Die Produktivität reicht nicht mehr aus: Deutschlands Wohlstand ist so nicht zu halten

Berlin, August 2026 – Deutschlands Produktivität wächst im Sechsjahresdurchschnitt nur noch um 0,3 Prozent jährlich. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft wären jedoch mindestens 1,6 Prozent nötig, um den Wohlstand trotz alternder Bevölkerung zu sichern. Gleichzeitig schrumpft das Arbeitskräfteangebot, während immer mehr Beschäftigte in den Ruhestand gehen. Bleibt die Leistung je Arbeitskraft auf dem heutigen Wachstumspfad, lässt sich das bisherige Wohlstandsniveau deshalb auf Dauer nicht halten.


Produktivität fällt auf nur noch 0,3 Prozent Wachstum

In den 1980er- und 1990er-Jahren stieg die Arbeitsproduktivität noch um rund zwei Prozent pro Jahr. Seit der Jahrtausendwende hat sich dieses Wachstum jedoch immer weiter abgeschwächt. Im jüngsten Sechsjahresdurchschnitt bleiben lediglich 0,3 Prozent übrig. Die IW-Studie nennt unter anderem schwache Investitionen, weniger Innovation und den zunehmenden Anteil personalintensiver Dienstleistungen als Ursachen.

Deutschlands Produktivität wächst kaum noch. Ohne deutlich mehr Leistung je Arbeitskraft lässt sich der heutige Wohlstand nicht sichern
Deutschlands Produktivität wächst kaum noch. Ohne deutlich mehr Leistung je Arbeitskraft lässt sich der heutige Wohlstand nicht sichern
Bild: Shutterstock

Damit trifft die schwache Produktivität auf eine Entwicklung, die Deutschland kaum noch durch zusätzliche Beschäftigte ausgleichen kann. Das IAB erwartet 2026 erstmals einen Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials um 40.000 auf 48,62 Millionen Menschen. Außerdem dürfte die Zahl der Erwerbstätigen um rund 90.000 sinken. Weniger Arbeitskräfte müssen künftig deshalb einen immer größeren Teil der Wirtschaftsleistung und Sozialausgaben tragen.

Demografie macht höhere Wirtschaftsleistung je Beschäftigten unverzichtbar

Besonders deutlich zeigt sich das Problem beim Übergang der Babyboomer in den Ruhestand. Bis 2036 erreichen jährlich im Schnitt rund 1,3 Millionen Menschen dieser Generation das Rentenalter. Gleichzeitig rücken nur etwa 800.000 jüngere Menschen nach. Deutschland verliert damit jedes Jahr einen erheblichen Teil seines verfügbaren Arbeitskräftepotenzials.

Auch ungenutzte Reserven bei jungen Erwachsenen lösen das Problem jedoch nicht kurzfristig. Im Jahr 2025 waren 10,0 Prozent der 20- bis 24-Jährigen weder beschäftigt noch in Ausbildung oder Weiterbildung. 2022 lag dieser Anteil noch bei 8,8 Prozent. Nur ein Viertel dieser Gruppe suchte aktiv eine Stelle, während rund zwei Drittel dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung standen.


Ohne Reformen wird der Wohlstand schwerer zu finanzieren

Die IW-Forscher sehen deshalb fünf zentrale Hebel für höhere Produktivität: Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Innovation, weniger Bürokratie und zusätzliche Investitionen. Besonders schnell könnte ein umfassender Bürokratieabbau wirken. Die Studie errechnet dafür unter bestimmten Annahmen bereits binnen eines Jahres ein Potenzial von 1,6 Prozent. Langfristig könnten zudem höhere Forschungsaufwendungen und der stärkere Einsatz von KI die Wirtschaftsleistung deutlich erhöhen.

Dass Bürokratie inzwischen selbst zum Wachstumsproblem geworden ist, zeigen außerdem Berechnungen der Bundesbank. Danach stiegen die entsprechenden Unternehmenskosten zwischen 2022 und 2024 von etwa fünf auf rund sieben Prozent des Jahresumsatzes. Dieser Anstieg könnte das gesamtwirtschaftliche Produktivitätswachstum um rund 0,5 Prozentpunkte gedrückt haben. Deutschland braucht deshalb nicht nur eine Konjunkturerholung, sondern dauerhaft mehr Wertschöpfung je Beschäftigten, wenn Einkommen, Renten und Sozialleistungen auf heutigem Niveau finanzierbar bleiben sollen.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Stiftung Familienunternehmen (17.08.26)Bild (17.08.26)Statistisches Bundesamt (17.08.26)

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