Grüner Stahl: 5,9 Milliarden Euro Fördergeld drohen zu verpuffen

Düsseldorf – Eine Anfang August 2026 veröffentlichte PwC-Studie stellt die deutsche Milliardenstrategie für grünen Stahl grundsätzlich infrage. In Mitteleuropa erreicht Primärstahl laut den Berechnungen in keinem untersuchten Szenario dauerhaft wettbewerbsfähige Kosten. Bund und Länder haben Thyssenkrupp, Salzgitter und der Stahl-Holding Saar dennoch rund 5,9 Milliarden Euro Förderung zugesagt. Hohe Strompreise und teurer Wasserstoff gefährden deshalb die Auslastung der neuen Anlagen. Die Folgen treffen Steuerzahler, Beschäftigte und industrielle Lieferketten. Dabei waren die entscheidenden Kostennachteile bereits vor den Förderbescheiden bekannt.


Fördermilliarden trotz bekannter Kostenprobleme

Es fehlte nicht an Warnungen. Fraunhofer-Forscher hielten bereits 2021 fest, dass Deutschland nicht genug bezahlbaren Ökostrom für große Wasserstoffmengen besitzt. Heimisch erzeugter Wasserstoff werde deshalb in großen Mengen vergleichsweise teuer. Außerdem verwiesen die Forscher auf günstigere Produktionsbedingungen in sonnen- und windreichen Weltregionen. Genau dieser Standortnachteil bildet nun den Kern der PwC-Berechnungen.

Grüner Stahl droht zum Milliardengrab für Steuerzahler zu werden. Die Kostenrisiken waren bekannt, dennoch flossen Milliarden
Grüner Stahl droht zum Milliardengrab für Steuerzahler zu werden. Die Kostenrisiken waren bekannt, dennoch flossen Milliarden
Bild: Shutterstock

Auch der Sachverständigenrat warnte im November 2022 vor dauerhaft höheren Energiepreisen als in vielen anderen Weltregionen. Staatliche Hilfen sollten deshalb nur langfristig tragfähige Geschäftsmodelle stützen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die EU das erste Salzgitter-Paket über rund eine Milliarde Euro bereits genehmigt. Trotzdem folgten 2023 rund zwei Milliarden Euro für Thyssenkrupp und bis zu 2,6 Milliarden Euro für die Saarstahl-Projekte. Im Februar 2026 erhöhte der Bund die Salzgitter-Förderung außerdem um 322 Millionen Euro.

Grüner Stahl verliert gegen Indien und Golfstaaten

PwC vergleicht Hochöfen und CO₂-arme Direktreduktion in mehreren Weltregionen bis 2045. Demnach produzieren die Golfstaaten CO₂-armen Stahl bereits 2030 rund 30 Prozent günstiger als Europa. Wasserstoffbasierter Stahl aus Indien könnte europäischen Hochofenstahl außerdem um 15 Prozent unterbieten. Nur Skandinavien erreicht unter günstigen Annahmen konkurrenzfähige Kosten für Primärstahl. Grüner Stahl aus Deutschland bleibt damit auf Schutzmaßnahmen, Sonderstrompreise und weitere Hilfen angewiesen.

Die Technik selbst ist dabei nicht das Hauptproblem. Direktreduktionsanlagen können zunächst Erdgas und später Wasserstoff nutzen. Deutschland besitzt jedoch weder dauerhaft billigen Strom noch ausreichend günstigen grünen Wasserstoff. Zugleich fehlt ein breiter Markt, der zuverlässig höhere Stahlpreise bezahlt. Rund die Hälfte der europäischen Projekte wurde laut PwC bereits gestoppt, verkleinert oder verschoben.


Politik vertagt die Rechnung auf Steuerzahler

ArcelorMittal zog 2025 die Pläne für Bremen und Eisenhüttenstadt zurück. Der Konzern nannte fehlende Wirtschaftlichkeit sowie ungünstige Energie- und Marktbedingungen. Dadurch entfiel eine Förderoption von rund 1,3 Milliarden Euro, bevor der Staat die gesamte Summe auszahlte. Thyssenkrupp setzte außerdem seine Wasserstoffausschreibung aus, weil die Angebote zu teuer ausfielen. Salzgitter baut dagegen weiter, obwohl der Staat die Förderung 2026 nochmals erhöhen musste.

Die 5,9 Milliarden Euro sind daher noch nicht vollständig verloren. Die Zusagen beruhen jedoch auf Annahmen, deren Schwächen Fachleute früh benannten. Funktioniert grüner Stahl nur mit Strompreisstützen, Wasserstoffhilfen und staatlichen Abnahmequoten, endet die Förderung nicht mit dem Anlagenbau. Dann finanziert der Staat zusätzlich den Betrieb und schützt den Absatz. Der Bundesrechnungshof warnte bereits vor einer staatlichen Dauerförderung des nicht wettbewerbsfähigen Wasserstoffs. Die Politik hätte deshalb vor den Bewilligungen klären müssen, ob deutscher Primärstahl jemals ohne Dauersubventionen bestehen kann.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Handelsblatt (04.08.26)PwC (Stand: 05.08.26)Bundesrechnungshof (28.10.25)

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