Heiligenkreuz im Lafnitztal – Lenzing will sich bis Ende 2026 aus der Faserproduktion im Lenzing-Werk Heiligenkreuz zurückziehen. Der Konzern gab den Schritt am 27. Juli 2026 nach Zustimmung des Aufsichtsrats bekannt. Auslöser ist eine strategische Neuausrichtung in einem schwierigen Markt für Cellulosefasern. Lenzing konzentriert sich künftig stärker auf Vliesstoffe und ertragreichere Spezialprodukte. Entscheidend bleibt jedoch die Suche nach einem Käufer, der das Werk weiterführt. Ohne tragfähige Lösung endet die Produktion geordnet. Betroffen sind 285 Beschäftigte sowie mögliche Zulieferer und Dienstleister in der Region.
Käufersuche entscheidet über 285 Arbeitsplätze
Lenzing hat die Käufersuche für das Lenzing-Werk Heiligenkreuz unmittelbar nach der Entscheidung gestartet. Vorstandschef Georg Kasperkovitz rechnet grundsätzlich mit einem mehrmonatigen Verfahren. Deshalb läuft die Produktion mindestens bis zum Jahresende weiter. Eine begrenzte Verlängerung bleibt möglich, falls sie einen geordneten Eigentümerwechsel erleichtert.

Bild: C.Stadler/Bwag, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Für die Beschäftigten gilt bereits ein Sozialplan. Dennoch hängt der Erhalt der Arbeitsplätze vor allem vom Geschäftsmodell eines neuen Eigentümers ab. Das Werk produziert seit 1997 Lyocellfasern und verfügt über qualifizierte Fachkräfte. Außerdem investierte Lenzing in den vergangenen Jahren in neue Produkte und ein Heizkraftwerk am Standort.
Lenzing-Werk Heiligenkreuz trifft die gesamte Region
Der Rückzug gehört zu einem weltweiten Umbau des Faserherstellers. Lenzing will bis Ende 2027 rund 2.000 Stellen weniger beschäftigen. Darin enthalten sind etwa 600 bereits angekündigte Stellen in überwiegend administrativen Bereichen. Außerdem endet die Produktion im englischen Grimsby bis Ende 2027, während Lenzing auch seinen indonesischen Viskosestandort verkaufen will.
Das Lenzing-Werk Heiligenkreuz besitzt für das Südburgenland eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Deshalb fürchtet die regionale Wirtschaft Folgen für Speditionen, Zulieferer und weitere Dienstleister. Das Land Burgenland unterstützt die Investorensuche und erwägt notfalls eine Beteiligung. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil schloss sogar eine vollständige Übernahme nicht aus, falls sonst die Schließung droht.
Konzernumbau kostet bis zu 190 Millionen Euro
Lenzing begründet den Umbau mit veränderten Marktbedingungen und starker Konkurrenz aus Asien. Der Konzern will sein Textilgeschäft verkleinern und das Geschäft mit Vliesstoffen deutlich ausbauen. Dabei setzt das Unternehmen stärker auf Anwendungen für Hygieneprodukte wie Windeln, Feuchttücher und Wattepads. Zugleich stärkt Lenzing ausgewählte Kernstandorte und verlagert dorthin die Produktion von Spezialfasern.
Die Neuordnung belastet die Bilanz erheblich. Lenzing erwartet 2026 Wertminderungen von bis zu 150 Millionen Euro. Hinzu kommen Rückstellungen von bis zu 40 Millionen Euro für Personalmaßnahmen. Dennoch sollen zusätzliche Einsparungen den jährlichen Kosteneffekt bis Ende 2027 auf 120 Millionen Euro erhöhen. Außerdem plant der Konzern eine Kapitalerhöhung von bis zu 300 Millionen Euro. Neue Finanzierungen sollen weitere 300 Millionen Euro bereitstellen. Für Heiligenkreuz bleibt jedoch entscheidend, ob rechtzeitig ein Käufer mit tragfähigem Konzept einsteigt.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: ORF Burgenland: 28.07.26) – ORF Oberösterreich (28.07.26) – News (28.07.26) – Lenzing AG (27.07.26)
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