Drohnenabwehr: Bund bestellt Millionen-Systeme – und scheitert an eigenen Regeln

Berlin – Bei der Drohnenabwehr für deutsche Flughäfen offenbart sich ein schweres staatliches Beschaffungsversagen. Nach Informationen der WELT bestellte die Bundespolizei millionenteure Systeme bei einem israelischen Hersteller. Erst danach stellte sich demnach heraus, dass eine europaweite Ausschreibung nötig ist. Anschließend scheiterte die Einfuhr offenbar an deutschen Vorschriften. Inzwischen soll sogar ungeklärt sein, wie der Transport der lieferbereiten Anlagen innerhalb Deutschlands erfolgen soll. Währenddessen bleiben elf von 13 besonders schützenswerten Verkehrsflughäfen ohne eigene staatliche Abwehreinrichtung. Gleichzeitig meldete das Luftfahrt-Bundesamt allein 2025 insgesamt 226 Drohnenvorfälle.


Drohnenabwehr wird zum Lehrstück staatlicher Fehlplanung

Der Ablauf ist brisant, weil es nicht an Geld, Technik oder einem Anbieter mangelt. Nach WELT-Informationen stehen die bestellten Systeme bereits seit dem Frühjahr beim Hersteller bereit. Trotzdem erreichen sie ihre vorgesehenen Einsatzorte nicht. Das Innenministerium wollte die Angaben weder bestätigen noch dementieren.

Drohnenabwehr scheitert an Behördenchaos: Erst Bestellung, dann Ausschreibung, Einfuhrprobleme und ungeklärter Transport
Drohnenabwehr scheitert an Behördenchaos: Erst Bestellung, dann Ausschreibung, Einfuhrprobleme und ungeklärter Transport
Bild: Shutterstock

Besonders schwer wiegt die offenbar verkehrte Reihenfolge der Beschaffung. Bei einer Millioneninvestition hätte die vergaberechtliche Prüfung vor einer Bestellung erfolgen müssen. Stattdessen bemerkte der Bund dem Bericht zufolge erst danach die Pflicht zur europaweiten Ausschreibung. Damit erzeugte die Verwaltung genau jene Verzögerung selbst, die sie angesichts der Sicherheitslage eigentlich vermeiden wollte.

Erst Ausschreibung vergessen, dann Einfuhr und Transport nicht geklärt

Doch damit endet das Behördenchaos nicht. Nachdem die Ausschreibungsfrage zum Problem geworden war, scheiterte die Überführung offenbar zunächst an deutschen Einfuhrbestimmungen. Nun soll zusätzlich der Transport innerhalb Deutschlands ungeklärt sein. Die Bundeswehr darf ihn laut WELT offenbar nicht übernehmen. Private Speditionen sollen wiederum Sicherheitsbedenken haben.

Falls diese Darstellung zutrifft, ist der Vorgang kaum noch mit normaler Beschaffungsverzögerung zu erklären. Der Staat bestellt sicherheitsrelevante Technik, bekommt sie aber wegen eigener Verfahren nicht ins Land und anschließend nicht an den Einsatzort. Gleichzeitig warnt die Bundesregierung seit Monaten vor hybriden Angriffen und steigenden Drohnenaktivitäten. Genau dieser Widerspruch macht den Vorgang so gravierend.

Elf von 13 Flughäfen ohne staatliche Abwehreinrichtung

Das Ergebnis dieser Beschaffungspolitik zeigt sich an den Flughäfen. Nach WELT-Informationen verfügen lediglich Frankfurt und München über installierte Abwehreinrichtungen. Beide Standorte bauten ihre Systeme zudem weitgehend aus eigenem Engagement auf. In Leipzig betreibt DHL eine eigene Anlage für sein Frachtzentrum. Der Staat schützt den Großteil der 13 priorisierten Verkehrsflughäfen damit weiterhin nicht mit fest installierter Abwehrtechnik.

Dabei fehlt es längst nicht an Warnsignalen. 2025 registrierte das Luftfahrt-Bundesamt 226 Drohnenereignisse. Das DLR bezifferte die direkten Schäden auf mindestens 60 Millionen Euro. Einschließlich weiterer Folgewirkungen könnten die Kosten sogar 160 Millionen Euro erreichen. Trotzdem schafft es der Bund nicht, bereits beschaffte Drohnenabwehr rechtzeitig einsatzbereit zu machen.


Technik vorhanden – Verwaltung verhindert den Einsatz

Besonders deutlich wurde das Problem zuletzt in Leipzig und Hannover. In Leipzig entdeckte ein Busfahrer die explosive Drohne, während in Hannover ein Mitarbeiter von DB Schenker ein verdächtiges Fluggerät fand. Staatliche Systeme hatten beide Drohnen zuvor nicht zuverlässig erfasst. Damit fehlen nicht nur stationäre Anlagen, sondern teilweise auch wirksame Detektionsmöglichkeiten.

Das eigentliche Problem ist deshalb nicht mehr allein technischer Natur. Deutschland verfügt über Hersteller, Geld und grundsätzlich verfügbare Systeme. Doch die Verwaltung schafft es offenbar nicht, diese Technik rechtssicher zu bestellen, einzuführen und zu transportieren. Für die Drohnenabwehr an Flughäfen ist das ein alarmierendes Signal. Ein Staat, der sich bei sicherheitskritischen Beschaffungen selbst blockiert, macht seine eigene Bürokratie zum Teil des Sicherheitsproblems.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Welt (03.09.26)

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