In tarifgebundenen Unternehmen lassen sich Sonderzahlungen eher verhandeln, jedoch gibt es solche Strukturen in Mitteldeutschland seltener. Deshalb dürfte die Prämie gerade dort oft nicht ankommen, wo das Geld besonders knapp ist. Die Konstruktion verschärft also bestehende Unterschiede, während die Politik den Eindruck einer breiten Entlastung erzeugt. Für viele Beschäftigte bleibt der Krisenbonus deshalb eher eine Ankündigung als eine echte Hilfe.


Handwerk spricht von einer Belastungsprämie für Arbeitgeber

Aus dem Handwerk kommt deshalb besonders scharfer Widerspruch. Andreas Dieckmann, Präsident der Handwerkskammer Magdeburg, hält schon die Bezeichnung Entlastungsprämie für irreführend. Für kleine Betriebe sei der Bonus keine Hilfe, sondern ein weiterer Kostenfaktor in einer ohnehin angespannten Lage.

Dieckmann formuliert seine Kritik unmissverständlich: „Es ist eher eine Belastungsprämie für meine Unternehmen, für die Unternehmerinnen und Unternehmer. Ich finde, es ist eine Unverschämtheit, was die Bundesregierung hier auf den Weg gebracht hat.“ Gerade Bäcker, Friseure und andere kleine Betriebe könnten eine solche Zahlung oft schlicht nicht leisten. Wenn Berlin solche Erwartungen weckt, ohne selbst zu zahlen, verlagert die Politik die Krisenkosten direkt auf die Betriebe. Der Krisenbonus wirkt damit nicht wie eine Entlastung, sondern wie ein staatlicher Auftrag an Arbeitgeber, politische Versprechen aus eigener Kasse zu finanzieren. (KOB)

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen