Kecskemét – Mercedes-Benz hat seinen ungarischen Standort am 13. Juli 2026 nach einem milliardenschweren Ausbau offiziell erweitert. Das größte Mercedes-Werk Europas steht damit nun in Ungarn. Der Konzern vergrößerte das Gelände von 200 auf 440 Hektar und plant langfristig bis zu 400.000 Fahrzeuge jährlich. Dort startet außerdem die neue elektrische C-Klasse. Als wesentlichen Vorteil nennt Mercedes Faktorkosten, die 70 Prozent unter dem deutschen Niveau liegen. Ungarn erwartet zugleich bis zu 3.000 zusätzliche Arbeitsplätze. Deutschland verliert dagegen neue Kapazität und Modelle, während die Bundesregierung den Kostenabstand trotz erster Entlastungen bisher nicht entscheidend verkleinert hat.
Milliarden-Ausbau schafft Fakten zulasten Deutschlands
Mercedes investierte rund eine Milliarde Euro in zwei neue Hallen, ein Presswerk, eine Lackiererei und die Batteriemontage. Außerdem arbeiten etwa 1.200 Roboter im neuen Karosseriebau. Die Lackiererei kommt ohne Erdgas aus und soll deutlich weniger Energie verbrauchen. Photovoltaikanlagen mit 42,3 Megawatt Spitzenleistung decken zudem rund ein Viertel des jährlichen Strombedarfs. Damit verbindet Mercedes niedrigere Betriebskosten mit einem hohen Automatisierungsgrad.

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Das größte Mercedes-Werk Europas übernimmt künftig wichtige Baureihen aus dem Core- und Kompaktsegment. Neben der elektrischen C-Klasse sollen dort der GLB und später weitere Modelle entstehen. Außerdem verlagerte Mercedes die A-Klasse aus Rastatt nach Kecskemét. Der elektrische GLC kann künftig flexibel in Bremen oder Ungarn gebaut werden. Deshalb entscheidet bei zusätzlichen Stückzahlen immer stärker der günstigere Standort.
Größtes Mercedes-Werk Europas profitiert von 70 Prozent niedrigeren Kosten
Mercedes beziffert die Faktorkosten in Kecskemét auf 70 Prozent unter dem deutschen Niveau. Der Konzern nennt außerdem eine stabile Politik, gute Verkehrswege, verfügbare Fachkräfte und ein dichtes Zuliefernetz als Vorteile. Zugleich will Mercedes den Anteil kostengünstiger Produktionsländer in Europa von 15 auf 30 Prozent erhöhen. Kecskemét ist deshalb kein isoliertes Einzelprojekt, sondern Teil einer langfristigen Verlagerung der industriellen Gewichte.
Deutschlands Nachteile zeigen sich jedoch nicht nur bei Mercedes. Laut VDA lag die deutsche Pkw-Produktion im ersten Halbjahr 2026 drei Prozent unter dem Vorjahreswert. Gegenüber 2019 fehlten sogar 15 Prozent. Der Verband nennt hohe Lohnzusatzkosten, Steuern, Energiepreise und Bürokratie als zentrale Belastungen. Mercedes verschärfte außerdem seine Produktivitätsmaßnahmen mit besonderem Fokus auf deutsche Standorte. Für Abfindungen flossen im ersten Halbjahr bereits rund 1,1 Milliarden Euro.
Bundesregierung reagiert spät und nur teilweise
Die Bundesregierung blieb zwar nicht vollständig untätig. Sie führte schnellere Abschreibungen ein und plant schrittweise niedrigere Unternehmenssteuern ab 2028. Außerdem gilt seit 2026 ein befristeter Industriestrompreis für ausgewählte strom- und handelsintensive Betriebe. Die Auszahlung beginnt jedoch erst 2027. Zudem ersetzt die Förderung keine breite Senkung von Steuern, Abgaben, Energiekosten und Bürokratie im Fahrzeugbau. Deshalb schließen die Maßnahmen die enorme Kostendifferenz zu Ungarn nicht.
Politische Programme kommen damit später als die Investitionsentscheidungen der Konzerne. Mercedes plante den Ausbau von 2022 bis 2026 und hat die neuen Hallen bereits eröffnet. Eine Steuersenkung ab 2028 holt diese Kapazitäten deshalb nicht kurzfristig zurück. Deutsche Werke bleiben zwar wichtige Leitstandorte für Entwicklung und hochwertige Modelle. Ohne dauerhaft bessere Bedingungen dürfte zusätzliches Volumen jedoch weiter an günstigere Werke gehen. Das größte Mercedes-Werk Europas zeigt damit, wie schnell Deutschland industrielle Substanz verliert, wenn Berlin nur schrittweise reagiert.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Südwest24 (02.08.26) – Mercedes-Benz Group (28.07.26) – Reuters (28.07.26)
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