Gießerei-Schließung in Ueckermünde – 300 Jobs weg

In Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern steht eine Eisengießerei mit rund 300 Beschäftigten vor dem Aus. Die Breyden-Gruppe bestätigte am 16. Oktober 2026 die Schließung zum Jahresende. Hohe Energiekosten, teure Transporte, steigender Wettbewerbsdruck aus China und fehlende Aufträge machen den Betrieb laut Geschäftsführung unrentabel. Die Gießerei-Schließung trifft damit einen bedeutenden Arbeitgeber in der ohnehin strukturschwachen Region Vorpommern-Greifswald. Wirtschaftsminister Wolfgang Blank und Bürgermeister Tino Spiegelberg kritisieren die Entscheidung und fordern den Erhalt des Werks. Doch grundlegende Reformen zur Verbesserung der industriellen Standortbedingungen bleiben aus. Für die Beschäftigten beginnen am 21. Oktober deshalb Verhandlungen über einen Sozialplan.

Gießerei-Schließung in Ueckermünde: Rund 300 Arbeitsplätze fallen weg. Politiker kritisieren das Aus, doch Reformen bleiben aus
Gießerei-Schließung in Ueckermünde: Rund 300 Arbeitsplätze fallen weg. Politiker kritisieren das Aus, doch Reformen bleiben aus
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Hohe Energiekosten und internationale Konkurrenz machen Produktion unrentabel

Die Breyden-Gruppe sieht für die Eisengießerei keine wirtschaftlich tragfähige Perspektive mehr. Geschäftsführer Sebastian Simon verweist insbesondere auf hohe Energie- und Personalkosten sowie die wachsende Konkurrenz aus China. Außerdem verteuern lange Transportwege die Beschaffung von Altmetall. Dieses benötigt das Unternehmen als Rohstoff für seine Gussteile. Der Standort Ueckermünde hat dabei Kostennachteile gegenüber dem ebenfalls zur Gruppe gehörenden Werk in Neunkirchen.

Die Gießerei produziert hauptsächlich Komponenten für Fahrzeugbremsen. Allerdings reichen die Aufträge bereits seit Jahresbeginn nicht mehr aus, um das Werk auszulasten. Auch Maßnahmen zur Modernisierung und die Suche nach zusätzlichen Kunden brachten keinen ausreichenden Erfolg. Die Unternehmensführung will deshalb ihre Produktion auf andere Standorte konzentrieren. Besonders die Gießerei im saarländischen Neunkirchen soll erhalten bleiben.


Politik beklagt Werksschließung – wirtschaftliche Reformen bleiben aus

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Wolfgang Blank kritisiert die Entscheidung der Breyden-Gruppe scharf. Auch Bürgermeister Tino Spiegelberg fordert gemeinsam mit Betriebsrat und IG Metall den Weiterbetrieb. Doch öffentliche Forderungen ändern zunächst nichts an den wirtschaftlichen Ursachen der Schließung. Die hohen Produktionskosten verschwinden schließlich nicht durch politische Solidaritätsbekundungen. Hier zeigt sich der Widerspruch zwischen dem politischen Anspruch, Industriearbeitsplätze zu erhalten, und den tatsächlichen Standortbedingungen.

Besonders kritisch ist deshalb die Frage nach der politischen Verantwortung. Hohe Energiepreise, Abgaben und bürokratische Belastungen verteuern die industrielle Produktion in Deutschland. Gleichzeitig beklagen politische Entscheidungsträger den Verlust von Arbeitsplätzen, ohne dass bislang ausreichende Verbesserungen für betroffene Betriebe erkennbar wären. Dabei liegen wesentliche Handlungsmöglichkeiten bei Bund und Ländern. Die örtliche Politik kann vermitteln, jedoch weder bundesweite Energieabgaben noch die gesetzlichen Rahmenbedingungen allein verändern. Ihre öffentlichen Forderungen nach einem Werkserhalt bleiben deshalb ohne konkrete wirtschaftliche Lösungen weitgehend symbolisch.

Gießerei-Schließung zeigt Grenzen politischer Rettungsappelle

Bereits am 9. Oktober trafen Wirtschaftsminister Blank und Bürgermeister Spiegelberg mit der Unternehmensführung zusammen. Auch ein weiteres Gespräch am 16. Oktober in Berlin verhinderte die Schließungsentscheidung nicht. Betriebsrat und IG Metall wollen dennoch gemeinsam mit externen Experten ein Konzept für den Weiterbetrieb entwickeln. Allerdings müsste ein solches Konzept die bestehenden Kostenprobleme lösen und ausreichend neue Aufträge sichern. Ohne diese Voraussetzungen wäre eine Fortführung wirtschaftlich kaum tragfähig.

Die Gießerei-Schließung verdeutlicht damit ein grundsätzliches Problem der Industriepolitik. Öffentliche Empörung über Betriebsschließungen ersetzt keine wettbewerbsfähigen Energiepreise und keine verlässlichen Investitionsbedingungen. Politische Auftritte und Rettungsforderungen können deshalb als bloße Effekthascherei erscheinen, solange ihnen keine wirksamen Maßnahmen folgen. Allerdings bleibt auch die Unternehmensführung für ihre Investitionsentscheidungen und die wirtschaftliche Strategie verantwortlich. Entscheidend wäre nun ein belastbares Konzept, das sowohl die Kostenstruktur als auch die schwache Auftragslage berücksichtigt.

Rund 300 Beschäftigte verlieren ihre berufliche Perspektive

Besonders gravierend sind die Folgen für die Belegschaft. Die IG Metall bezifferte die Zahl der unmittelbar betroffenen Mitarbeiter zunächst auf 283. Inzwischen ist von rund 300 gefährdeten Arbeitsplätzen die Rede. Am 21. Oktober sollen deshalb Verhandlungen über einen Sozialplan beginnen. Dabei stehen mögliche Abfindungen, eine Transfergesellschaft und berufliche Alternativen im Mittelpunkt. Für den 19. Oktober ist außerdem eine weitere Mahnwache gegen die Schließung vorgesehen.

Eine mögliche Perspektive bietet die Silbitz Group im benachbarten Torgelow. Dort fertigt eine Eisengießerei unter anderem Komponenten für Windkraftanlagen und Schiffsdieselmotoren. Das Unternehmen hat bereits Interesse an Fachkräften aus Ueckermünde signalisiert. Außerdem verfügt der Standort nach eigenen Angaben über Aufträge bis 2030. Wie viele Beschäftigte tatsächlich wechseln könnten, bleibt jedoch ungewiss. Für die Region wäre der Verlust industrieller Wertschöpfung damit keineswegs vollständig ausgeglichen.


Ohne bessere Standortbedingungen drohen weitere Industriearbeitsplätze verloren zu gehen

Der Fall Ueckermünde zeigt, welche Folgen mangelnde Wettbewerbsfähigkeit für einzelne Industriestandorte haben kann. Während Politiker den Erhalt der Arbeitsplätze fordern, verweist die Geschäftsführung auf wirtschaftliche Verluste und fehlende Zukunftsaussichten. Dabei können öffentliche Appelle weder Aufträge schaffen noch dauerhaft zu hohe Produktionskosten ausgleichen. Eine wirksame Industriepolitik müsste deshalb früher ansetzen und die wirtschaftlichen Voraussetzungen für Investitionen verbessern.

Für Ueckermünde kommen solche Veränderungen möglicherweise zu spät. Die rund 300 Beschäftigten müssen sich nun auf den Verlust ihres Arbeitsplatzes einstellen. Gleichzeitig verliert die Region einen wichtigen Industriebetrieb mit gewachsenen Fachkenntnissen und regionalen Lieferbeziehungen. Politische Solidarität kann diesen Schaden nicht ersetzen. Entscheidend bleibt deshalb, ob Bund und Länder konkrete Verbesserungen der Standortbedingungen erreichen. Andernfalls werden politische Rettungsforderungen auch bei künftigen Werksschließungen an denselben wirtschaftlichen Problemen scheitern.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Tagesschau (17.10.26) – NDR (17.10.26) – Ostdeutsche Allgemeine (16.10.26)

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