Deutschland verzeichnet weiterhin ungewöhnlich viele Firmeninsolvenzen. Im Jahr 2025 registrierten die Amtsgerichte 24.064 Unternehmenspleiten, rechnerisch einen Fall etwa alle 22 Minuten. Auch 2026 bleibt die Lage angespannt, obwohl sich einzelne Konjunkturdaten verbessern. Hohe Kosten, schwache Nachfrage und geopolitische Belastungen treffen dabei besonders Betriebe mit geringen finanziellen Reserven. Creditreform zählte im ersten Halbjahr 12.900 Insolvenzen und rund 165.000 betroffene Arbeitsplätze.
Firmeninsolvenzen bleiben weit über dem Vor-Corona-Niveau
Die amtlichen Zahlen bestätigen den hohen Stand. Von Januar bis Mai 2026 registrierte Destatis 10.546 beantragte Unternehmensinsolvenzen, 4,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Mai sank die Zahl jedoch um zwei Prozent auf 1.995 Fälle. Diese Statistik reagiert zeitverzögert, weil Gerichtsentscheidungen erst später in die Auswertung eingehen.

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Aktuellere Frühindikatoren zeigen deshalb noch keine breite Entspannung. Das IWH meldete für Juli 1.689 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften. Gegenüber Juli 2025 waren das sieben Prozent mehr. Außerdem lag die Zahl 75 Prozent über einem durchschnittlichen Juli der Jahre 2016 bis 2019. Die Firmeninsolvenzen bleiben damit weit über dem Niveau vor der Corona-Pandemie.
Kleinbetriebe tragen den größten Teil der Verfahren
Creditreform kommt mit einer eigenen Hochrechnung zu einem ähnlichen Befund. Im ersten Halbjahr stieg die Zahl um 7,8 Prozent auf 12.900 Fälle. Dabei entfielen 81 Prozent der Verfahren auf Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten. Die geschätzten Schäden für Gläubiger summierten sich außerdem auf 28,5 Milliarden Euro.
Besonders deutlich zeigt sich die Belastung im Dienstleistungssektor. Dort nahm die Zahl der Firmeninsolvenzen laut Creditreform um 12,6 Prozent zu. Im Baugewerbe betrug der Anstieg 4,5 Prozent, während der Handel einen Rückgang um 1,3 Prozent verzeichnete. Gleichzeitig stieg die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze auf rund 165.000.
Exportboom und DAX zeigen ein anderes Bild
Gleichzeitig senden Außenhandel und Großunternehmen deutlich positivere Signale. Deutschland exportierte im Juni Waren für 139,3 Milliarden Euro und erreichte damit einen Monatsrekord. Im ersten Halbjahr lagen die Exporte bei 816,6 Milliarden Euro, 3,7 Prozent über dem Vorjahreswert. Allerdings gingen die Ausfuhren in die USA um 5,8 Prozent und nach China um 12,3 Prozent zurück.
Auch der Kapitalmarkt vermittelt ein anderes Bild. Der DAX lag am 27. August weiter über 26.000 Punkten, während DAX-Konzerne zuletzt Rekordgewinne meldeten. Ausländische Investoren hielten zuletzt 52,6 Prozent der DAX-Aktien, und zehnjährige Bundesanleihen rentierten Ende August knapp unter 3,2 Prozent. Dennoch löst dieses Vertrauen die strukturellen Probleme vieler kleiner Betriebe nicht. Das ifo Beschäftigungsbarometer verbesserte sich im August zwar auf 94,8 Punkte, doch insgesamt planen Unternehmen weiterhin Stellenabbau.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Ifo Institut (27.08.26) – Destatis (14.08.26) – DIHK (14.08.26) – IWH (06.08.26) – Creditreform (23.06.26)
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