Stuttgart – Seit dem 27. Juli 2026 korrigieren 54 Schulen in Baden-Württemberg rund 100 fehlerhafte Abiturzeugnisse. Ein Softwarefehler in Winprosa berechnete Abschlussnoten falsch. Gymnasien nutzen diese Software für die Oberstufenverwaltung. Bei etwa 70 Absolventen verändert sich deshalb der Schnitt, meist um ein oder zwei Zehntel nach unten. Alle Betroffenen behalten jedoch ihr Abitur. Dennoch können korrigierte Noten laufende Studien- und Ausbildungsbewerbungen gefährden.
Fehler blieb seit Mitte Juni ohne Meldung an die Schulaufsicht
Eine fehlerhafte Berechnung an einem Gymnasium löste die landesweite Kontrolle aus. Deshalb mussten alle Winprosa-Schulen ihre Abiturzeugnisse prüfen und Abweichungen melden. Der Anbieter cmh stand nach eigenen Angaben seit Mitte Juni mit einzelnen Gymnasien in Kontakt. Die Schulaufsicht erhielt jedoch keine Problemanzeige.

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Fast alle falschen Berechnungen fielen zunächst zugunsten der Absolventen aus. Meist verschlechtert sich die Note deshalb um 0,1 oder 0,2 Punkte. Bei einer überprüften Berechnung betrug die Abweichung 0,6. Dieser Fall fiel jedoch bereits vor der Zeugnisausgabe auf. Das Ministerium prüft außerdem, ob allein der Softwarefehler dafür verantwortlich war. Rund 29.000 Schüler legten 2026 an allgemeinbildenden Schulen im Land das Abitur ab.
Korrigierte Abiturzeugnisse können Zulassungen verändern
Betroffene müssen bereits eingereichte Bewerbungen berichtigen. Denn Hochschulen müssen der Vergabe und Einschreibung die richtige Durchschnittsnote zugrunde legen. Eine vorläufige Zusage bleibt daher nicht automatisch bestehen. Hochschulen dürfen Zulassungen jedoch nur nach Prüfung des jeweiligen Einzelfalls korrigieren oder zurücknehmen.
Das Kultusministerium richtete für die Betroffenen eine direkte Anlaufstelle ein. Außerdem informierte das Wissenschaftsministerium die Hochschulen im Land und die anderen Bundesländer. Die Schulen kontaktieren die Absolventen und stellen neue Abiturzeugnisse aus. Das Land verspricht Unterstützung, kann einen Studienplatz jedoch nicht garantieren.
Land beendet parallelen Einsatz zweier Systeme
Die landeseigene Schulsoftware ASV-BW verursachte den Fehler nicht. Dennoch nutzte die überwiegende Zahl der Gymnasien weiterhin Winprosa. Das kommerzielle Programm bot früher Funktionen, die ASV-BW erst später erhielt. Dazu gehörte unter anderem die Planung des mündlichen Abiturs.
Ab dem kommenden Schuljahr sollen neue Kursstufen an öffentlichen Gymnasien und Gemeinschaftsschulen vollständig ASV-BW nutzen. Parallel will das Kultusministerium die Bedienbarkeit gemeinsam mit dem IBBW verbessern. Der Philologenverband fordert jedoch verbindliche Tests und erklärt: „Ein Abiturzeugnis muss absolut fehlerfrei sein.“ Der Wechsel löst das Problem deshalb nur, wenn das Land die Software vor dem Einsatz umfassend prüft.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: SWR (28.07.26) – Welt (28.07.26) – Kultusministerium Baden-Württemberg (27.07.26) – Philologenverband Baden-Württemberg (27.07.26)
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