Kleve – Immer mehr Genossenschaftsbanken benötigen Hilfe aus dem eigenen Sicherungssystem. Nun hat die Volksbank Kleverland Unterstützung beantragt. Ansprechpartner ist die Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Der BVR ist der Spitzenverband der genossenschaftlichen Kreditwirtschaft in Deutschland. Seine Sicherungseinrichtung soll angeschlossene Banken bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten stabilisieren. Bei Kleverland ergab eine Prüfung erheblichen Wertberichtigungsbedarf bei mehreren Krediten. Die Bank könne diese Belastungen nicht vollständig selbst tragen, ohne ihre Kapitalanforderungen absehbar zu unterschreiten. Deshalb sollen Garantien die eigenen Vorsorgereserven schonen. Die Höhe der Hilfe bleibt bislang offen, während das laufende Geschäft nach Bankangaben weiterläuft.
Volksbank Kleverland ist Teil einer ganzen Serie
Der Fall bekommt seine Bedeutung vor allem durch die Häufung ähnlicher Vorgänge. Innerhalb von gut zweieinhalb Jahren stützte die BVR-Sicherungseinrichtung bereits fünf Banken mit Garantien und Zuschüssen. Das Gesamtvolumen erreichte rund 1,5 Milliarden Euro. Kleverland kommt nun als weiterer Fall hinzu. Außerdem zeichnet sich bei der Volksbank Braunschweig Wolfsburg zusätzlicher Unterstützungsbedarf ab. Damit geht es längst nicht mehr um einen isolierten Ausreißer am Niederrhein.

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Besonders deutlich zeigt die Raiffeisenbank im Hochtaunus die möglichen Dimensionen. Ende 2024 standen dort akute Risiken von 503,449 Millionen Euro im Investoren- und Projektfinanzierungsgeschäft. Die BVR-Sicherungseinrichtung stellte dafür Garantien über 438,113 Millionen Euro. Der eigene Lagebericht hält fest, dass erst diese Stützungsmaßnahmen die Vermögenslage ordneten. Gleichzeitig spielte das nahezu vollständig auf gewerbliche Immobilienfinanzierungen ausgerichtete Kreditportfolio eine zentrale Rolle. Auch das Bankhaus RSA erhielt rund 60 Millionen Euro Stabilisierungsmaßnahmen. Dennoch reichten diese Hilfen nach späterer Analyse nicht aus.
Immobilien, Kredite und Beteiligungen werden zum Problem
Auch bei der Volksbank Braunschweig Wolfsburg, kurz Brawo, stehen ungewöhnliche Risiken im Mittelpunkt. Die Bank rief im Mai vorsorglich die BVR-Sicherungseinrichtung an. Zudem beantragte sie Deckungsmaßnahmen wegen möglicher Wertberichtigungen. Ihr Beteiligungsgeflecht umfasst mehr als 400 Unternehmen und geht damit weit über das typische Regionalbankgeschäft hinaus. Im Juni holte die Volksbank deshalb den Restrukturierungsexperten Heiner Arnoldi in den Vorstand. Er soll die Komplexität reduzieren und die Sanierung vorantreiben.
Kleverland selbst bringt ebenfalls eine belastete Vorgeschichte mit. Der damalige Vorstandschef verlor Ende 2025 sein Amt, nachdem interne Unregelmäßigkeiten bekannt geworden waren. Später erstattete die Bank Strafanzeige gegen ihn. Zugleich ruhen derzeit die Gespräche über eine Fusion mit der Volksbank an der Niers in Goch. Das Institut will zunächst seine eigenen Probleme aufarbeiten. Bemerkenswert ist zudem, dass Kleverland bereits vor gut 20 Jahren BVR-Hilfe benötigte. Die aktuelle Krise trifft also eine Bank, die das Sicherungssystem schon einmal in Anspruch nahm.
BVR verschärft Kontrolle über problematische Volksbanken
Der BVR reagiert inzwischen mit deutlich schärferen Regeln auf die Serie. Seine Mitgliederversammlung erweiterte im Juni die Eingriffsrechte der Sicherungseinrichtung. Diese erhält nun ein begründetes Teilnahme- und Rederecht in Sitzungen von Banken im Präventions- oder Sanierungsstatus. Außerdem kann sie Institute mit problematischen Risikoprofilen früher mit höheren Beiträgen belasten. Der BVR-Vorstand erhält zugleich mehr Entscheidungskompetenz bei notwendigen Deckungsmaßnahmen. Damit sollen Fehlentwicklungen früher sichtbar werden und Sanierungen schneller beginnen.
Die Reform zeigt zugleich die Schwachstelle des genossenschaftlichen Modells. Das Sicherungssystem verhindert, dass Probleme einzelner Häuser unmittelbar auf deren Kunden durchschlagen. Allerdings tragen die Mitgliedsbanken die finanziellen Folgen innerhalb ihrer Solidargemeinschaft. BVR-Präsidentin Marija Kolak kritisierte deshalb bei einzelnen Instituten „hochriskante Geschäfte, Missmanagement oder grob fahrlässiges Verhalten“. Der Verband betont zugleich, dass bislang kein Kunde einer angeschlossenen Bank durch deren Insolvenz Einlagen verloren habe. Auch staatliche Hilfen benötigt das System nach Angaben des BVR nicht. Die Häufung kostspieliger Fälle zeigt jedoch, warum der Verband riskante Geschäftsmodelle künftig deutlich früher begrenzen will.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Handelsblatt (12.08.26) – Kölner Stadt-Anzeiger (12.08.26) – Welt (16.06.26) – BVR (10.06.26)
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