Prag/Wittenberg – AGF Nitrogen erwägt seit dem 2. September 2026, die Ammoniakproduktion in seinen europäischen Werken zu drosseln. Auslöser sind stark gestiegene Erdgaspreise und weiterhin hohe Kosten für CO₂‑Zertifikate. Ammoniak ist der wichtigste chemische Vorstoff für stickstoffhaltigen Dünger und zahlreiche weitere Stickstoffprodukte. Deshalb könnte eine geringere Ammoniakproduktion die nachgelagerte Düngemittelproduktion verteuern oder begrenzen. Welche Standorte betroffen wären, nennt der Konzern bislang jedoch nicht. Damit bleibt auch offen, ob SKW Piesteritz in Sachsen-Anhalt einbezogen wird.
Dünger hängt entscheidend von der Ammoniakproduktion ab
AGF Nitrogen entstand im Juli 2026 als neue Chemie-Subholding des Agrofert-Konzerns. Der Verbund umfasst unter anderem LAT Nitrogen, Duslo, Lovochemie und SKW Piesteritz. Nach Unternehmensangaben ist die Gruppe damit Europas zweitgrößter Düngemittelhersteller. Außerdem verfügt sie laut Branchendienst Profercy über rund 3,6 Millionen Tonnen Ammoniakkapazität pro Jahr.

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Entscheidend ist dabei die Kostenstruktur der Ammoniakherstellung. Erdgas liefert bei der konventionellen Produktion sowohl den Wasserstoff als auch einen erheblichen Teil der benötigten Energie. Der Stickstoff selbst stammt dagegen aus der Luft und reagiert im Haber-Bosch-Verfahren mit Wasserstoff zu Ammoniak. Deshalb schlagen höhere Gaspreise direkt auf die Kosten für Dünger durch.
Gas und CO₂ verteuern die Produktion in Europa
AGF-Nitrogen-Chef Petr Cingr verweist zusätzlich auf die europäischen Emissionskosten. Nach Angaben des Konzerns liegen diese deutlich über den Belastungen vieler außereuropäischer Wettbewerber. Dadurch verliert die heimische Ammoniakproduktion gegenüber Standorten mit niedrigeren Energie- und Klimakosten an Wettbewerbsfähigkeit.
Gleichzeitig meldet AGF Nitrogen eine schwächere Nachfrage der Landwirte für die kommende Saison. Hohe Düngemittelpreise können dazu führen, dass Betriebe ihre Einsatzmengen reduzieren. Weniger Dünger kann jedoch die Erträge beeinträchtigen und damit langfristig auch das landwirtschaftliche Angebot verringern.
SKW Piesteritz könnte ebenfalls betroffen sein
Für Deutschland besitzt die Entwicklung besondere Bedeutung, weil SKW Piesteritz zur AGF-Gruppe gehört. Das Unternehmen ist Deutschlands größter Hersteller von Ammoniak und Harnstoff und beschäftigt rund 980 Mitarbeiter. Eine konkrete Drosselung am Standort hat AGF Nitrogen bislang jedoch nicht angekündigt.
Die Vergangenheit zeigt allerdings, wie empfindlich die Produktion auf hohe Gaspreise reagiert. Bereits 2021 reduzierte SKW Piesteritz die Ammoniakproduktion zeitweise wegen unwirtschaftlicher Erdgaspreise. Außerdem legte das Unternehmen später Anlagen vorübergehend still, als sich die Marktbedingungen erneut verschlechterten.
Europas Importabhängigkeit könnte weiter steigen
Die europäische Düngemittelindustrie bleibt stark von Energiepreisen und Importen abhängig. Die EU führt bereits erhebliche Mengen fertiger Stickstoffdüngemittel sowie Ammoniak und Harnstoff aus Drittstaaten ein. Weitere Produktionsdrosselungen könnten diese Abhängigkeit deshalb verstärken.
Damit verschiebt sich ein größerer Teil der Versorgung auf den Weltmarkt. Dort bestimmen neben Gaspreisen auch Handelsbeschränkungen, Transportkosten und geopolitische Entwicklungen die Preise. Für Europas Landwirtschaft wächst dadurch das Risiko, dass ein wesentlicher Produktionsfaktor dauerhaft teuer und stärker von Importen abhängig bleibt.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Agrarhuete (03.09.26) – AGF Nitrogen (02.09.26) – Profercy (02.09.26)
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