Biomethan-Überschuss im Sommer: Niederlande bauen Verdichter gegen volles Gasnetz

In Tilburg und Mill in Noord-Brabant sollen neue Verdichter Biomethan aus überlasteten Regionalnetzen in das nationale Gasnetz befördern. Gasunie kündigte die beiden Anlagen am 27. August 2026 an. Hintergrund ist ein saisonales Ungleichgewicht zwischen Produktion und Verbrauch. Biomethan entsteht das ganze Jahr über nahezu gleichmäßig, während der Gasbedarf zwischen April und Oktober deutlich sinkt. Vor allem Haushalte benötigen dann wesentlich weniger Gas zum Heizen. Dadurch übersteigt die regionale Einspeisung zeitweise den Verbrauch. Das lokale Netz kann sich deshalb bis an seine technische Aufnahmegrenze füllen. Ohne zusätzliche Transportwege müssen Produzenten ihre Einspeisung reduzieren oder überschüssiges grünes Gas im Extremfall verbrennen.


Biomethan staut sich im Sommer im regionalen Gasnetz

Das Problem entsteht durch die Struktur der niederländischen Gasnetze. Viele Produzenten speisen ihr Gas zunächst in lokale Netze mit relativ niedrigem Druck ein. Haushalte und Unternehmen in der Umgebung verbrauchen dieses Gas direkt. Im Winter funktioniert dieses Prinzip aufgrund des hohen Wärmebedarfs besonders gut. Im Sommer sinkt der Verbrauch jedoch erheblich. Gleichzeitig produzieren Biogasanlagen weiter und bereiten das Gas für die Netzeinspeisung auf.

Im Sommer übersteigt das Biomethan-Angebot regional die Nachfrage. Neue Verdichter sollen verhindern, dass das Gasnetz an die Grenze kommt
Im Sommer übersteigt das Biomethan-Angebot regional die Nachfrage. Neue Verdichter sollen verhindern, dass das Gasnetz an die Grenze kommt
Bild: Shutterstock

Dadurch können Angebot und Nachfrage regional stark auseinanderlaufen. Enexis beschreibt ausdrücklich Situationen an warmen Sommertagen, in denen das lokale Gasnetz vollständig ausgelastet sein kann. Dann lässt sich zusätzlich produziertes Gas nicht mehr ohne Weiteres einspeisen. Außerdem treten solche Engpässe auch in Sommernächten auf, wenn der Verbrauch besonders niedrig ist. Enexis arbeitet deshalb neben Verdichtern bereits an Regeln, wie knappe Einspeisekapazitäten zwischen mehreren Produzenten verteilt werden sollen.

Verdichter drücken den Sommerüberschuss ins nationale Netz

Die neuen Anlagen sollen dieses saisonale Problem technisch entschärfen. Ein Kompressor erhöht dafür den Druck des überschüssigen Gases. Anschließend kann es vom regionalen Enexis-Netz in das nationale Hochdrucknetz von Gasunie strömen. Dort erreicht es Regionen, in denen gleichzeitig noch Nachfrage vorhanden ist. Biomethan muss damit nicht zwangsläufig dort verbraucht werden, wo es produziert wurde.

Gasunie installiert dafür jeweils einen technisch ausgerüsteten Container mit Verdichter und elektrischer Steuerung. Eine separate Kühleinheit gehört ebenfalls zur Anlage. Außerdem sind Tiefbauarbeiten, Messtechnik und umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen erforderlich. Die Projekte in Tilburg und Mill sind die ersten Gasunie-Booster dieser Art in Noord-Brabant. Die Provinz besitzt wegen ihrer Landwirtschaft und Tierhaltung ein vergleichsweise großes Potenzial für die Produktion von grünem Gas.


Produktion wächst – doch das Ausbauziel bleibt weit entfernt

Der regionale Sommerüberschuss bedeutet allerdings nicht, dass die Niederlande insgesamt zu viel grünes Gas produzieren. Vielmehr treffen örtlich hohe Einspeisemengen zeitweise auf eine zu geringe lokale Nachfrage. Landesweit lag die Produktion 2025 erst bei 336 Millionen Kubikmetern. Das entsprach einem Wachstum von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der direkten Einspeiser von 92 auf 108.

Das politische Ausbauziel liegt jedoch weiterhin bei zwei Milliarden Kubikmetern jährlich im Jahr 2030. Dafür müsste sich die Produktion gegenüber 2025 nahezu versechsfachen. Biomethan ist somit gleichzeitig knapp und regional zeitweise im Überschuss vorhanden. Neue Verdichter lösen diesen Widerspruch, indem sie die Transportmöglichkeiten verbessern. Sie schaffen jedoch weder zusätzliche Produktionsanlagen noch mehr organische Rohstoffe. Der Ausbau des nationalen Marktes hängt deshalb weiterhin von Investitionen, Genehmigungen und verlässlichen politischen Rahmenbedingungen ab.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Gasunie (27.08.26)Gasunie (27.07.26)

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