Gaspreise in Europa auf 3,5-Jahres-Hoch – Speicher nur zu 65 Prozent gefüllt

Europa startet mit erheblichen Belastungen an den Energie- und Finanzmärkten in den September. Die Gaspreise erreichten am 1. September zeitweise den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren, während die Inflation im Euroraum auf 3,3 Prozent stieg. Auslöser sind hauptsächlich gestörte LNG-Lieferungen aus Katar und die Folgen des Iran-Konflikts. Zugleich waren die EU-Gasspeicher am 31. August nur zu 65,44 Prozent gefüllt. Zusätzlich kann der Gasverbrauch steigen, wenn bei geringer Wind- und Solarstromerzeugung regelbare Gaskraftwerke mehr Strom liefern müssen. Sie decken dann größere Teile der Residuallast und können zugleich zur Stabilisierung des Stromsystems beitragen. Deshalb treffen hohe Preise, niedrige Vorräte und zusätzlicher Bedarf aus dem Stromsektor vor der Heizperiode aufeinander.


Gaspreise treffen auf ungewöhnlich niedrige Speicherstände

Am niederländischen TTF stieg der europäische Referenzpreis zeitweise auf den höchsten Stand seit rund dreieinhalb Jahren. Die Gaspreise reagierten dabei vorwiegend auf die angespannte Versorgungslage im Nahen Osten. Außerdem verlängerte QatarEnergy Lieferausfälle für den italienischen Versorger Edison bis Anfang November. Insgesamt fallen damit 29 LNG-Ladungen mit rund 3,8 Milliarden Kubikmetern Gas aus. Europa muss diese Mengen deshalb teilweise auf dem Weltmarkt ersetzen.

Gaspreise treiben Inflation und Energiekosten. Zugleich sind Europas Speicher nur zu 65 Prozent gefüllt und Gaskraftwerke erhöhen den Bedarf
Gaspreise treiben Inflation und Energiekosten. Zugleich sind Europas Speicher nur zu 65 Prozent gefüllt und Gaskraftwerke erhöhen den Bedarf
Bild: Shutterstock

Nach Daten von Gas Infrastructure Europe waren die EU-Speicher am 31. August zu 65,44 Prozent gefüllt. Deutschland erreichte dagegen nur 53,32 Prozent. Besonders problematisch ist außerdem die Preisstruktur am Terminmarkt. Kurzfristige Lieferungen kosten teilweise mehr als spätere Winterkontrakte. Deshalb sinkt für Händler der finanzielle Anreiz, Gas jetzt einzukaufen und bis zum Winter einzulagern.

Gaskraftwerke können den Gasverbrauch in Europa zusätzlich erhöhen

Ein weiterer Faktor liegt im Stromsystem. Bei geringer Erzeugung aus Wind- und Solaranlagen müssen regelbare Kraftwerke größere Teile der verbleibenden Stromnachfrage übernehmen. Dazu gehören auch Gaskraftwerke, die kurzfristig Leistung bereitstellen können. Dadurch steigt jedoch der Gasverbrauch im Stromsektor gerade in Phasen schwacher erneuerbarer Erzeugung.

Außerdem bleibt der Bedarf an Eingriffen zur Stabilisierung des Stromnetzes hoch. Die Bundesnetzagentur erwartet für den Winter 2026/27 weiterhin erheblichen Redispatch und zusätzliche Reservekraftwerke. Allein die benötigte Netzreserve umfasst mehrere Gigawatt Leistung. Nicht jede dieser Anlagen arbeitet mit Gas, jedoch spielen flexible Gaskraftwerke im regulären Strommarkt eine wichtige Rolle beim Ausgleich schwankender Erzeugung. Hohe Gaspreise können deshalb über die Stromproduktion zusätzlich auf die Großhandelspreise für Elektrizität durchschlagen.


Energie treibt Inflation im Euroraum auf 3,3 Prozent

Die höheren Gas- und Ölpreise schlagen inzwischen deutlich auf die Verbraucherpreise durch. Eurostat beziffert die Inflation im Euroraum für August auf 3,3 Prozent. Im Juli hatte sie noch bei 2,9 Prozent gelegen. Besonders stark verteuerte sich jedoch Energie. Die Energiepreise lagen im August 14,3 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Damit verändert sich außerdem die Erwartung an die Geldpolitik. Anleger rechnen zunehmend mit einer weiteren Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank. Gleichzeitig stiegen die Renditen deutscher und französischer Staatsanleihen auf langjährige Höchststände. Höhere Finanzierungskosten belasten deshalb Staaten, Unternehmen und Immobilienmärkte. Der Energieschock wirkt damit nicht nur auf Gas- und Stromrechnungen, sondern inzwischen auch auf Inflation, Zinsen und Kapitalmärkte.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Reuters (01.09.26) Eurostat (01.09.26)The Wall Street Journal (01.09.26)

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